Bereitschaftsdienst Bremen-Stadt: Verpflichtung, Vertretung, Fortbildung

07.06.2017 |

Es ist eine Mitteilung, die viele aufgeschreckt hat: Ab Juli werden auch Ärzte zum Bereitschaftsdienst in Bremen-Stadt eingeteilt, die bisher „verschont“ blieben. Damit endet eine fast zehn Jahre andauernde Bremensie, wonach die Dienste von freiwillig tätigen Ärzten gestemmt wurden.

Im April 2008 führte die KV Bremen eine bundesweit viel beachtete Änderung herbei: In der größten Bereitschaftsdienstzentrale Bremen-Stadt setzte sie die allgemeine vertragsärztliche Pflicht zur Teilnahme aus und führte die Freiwilligkeit ein – als erste und einzige KV. Seitdem übernahmen nur Ärzte Schichten im KV-Bereitschaftsdienst, die es auch wollten. Alle anderen wurden mit einem Schlag von der lästigen Pflicht befreit, sich um eine Vertretung zu kümmern. Dieses Kalkül ging solange auf, wie der Pool an freiwillig tätigen Ärzten ausreichte, um die zirka 2000 zu besetzenden Schichten im Halbjahr – Behandlungs, Fahr- und Telefondienste – abzudecken. 2008 waren es 140 Ärzte.

Heute sind es nur noch 75, die immerhin noch 1500 Dienste übernehmen. Es bleibt ein Saldo von 500. Und so wird die gute Tat von einst heute zum Fluch. Die KV Bremen musste nun 500 nach einem Zufallsprinzip ausgewählte Ärzte anschreiben und zu einem Dienst im zweiten Halbjahr 2017 verpflichten. Die Empörung war naturgemäß groß. Wer möchte schon alte Privilegien aufgeben? Andererseits gilt: Die Pflicht zur Teilnahme am ärztlichen Bereitschaft besteht für alle Vertragsärzte. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese haus- oder fachärztlich tätig sind. Und es spielt auch keine Rolle, ob sie sich für diese Aufgabe qualifiziert fühlen oder nicht. Da gibt es kein Vertun und höchstrichterliche Rechtsprechung: Kraft ihrer medizinischen Ausbildung sind alle Vertragsärzte grundsätzlich dazu befähigt. Wer sich dennoch nicht in der Lage sieht oder wer nicht will, muss sich auf eigene Kosten um einen Vertreter kümmern. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, die von der Teilnahme am ärztlichen Bereitschaftsdienst und der Verpflichtung, einen Vertreter zu bestellen, grundsätzlich befreien.

 

Befreiungsgründe: Ausnahmen gibt es (fast) keine

Alle Vertragsärzte können grundsätzlich zu einem KV-Bereitschaftsdienst herangezogen werden, unabhängig von Fachgebiet, Qualifikation oder persönlichen Fähigkeiten. Kraft ihrer medizinischen Ausbildung sind nach der Rechtsprechung alle Vertragsärzte für diese Tätigkeit qualifiziert. Abhanden gekommene Kenntnisse und Fähigkeiten müssen aufgefrischt werden.

Ich bin wegen Krankheit/Behinderung nicht in der Lage, Bereitschaftsdienste zu leisten.

Grundsätzlich gilt: Wer in einer Praxis tätig ist, kann auch Bereitschaftsdienste übernehmen. Die Rechtsprechung hat die Kriterien sehr hoch angesetzt, insofern sind Ausnahmen sehr selten. Aber: Selbst wer zugeteilte Dienste nachweislich aufgrund Erkrankung oder ähnlichem nicht persönlich übernehmen kann, muss selbst für einen Vertreter sorgen. Ich nehme an einem klinischen Bereitschaftsdienst teil und kann deshalb nicht zusätzliche Dienste leisten. Sofern der klinische Bereitschaftsdienst im Aufwand dem KVDienst vergleichbar ist (durchgängige Anwesenheit in einem Krankenhaus, keine Rufbereitschaft), dann liegt ein Befreiungsgrund vor.

Ich bin schwanger und kann die Dienste nicht leisten.

