Ärztliches Zeugnis nach Bundesimpfverordnung: Ausstellung und Abrechnung

23.02.2021 |

Nach der Coronavirus-Impfverordnung können Ärzte ihren Patienten ein ärztliches Zeugnis ausstellen, welches dokumentiert, dass der Patient entweder der Priorisierungsgruppe 2 oder 3 zugeordnet ist. Maßstab ist eine Krankheitsliste. Es geht nicht um eine Höherpriorisierung.

Nach der Impfverordnung der Bundesregierung benötigen Patienten mit Vorerkrankungen der Priorisierungsstufen zwei und drei (hohe bzw. erhöhte Priorität) ein ärztliches Attest, damit sie ihren Anspruch auf eine vorrangige Impfung nachweisen können. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Betreffende nicht schon aufgrund seines Alters bevorzugt Anspruch hat: Priorisierungsgruppe zwei ab 70 Jahre, drei ab 60 Jahre. Hier kann der Nachweis über den Personalausweis erfolgen.

Für die Ausstellung des Attests ist eine formlose Bescheinigung durch den Arzt ausreichend (Mustertext siehe unten). Die Ausstellung wird pauschal mit 5 Euro vergütet. Hinzu kommen 0,90 Euro bei einem Versand per Post.

  • GOP 88320 (Ausstellung des Zeugnisses): 5 Euro
  • GOP 88321 (Porto im Zusammenhang GOP 88320): 0,90 Euro

Die GOP 88320 und 88321 dürfen nicht über den normalen Kassenschein abgerechnet werden, sondern nach dem Abrechnungsverfahren, das auch bei Abstrichen nach der Testverordnung zum Einsatz kommt. Hintergrund: Die Leistungen im Zusammenhang mit dem ärztlichen Attest werden nicht über die Gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet, sondern mit dem Bundesamt für soziale Sicherung über die KV abgewickelt. Dafür muss pro Kalendermonat nur ein (!) Abrechnungsschein im Ersatzverfahren mit einem fingierten Patienten (Vorname Kalendermonat (z.B. „Januar“) und Nachname „BAS“ angelegt werden.

Ausführliche Informationen zu diesem Abrechnungsweg können der Übersicht Coronatest-Konstellationen mit Abrechnungshinweisen (Seite 9) entnommen werden.

Das Attest kann auch nach telefonischem Kontakt mit dem Patienten ausgestellt und anschließend versendet werden.

Bereits im Dezember ausgestellte Atteste können nachträglich mit Quartalsabrechnung 1/2021 eingereicht werden.

 

Krankheitsbilder der Priorisierungsgruppe 2

  • Personen mit Trisomie 21,
  • Personen nach Organtransplantation,
  • Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung,
  • insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression,
  • Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt,
  • Personen mit interstitieller Lungenerkrankung, COPD, Mukoviszidose oder einer anderen, ähnlich schweren
  • chronischen Lungenerkrankung,
  • Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c ≥ 58 mmol/mol oder ≥ 7,5%),
  • Personen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung,
  • Personen mit chronischer Nierenerkrankung,
  • Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 40)


Krankheitsbilder der Priorisierungsgruppe 3

  • Personen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Krebserkrankungen, wenn die Remissionsdauer mehr als fünf Jahre beträgt,
  • Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologische Erkrankungen,
  • Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder
  • arterieller Hypertonie,
  • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen, Apoplex oder einer anderen chronischen neurologischen Erkrankung,
  • Personen mit Asthma bronchiale,
  • Personen mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung,
  • Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c < 58 mmol/mol oder < 7,5%),
  • Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30),

Beispieltext: Attest für Priorisierungsgruppe 2
„Bei Herrn Klaus Mustermann liegt eine Erkrankung im Sinne von Paragraf 3 der Impfverordnung vor.“

Beispieltext: Attest für Priorisierungsgruppe 3
„Bei Herrn Klaus Mustermann liegt eine Erkrankung im Sinne von Paragraf 4 der Impfverordnung vor.“