eGesundheitsakten erreichen die Praxen: Das ist zu beachten

18.10.2018 |

Immer mehr elektronische Gesundheitsakten drängen auf den Markt. Besondere Aufmerksamkeit erhält derzeit die App Vivy, die in diesen Tagen online geht und 25 Millionen Versicherte erreicht. Das bedeutet: Patienten werden damit in die Praxis kommen. Wir fassen zusammen, was es zu beachten gibt.

Grundsätzlich gilt das allgemeine Auskunftsrecht: Patienten haben Anspruch auf Kopien ihrer Patientenakte. Ihnen ist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch auf Verlangen „unverzüglich“ Einsicht in die vollständige Patientenakte zu gewähren. Sie können auch elektronische Abschriften von Patientenakten verlangen. Wie die Daten zur Verfügung gestellt werden, bestimmt allerdings der Arzt. Es muss also keine elektronische Gesundheitsakte von Vivy oder anderen Anbietern sein! So kann es aus Zeitgründen sinnvoll sein, auf eine Kopie zu verweisen. Auch datenschutzrechtliche Bedenken spielen eine Rolle.

Kopien oder Ausdrucke von Arztbriefen, Befunden oder Labordaten können nicht über den EBM abgerechnet werden. Allerdings hat der Patient dem  Behandelnden die entstandenen Sach- und Personalkosten zu erstatten. Da die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) dafür keine Gebührenziffer enthält, können sich Ärzte bei den Kosten für Kopien und Ausdrucke am Gerichtskostengesetz orientieren. Danach könnten 50 Cent je Dokument als angemessen
betrachtet werden. Die Situation bei der Weitergabe elektronischer Akten ist zurzeit generell nicht geklärt. Nach jetzigem Stand müsste der Arzt die Kosten selbst tragen oder in Absprache mit der Krankenkasse des Patienten die Kostenerstattung klären. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat angekündigt, wegen einer entsprechenden Vergütung über die GOÄ mit der Bundesärztekammer zu sprechen.

Da die Krankenkassen, die hinter der Gesundheitsakte Vivy stehen, derzeit kräftig die Werbetrommel rühren, kann es für Praxen durchaus Sinn machen, sich damit zu beschäftigen. Immerhin handelt es sich um einen Versichertenstamm von 25 Millionen (DAK, IKK classic, IKK Südwest, diverse BKK, Allianz, Gothaer und Barmenia). Die Nutzung ist für Patienten freiwillig, es wird aber einige geben, die das Angebot testen wollen. Praxen, die sich für Vivy entscheiden, sollten Folgendes beachten:

  • Die Übermittlung von Arztbriefen, Befunden oder Labordaten aus der Praxis erfolgt per Web-Upload über einen Link. Web-Upload bedeutet, dass eine auf einem Computer bereitgestellte Datei auf einem anderen Rechner oder Server hochgeladen wird. Ein Versand direkt aus dem Praxisverwaltungssystem wird erst möglich sein, wenn zum Beispiel die Schnittstelle von KV-Connect genutzt werden kann. Das soll ab nächstem Jahr möglich sein. Ärzte können dann einen etablierten Übertragungsweg nutzen; auch der Aufwand für die Bereitstellung der Dokumente dürfte damit sinken.
  • Praxen benötigen von ihren Patienten eine Einverständniserklärung/Schweigepflichtentbindung, dass sie angeforderte Dokumente per Web-Upload an Vivy senden dürfen.
  • Der Patient wendet sich mit seinem Wunsch nach Befunddaten nicht direkt an den Arzt, sondern an einen Customer Service von Vivy. Dieser nimmt telefonisch Kontakt mit der Praxis auf und informiert diese über die Anfrage des Patienten. Dabei werden dem Arzt zwei Möglichkeiten für die Bereitstellung der Dokumente angeboten: Entweder kommt der Patient in die Praxis und übergibt dem Arzt den temporär gültigen Web-Link – oder Vivy schickt die Anfrage mit dem Web-Link per E-Mail an die Praxis sowie die Einverständniserklärung/Schweigepflichtentbindung des Patienten.

Praxen, die elektronische Gesundheitsakten ablehnen oder wegen des Aufwandes nicht mitmachen wollen, sollten wissen: Vivy informiert nach eigenen Angaben Patienten über die ablehnende Haltung.