Ärztinnen in Schwangerschaft und bis zu zwölf Monate nach der Entbindung werden nicht für Dienste herangezogen, sobald die KV Bremen Kenntnis davon hat. Ich habe mich auf einem Gebiet spezialisiert und fühle mich nicht in der Lage, Notfallmedizin im Bereitschaftsdienst zu betreiben. Grundsätzlich gilt auch hier: Wer die Dienste nicht übernehmen kann oder will, kann einen Vertreter beauftragen. Gerichte haben geurteilt, dass sich Ärzte nicht auf ihre Spezialisierung berufen können, um eine Teilnahme am Bereitschaftsdienst pauschal abzulehnen, sondern im Gegenteil sogar eine Pflicht zur Fortbildung haben, um sich allgemeinmedizinische Grundkenntnisse anzueignen.

Ich bin durch meine Praxistätigkeit überlastet und kann deshalb die Dienste nicht leisten.

In dieser Konstellation kann der Vertragsarzt alternativ einen Vertreter einsetzen.

Ich bin neben der Praxis auch stark eingebunden durch ehrenamtliche Tätigkeiten und kann deshalb die Dienste nicht leisten.

In dieser Konstellation kann der Vertragsarzt alternativ einen Vertreter einsetzen.

Ich übernehme regelmäßig Wochenenddienste im Methadon-Bus und kann keine zusätzlichen Dienste leisten.

Bei der Methadon-Ausgabe handelt es sich auch um einen Ärztlichen Bereitschaftsdienst, der von der KV Bremen organisiert wird. Daher werden diese Ärzte vom „regulären“ Bereitschaftsdienst befreit. Dies gilt beispielsweise auch für die Teilnehmer am kinderärztlichen Bereitschaftsdienst der KV Bremen.

Ich habe einen halben Versorgungsauftrag bzw. bin als angestellter Arzt nur halbtags tätig.

Das wird berücksichtigt. Einem Arzt, der „hälftig“ tätig ist, wird auch nur für halb so viele Dienste eingeteilt.

 

Überblick: Diese Dienste gibt es

Bereitschaftsdienst ist nicht gleich Bereitschaftsdienst: Es gibt drei verschiedene Aufgabenbereiche. Außerdem variiert die Dauer nach Schicht, Wochentag und Tageszeit zwischen dreieinhalb und acht Stunden.

Behandlungsdienst
Dieser Dienst wird in der KV-Bereitschaftsdienstzentrale im Krankenhaus St. Joseph-Stift abgeleistet. Der Behandlungsarzt versorgt die Patienten vor Ort. Der behandelnde Arzt wird unterstützt von Medizinischen Fachangestellten.

Telefondienst
Dieser Dienst wird in der KV-Bereitschaftsdienstzentrale im Krankenhaus St. Joseph-Stift abgeleistet. Der Telefonarzt erstellt eine Anamnese am Telefon. Der Arzt berät den Patienten, bestellt diesen bei Bedarf in die BD-Zentrale oder schickt einen Fahrdienst. Der Telefonarzt ist dem Fahrdienstarzt gegenüber weisungsbefugt. Der Telefonarzt wird unterstützt von einer Telefonistin.

Fahrdienst
Der Fahrdienstarzt hält sich zu Hause oder in der Praxis in Bereitschaft. Voraussetzung ist, dass sich Wohnort oder Praxis im Bereich Bremen-Stadt befindet: Im Fahrdienst wird der Arzt vom Telefonarzt kontaktiert, erhält eine Anamnese zu dem Patienten und wird von einem Taxiunternehmen abgeholt und zum Patienten gefahren.

 

Vertreter: So organisieren Sie eine Vertretung

Wer keinen KV-Bereitschaftsdienst leisten möchte, muss für eine Vertretung sorgen. Es gibt verschiedene Wege, wie Sie einen Vertreter finden können, die komfortabelste ist sicherlich die Suche über das Internetportal BD-online. Zugangsdaten und eine ausführliche Anleitung haben alle Ärzte mit separater Post erhalten. In BD-online ist eine Vertreterliste mit Telefonnummer und Anschrift von „dienstwilligen“ Ärzten hinterlegt. So nehmen Sie schnell Kontakt auf. Außerdem können Sie Ihren Dienst zur Abgabe oder zum Tausch anbieten.

