Digitalisierung im Gesundheitswesen: Der Fahrplan für die TI-Anwendungen

21.10.2020 |

Immer wieder werden im Zuge der Digitalisierung Fristen gesetzt und verschoben. Viele Fragen rund um die neuen TI-Anwendungen sind offen und die Details der Umsetzung ungeklärt. So sieht derzeit der Fahrplan für die TI-Anwendungen im Gesundheitswesen aus.

  • Grundlage für elektronische Anwendungen im Gesundheitswesen schufen im Jahr 2019 das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sowie das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG).
  • Seit dem 1. Juli 2020 werden elektronische Arztbriefe stärker gefördert. Der Versand von eArztbriefen soll ab 2021 nur noch über den Übermittlungsdienst „Kommunikation im Medizinwesen“, kurz KIM, erfolgen.
  • Ende Juni 2020 ist der erste KIM-Dienst in der Telematikinfrastruktur (TI) durch die gematik bundesweit zugelassen worden. Praxen können den Anbieter dabei frei wählen, da jeder Dienst mit jedem Praxisverwaltungssystem kompatibel sein muss. Die KBV entwickelt den eigenen Dienst „kv.dox“, der noch im Lauf dieses Jahres bereit gestellt werden soll.
  • Der elektronische Medikationsplan (eMP) und das Notfalldatenmanagement (NFDM) sind seit Juli 2020 verfügbar und werden derzeit noch in Feldtets geprüft.
  • Mitte Juli 2020 erteilte die gematik die erste bundesweite Zulassung für einen eHealth-Konnektor, der die Vernetzung in der TI bewerkstelligt. Um den eHealth-Konnektor zu nutzen, wird kein neues Gerät benötigt. Stattdessen muss nur ein Software-Update auf den in der Praxis bereits vorhandenen Konnektor eingespielt werden.
  • Voraussichtlich ab Herbst 2020 werden Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) ins Verzeichnis aufgenommen.
  • Krankenkassen stellen Versicherten zum 1. Januar 2021 die elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung.
  • Zum 30. Juni 2021 müssen Ärzte bei sich die notwendigen Voraussetzungen für die ePA geschaffen haben.
  • Start der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ist jetzt der 1. Oktober 2021: Die Pflicht, Krankenkassen über die AU zu informieren, geht von den Versicherten auf die Vertragsärzte über.
  • Ab 2022 können der Impfausweis, der Mutterpass, das gelbe U-Heft für Kinder und das Zahn-Bonusheft elektronisch in der ePA gespeichert werden. Versicherte können über ein Smartphone oder Tablet auf die ePAzuzugreifen und über ein dokumentenbezogenes Zugriffsmanagement festzulegen, wer welche Inhalte lesen darf.
  • Ab dem 1. Januar 2022 ist das eRezept verpflichtend.
  • Ab 2022 soll die eÜberweisung möglich sein.
  • Ab 2023 muss die ePA geeignet sein, Daten für Anwendungen der Krankenkassen, Pflegedaten, die eAU sowie sonstige Daten von Leistungserbringern bereitzustellen. Die Versicherten können in ihrer ePA abgelegte Daten freiwillig der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen.
  • Im Jahr 2024 sollen weitere Möglichkeiten der Anwendung hinzukommen, unter anderem EU-weite grenzüberschreitende eHealth-Services sowie Facharzt-übergreifende Unterstützung von Anwendungsfällen.