Was muss denn nun aufs Rezept? Fragen und Antworten zu den Pflichtangaben

Für alle Arzneimittel-Rezepte sieht der Gesetzgeber seit dem 1. Juli 2015 Pflichtangaben zur „verschreibenden ärztlichen Person“ vor. Das hat zu einiger Verwirrung und sogar Streit zwischen Apothekern und Ärzten geführt. Was muss aufs Rezept? Was auf den Stempel? Dieser Fragen-Antworten-Katalog schafft Klarheit.

Zum 1. Juli 2015 sind auf Arzneimittel-Rezepten einige Angaben verpflichtend. Diese Pflichtangaben sind:
- Vorname und Name
- Berufsbezeichnung
- Praxis-Anschrift der verschreibenden ärztlichen Person
- Telefonnummer zur Kontaktaufnahme

Apotheken müssen diese Pflichtinhalte daher ggf. einfordern, um die Rezepte mit den Krankenkassen abrechnen zu können. Die Vordruckvereinbarung des Bundesmantelvertrags fordert daneben schon länger, die Ausstellung eines Rezeptes mit einem Vertragsarztstempel oder Stempeleindruck zu versehen. So viel zur Theorie. Wie sich diese Regularien konkret in Praxis widerspiegeln, lässt sich den folgenden Fragen-Antworten entnehmen.

1. Die Apotheke beanstandet den verwendeten Vertragsarztstempel bzw. Stempeleindruck. Muss dieser zwingend geändert werden?
Nein. Denn die gesetzlichen Pflichtangaben (Vorname, Name, Berufsbezeichnung, Anschrift und Telefonnummer) beziehen sich auf die verschreibende ärztliche Person bzw. den Rezeptvordruck und nicht auf den Vertragsarztstempel. Für Bremen gibt es keine vertragliche Regelung mit den Krankenkassen zum Inhalt der Vertragsarztstempel. Insofern ist eine leserliche Ergänzung des Rezeptvordrucks gegebenenfalls ausreichend.

2. Gibt es eine Regelung für Verordner innerhalb einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) oder eines MVZ?
Ja. Nach dem Bundesmantelvertrag (§ 37 Abs. 3 BMVÄ) ist bei der Verordnung von Arzneimitteln von Ärzten einer BAG oder eines MVZ ein Vertragsarztstempel der Praxis zu verwenden, in dem zusätzlich der Name des verordnenden Arztes enthalten ist oder der Name des verordnenden Arztes ist zusätzlich auf der Verordnung lesbar anzugeben. Zu beachten ist, dass auch in diesen Fällen das Rezept die Pflichtangaben zur verschreibenden ärztlichen Person enthält, also auch den Vornamen.

3. In unserem Stempel sind verschiedene Ärzte genannt. Müssen wir den verordnenden Arzt jedes Mal zwingend kenntlich machen?
Nein. Die gesetzlichen Grundlagen verlangen lediglich die Nennung des Vor- und Nachnamens der verschreibenden Person. Eine Kennzeichnung würde aber bei eventuell notwendigen Rückfragen durch die Apotheke die schnelle Zuordnung des Rezeptes ermöglichen. Den verordnenden Arzt zu unterstreichen oder anzukreuzen, stellt daher keinen Formverstoß dar.

4. Kann die Apotheke zusätzlich die Angabe der Betriebsstätten-Nummer (BSNR) im Vertragsarztstempel verlangen?
Nein. Für den Vertragsarztstempel gibt es keine rechtliche oder vertragliche Verpflichtung zur Angabe der BSNR. Die BSNR gehört auch nicht zu den Pflichtangaben nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV). Die BSNR muss aber weiterhin aus dem Rezeptvordruck (Muster 16) hervorgehen (s. „Betriebsstätten-Nr.“ und Codierzeile unten rechts). Kurzum: Die BSNR kann in den Vertragsarztstempel (Empfehlung), muss aber nicht.

5. Das Rezept enthält die „Arzt-Nr“. Ist damit den Anforderungen genüge getan?
Nein. Apotheken können die Lebenslange Arztnummer (LANR) nicht entschlüsseln. Die vollständigen Pflichtangaben sind daher zusätzlich erforderlich. Das gilt auch für Ärzte, die alleine in der Praxis tätig sind.

6. Kann die Krankenkasse einer Apotheke ein Rezept ablehnen, weil die Berufsbezeichnung vermeintlich nicht „korrekt“ ist?
Antwort: Nein. Der Gesetzgeber hat zur Pflichtangabe „Berufsbezeichnung“ keine weiteren Bestimmungen vorgegeben. Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen hat hierzu auch keine Vorgaben mit den Bremer Krankenkassen vereinbart.

7. Für welche Rezepte/Vordrucke gelten die Pflichtangaben?

- Muster 16   (Arzneimittel, Medizinprodukte)
- Muster 16a (Sprechstundenbedarf) und
- Privatrezepte

Die Pflichtangaben gelten ausdrücklich nicht für andere Formulare wie zum Beispiel Heilmittel, Überweisungen.

8. Muss der Vorname ausgeschrieben werden?
Ja. Initialen oder Abkürzungen sind nicht erlaubt.

9. Die verordnende Person hat mehrere Vornamen. Müssen alle angegeben werden?
Nein. Es reicht der Rufname.

10. Muss die Lebenslange Arztnummer (LANR) im Vertragsarztstempel bzw. Stempeleindruck zusätzlich angegeben werden?
Nein.