Als Vertreter können auch Nicht-Vertragsärzte benannt werden. Dafür ist allerdings eine separate Abrechnungsnummer der KV Bremen erforderlich. Rufen Sie an!

 

Abrechnung: Es braucht nur ein Kartenlesegerät

Für die Abrechnung der Bereitschaftsdienstfälle ist ein mobiles Kartenlesegerät erforderlich. Die eingelesenen Fälle sind ins eigene Praxissystem zu übermitteln und mit der Quartalsabrechnung bei der KV Bremen einzureichen. Nicht-Vertragsärzte können dafür die Praxissoftware in der Bereitschaftsdienstzentrale nutzen.

 

Häufige Diagnosen: Das erwartet Sie

Die fünf häufigsten Krankheitsbilder im KV-Bereitschaftsdienst sind:

  1. Akute Infekte / Beschwerden der Atemwege und Ohren, Harnwege, Magen-Darm-Bereich
  2. Arterielle Hypertonie
  3. Schmerzen des Bewegungsapparates
  4. Insektenstiche/Allergien
  5. Kopfschmerzen/Migräne

Fortbildung: So bringen Sie sich auf den Stand

Aktuelle Refresherkurs in der Bereitschaftsdienstzentrale

Für Ärzte, die sich über das Behandlungsspektrum im Bereitschaftsdienst auf Stand bringen wollen und mehr über die Abläufe erfahren wollen, bietet die KV Bremen zwei „Refresherkurse“ mit einer Führung durch die Bereitschaftsdienstzentrale an. Die Referenten sind zwei erfahrene Ärzte aus der Bereitschaftsdienstkommission.
Termine: 21.06.2017 oder 28.06.2017, 14.30 – 17.00 Uhr
Referenten: Dr. Ulrike Siegert-Keil und Holger Schelp
Veranstaltungsort: Schulungszentrum im St. Joseph-Stift, EG, Raum 6.018, Haupteingang Schubertstraße, 28209 Bremen
Gebühr: keine; Fortbildungspunkte: 3
Anmeldung: E-Mail a.lange@kvhb.de, Fax 0421.34 04-109

 

Intensivtraining: „Fit für den Notfall“

In Zusammenarbeit mit der Heidelberger Medizinakademie bietet die KV Bremen vom 8. bis 12. Dezember ein speziell für den KV- Bereitschaftsdienst konzipiertes Intensivseminar „Fit für jeden Notfall“ an. Es wird das gesamte Spektrum der Notfallmedizin thematisiert, unter anderem Akutsituationen aus den Bereichen der Kardiologie, Unfallchirurgie, Schmerztherapie und Palliativmedizin. Selbstverständlich werden auch verschiedene Reanimationsmaßnahmen, einschließlich vieler praktischer Übungen vermittelt.
Einzelheiten zur Veranstaltung veröffentlicht die KV Bremen in Kürze.

 

Fortbildungskurse und Termine in Deutschland

ÄK Hessen
(Bad Nauheim)
03.11. - 05.11.2017
09.03. - 11.03.2018
06032 782202
KV Niedersachsen
(Hannover)
30.08.2017 0511 380-4429
oder -4461
KV Nordrhein
(Norderney)
21. - 27.10.2017 0211 4302-2802
Frankfurt (Heidelberger
Akademie)
23.06. - 25.06.2017 06221 32189-0
Hamburg (Heidelberger
Akademie)
22.09. - 24.09.2017 06221 32189-0
Heidelberg (Heidelberger
Akademie)
06.10. - 08.10.2017 06221 32189-0
Saarbrücken (Heidelberger
Akademie)
20.10. - 22.10.2017 06221 32189-0
ÄK Westfalen-Lippe
(Münster)
25.11.2017 0251 9290
KV Berlin, vorwiegend
für Mitglieder,
Restplätze für Nichtmitglieder
17.06.2017,
16.09.2017,
14.10.2017,
18.11.2017
030 31003-267
oder -268
KV Bayerns verschiedene Fortbildungsmodule
zu diversen Terminen
089 57093-8889