Fachrichtungen und Titel bei Ärzten

„Guten Tag, Frau Doktor“. So lautet die Begrüßung wohl häufig, oft aber nicht korrekt. Berufsbezeichnungen und akademische Grade auseinander zu sortieren, ist keineswegs banal, durch die Öffnung der europäischen Grenzen und gegenseitige Anerkennung von Ausbildungen, Diplomen und Titeln ist es noch verwirrender geworden.

Wer darf sich Arzt/Ärztin nennen?

Soweit ist es noch recht einfach. Wer diese gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung führen will, muss ein Hochschulstudium von mindestens fünf, in Deutschland sechs Jahren erfolgreich beendet haben. Nach Ablegen des dritten Staatsexamens erteilt die Gesundheitsbehörde des Landes die „Approbation“, und damit die Erlaubnis ärztlich tätig zu werden (allerdings nicht selbständig, s.u.). In anderen Ländern wird das Studium nicht unbedingt mit dem Staatsexamen abgeschlossen, sondern mit einem Magistergrad oder einem Diplom (so z.B. in der früheren DDR: Dipl.-Med.).

Wofür steht Dr. med.?

Diesen Titel kann man an einer deutschen Universität oder Medizinische Hochschule erwerben, indem man zusätzlich zum Examen über ein wissenschaftliches Thema arbeitet, hierüber eine „Doktorarbeit“, die Dissertation schreibt, und sich anschließen einer Prüfung unterzieht, meist traditionell „Rigorosum“ genannt.

Dr. med. ist der höchste akademische Grad, den deutsche Universitäten verleihen. Inoffiziell verleihen ihn auch viele Patienten, die ihren „Doktor“ so ansprechen, obwohl er keiner ist. Im Ausland findet diese Praxis sich sogar in offiziellen Regelungen wieder: In Italien darf man sich schon nach einem (dreijährigen) Bachelor-Studium mit „dottore“ ansprechen lassen. In Holland ist der Arzt immer „dokter“, von doctor kaum zu unterscheiden. Am praktischsten ist es, in Österreich den Studienabschluss zu erwerben: Der ganz normale Abschluss lautet dort „Doctor universalis medicinae“ oder auf deutsch  „Doktor der gesamten Medizin“. Das ist nicht nur wohlklingender als der gleichbedeutende deutsche „praktische Arzt“, sondern wird natürlich gern und oft unwidersprochen mit einem akademischen Titel verwechselt.

Was bedeutet eigentlich Facharzt?

Nach dem Staatsexamen müssen Ärzte und Ärztinnen zunächst eine Facharztweiterbildung durchlaufen. Dies geschieht überwiegend durch Arbeit in Krankenhäusern, immer mehr auch in anerkannten Weiterbildungspraxen. Die minimale Weiterbildungszeit ist drei Jahre, z.B. für einen in Frankreich erworbenen Titel Allgemeinarzt. In Deutschland braucht man mindestens 5 Jahre um einen Facharzttitel zu erlangen. Die Ärztekammern legen in ihren Weiterbildungsordnungen fest, wie diese Ausbildungen organisiert sein müssen und prüfen am Ende auch die Kandidaten. Bespiele sind „Arzt für Allgemeinmedizin, Arzt für Innere Medizin, Ärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten“. Um die Sache komplizierter zu machen, gibt es noch die Kurzbezeichnungen „Hautarzt, HNO-Arzt, Allgemeinarzt, etc.“ und die lateinischen Bezeichnungen „Dermatologe, Gynäkologin“ und andere.

Was ist eine Schwerpunkt- bzw. Zusatzbezeichnung?

Genau wie die Facharztbezeichnungen werden sie nach meist mehrjähriger Weiterbildung zusätzlich zu diesen vergeben. Sie können nur zu einem bestimmten Facharzt hinzutreten, wie z.B. „Gefäßchirurgie“ oder „Gastroenterologie“ oder aber als Zusatzbezeichnung zu verschiedenen Facharztbezeichnungen, so z.B. „Allergologie“ oder „Naturheilkunde“.

Das Wettbewerbsrecht und das Arztrecht sind in den letzten Jahren lockerer geworden. So können ungestraft auch frei erfundene Bezeichnungen auf Schildern und Briefköpfen benutzt werden, wenn sie nicht mit o.g. „amtlichen“ Bezeichnungen verwechselbar sind. Ein Beispiel ist „Arzt für Familienmedizin“. Klingt nett und erfordert gar keine Ausbildung. Umstritten ist z.B. „Arzt für Männermedizin“ oder „Ayurveda-Ärztin“. Im Zweifel entscheiden hier die Gerichte.

 

Informationsblatt

"Fachrichtungen und Titel bei Ärzten" (pdf - 19 kB)

Gesundheitstipp
Patienteninformation