Das Labor-Missverständnis: Jede Fachgruppe darf beauftragen

07.06.2018 |

Es führt immer wieder zu Nachfragen bei der KV und zu Verstimmungen zwischen den Fachgruppen. Dabei ist der Sachverhalt klar: Grundsätzlich kann und sollte jeder Arzt, der einen Laborwert für eine Diagnostik in seinem Fach benötigt, auch selbst das Labor veranlassen – und nicht einen Kollegen darum bitten. Das gilt auch für Fachgruppen, die nur selten Proben nehmen.

Berufsrechtlich kann kein Arzt von einem anderen Arzt bindend beauftragt werden, bestimmte Leistungen zu erbringen. Das schließt auch dieses Szenario ein: Ein Facharzt, der nur in seltenen Fällen Labordiagnostik benötigt, leitet seinen Patienten an einen hausärztlichen Kollegen weiter samt einer Reihe von Laborwerten, die er beim Patienten ermitteln möge. Dies mag im Sinne eines kollegialen Miteinanders eine freundliche Geste sein. Einen Anspruch hat der Facharzt aus diesem Beispiel allerdings nicht. Und der Hausarzt darf mit gutem Recht das Anliegen seines Kollegen zurückweisen. Denn jeder Arzt ist für sich und seine Leistungen verpflichtet, deren Sinnhaftigkeit unter WANZ-Kriterien (wirtschaftlich, ausreichend, notwendig, zweckmäßig) zu prüfen und dafür geradezustehen. Kurzum: Der Indikationssteller einer Abklärungsdiagnostik ist auch für die dafür notwendige Labordiagnostik verantwortlich. Richtig in diesem Beispielfall wäre es, wenn der Facharzt entweder das Labor selbst veranlasst oder aber spezielle Verdachtsdiagnosen an die anderen zuständigen Fachgruppen überweist, wobei dann dort zur Diagnostik auch Labor gemacht werden kann. Schlimmer noch und zudem unwirtschaftlich wäre es, einen Patienten zu einem anderen Arzt zu überweisen, und schon vorhandene Laborwerte nicht mitzugeben.

Vertragsärzte sollten sich an diese Vorgabe halten, weil es auch in der Regel finanzielle Implikationen gibt. Das Stichwort lautet Wirtschaftlichkeitsbonus, was viele Ärzte fälschlicherweise als ihr „Laborbudget“ bezeichnen. Mit dem Wirtschaftlichkeitsbonus ist ein Mechanismus mit der Absicht geschaffen worden, eine Ausweitung von Laborleistungen zu Lasten anderer Leistungen aus der Gesamtvergütung zu begrenzen. Das heißt: Nur wer „im Rahmen“ bleibt, erhält den vollen Bonus, der durchaus beträchtlich sein kann. Wer „darüber“ liegt, dessen Bonus wird gekappt oder ganz gestrichen. Der Rechenweg ist dermaßen kompliziert, das er nicht leicht vermittelbar ist. Die Intention ist allerdings leicht nachvollziehbar: Ein finanzieller Anreiz soll dafür sorgen, dass die Laborausgaben nicht explodieren. Insofern ist das Verhalten des Arztes aus dem geschilderten Beispiel nachvollziehbar, die Laborleistungen lieber vom Kollegen erbringen zu lassen. Der Hausarzt andererseits, muss sehr genau prüfen, will er seinen eigenen Bonus nicht riskieren.

Grundsätzlich ist festzuhalten: Wenn ausschließlich der Facharzt bei seinen Patienten aktuelle spezifische Laborwerte zur eigenen Diagnostik benötigt, so kann er diese selbst in Auftrag geben. Patienten, die einer grundsätzlichen diagnostischen Abklärung bedürfen, werden mit einer Überweisung zur Mit- und Weiterbehandlung – unter Anführung der (Verdachts-) diagnose – an einen entsprechenden Facharzt überwiesen. Über den Umfang der Leistungen zur Abklärung entscheidet der Facharzt selbst.

 

Keine Globalaufträge

Globalaufträge wie „Leber, Niere, Fettstoffwechsel, Schilddrüse“ stellen keine sachgemäße Beauftragung von Laborleistungen dar. Der Auftrag soll dezidiert unter Angabe der genauen Laboruntersuchungen (durch Angabe der Gebührenordnungsposition bzw. der Leistung) und mit der entsprechenden Diagnose, Verdachtsdiagnose oder Befunden ausgestellt werden.

 

Infos im Internet

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat ein Laborkompendium herausgebracht. Es enthält Informationen zur korrekten Beauftragung und Abrechnung von Laborleistungen, Hinweise zum Kapitel 32 des EBM, Interpretationshilfen sowie Empfehlungen zu medizinisch
sinnvoller und wirtschaftlicher Stufendiagnostik. Das Laborkompendium steht zum Download bereit unter www.kbv.de/html/publikationen.php