Elektro in der Praxis: Was muss wann und von wem geprüft werden?

Praxistipp aus dem Landesrundschreiben März 2015, Seiten 22 bis 24

EKG, Blutdruckmesser, ja selbst die Kaffeemaschine und der Staubsauger – elektrische Geräte in der Praxis müssen regelmäßig gewartet werden. Wer das nicht tut, riskiert saftige Strafen oder verliert im Schadensfall seine Haftpflicht. Weil für die verschiedenen Geräte unterschiedliche Rechtskreise gelten, ist die Verwirrung groß. Wir schaffen Abhilfe.

Welche Praxisgeräte müssen regelmäßig oder gelegentlich überprüft oder gewartet werden? Welche geeicht? Und wann, wie oft und von wem muss das geschehen? Fragen, für die neben Patientenversorgung, Verwaltung und Abrechnung nur wenig Zeit bleibt. Zugegeben: Wer will sich schon damit beschäftigen? Das ist allerdings in anderen Wirtschaftsbetrieben auch nicht anders. Jeder Vertragsarzt sollte zumindest grob wissen, dass in den Praxen drei Prüfverfahren von elektrischen Geräten zum Einsatz kommen. Das ist die Sicherheitstechnische Kontrolle (STK), die Messtechnische Kontrolle (MTK) bekannt auch als Eichung und schließlich die VDE-Prüfung.

Sicherheitstechnische Kontrolle (STK)

Sicherheitstechnische Kontrollen (STK) muss der Betreiber – sofern vom Hersteller vorgeschrieben – nach dessen Vorgaben und Fristen durchführen lassen. In diese Kategorie fallen Geräte wie zum Beispiel Defibrillatoren, EKG-Geräte, Reizstromtherapiegeräte, Laser und Dialysegeräte. Hat der Hersteller keine Fristen gesetzt, so muss der Betreiber diese Kontrolle in angemessener Zeit durchführen lassen, darunter werden in der Regel maximal zwei Jahre verstanden. Bei welchen Geräten ganz konkret eine STK durchzuführen ist, wird in Anlage 1 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung ausgeführt.

Messtechnische Kontrolle (MTK)

Ziel der Messtechnischen Kontrolle (ehemals Eichung) ist, festzustellen, ob das Gerät/Medizinprodukt die zulässigen maximalen Messabweichungen (Fehlergrenzen), die vom Hersteller in der Gebrauchsanweisung angegeben sind, einhält. Das gilt unter anderem für Blutdruckmessgeräte, Ergometer, elektrische Thermometer und Augentonometer. Gibt der Hersteller keine konkreten Fristen vor, sollte die Kontrolle in angemessenen Fristen (nach Erfahrung/ Mängelhäufigkeit) vorgenommen werden, mindestens jedoch alle zwei Jahre. Bei welchen Geräten eine MTK durchzuführen ist, wird in Anlage 2 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung ausgeführt.

VDE-Prüfung

Immer wieder kommt es auch in Arztpraxen zu Stromunfällen und Bränden. Dies soll die technische Prüfung nach DIN VDE verhindern. Sämtliche Elektrogeräte in den Praxen müssen nach dieser Maßgabe regelmäßig überprüft werden. Darunter fallen alle elektrischen Medizingeräte und Betriebsmittel in den Praxisräumen und im Wartezimmer, ebenso die Kaffeemaschine und die Mikrowelle für das Personal.

Für Arztpraxen sind zwei VDE-Prüfungen relevant: Medizingeräte (zum Beispiel Mikroskope), bei denen keine sicherheitstechnische Kontrolle vorgeschrieben oder vom Hersteller vorgegeben ist, werden nach „VDE 0751–1“ überprüft. Betriebsmittel (wie zum Beispiel Staubsauger) werden nach „VDE 0701/0702“ kontrolliert. Generell ist die Überprüfung der elektrischen Geräte vor der ersten Inbetriebnahme, vor Wiederinbetriebnahme, etwa nach Umrüstung, und in regelmäßigen Zeitabständen vorgeschrieben.

Für die Wiederholungsprüfungen der Medizingeräte schreibt die DIN VDE 0751–1 keine Fristen vor. Sofern der Hersteller keine Angaben macht, empfehlen die meisten Fachkreise und Landesbehörden eine jährliche Sicherheitsprüfung. Für die Wiederholungsprüfungen nach VDE 0701/0702 gibt es unterschiedliche Intervalle je nach Gerätetyp. Für die so genannten ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel ist eine jährliche Prüffrist vorgesehen. Dazu zählen zum Beispiel Kaffeemaschinen und Staubsauger. Geräte in Büroräumen wie etwa Drucker oder Telefone müssen alle zwei Jahre gewartet werden. Für ortsfeste elektrische Betriebsmittel, zum Beispiel Waschmaschinen und Kühlschränke, ist eine Prüffrist von vier Jahren vorgesehen.

Den richtigen Elektriker finden

Nicht jeder Techniker darf alle Prüfungen vornehmen, dies gilt insbesondere für die technische Wartung von Medizingeräten. Qualifizierte Elektriker sind in Branchenbüchern, den Gelben Seiten und im Internet zu finden. Wichtig ist, dass der Prüfer seine Qualifikation idealerweise für alle drei Prüfmethoden nachweist. Der Praxisinhaber sollte explizit danach fragen und sich vergewissern, denn bei ihm liegt die Verantwortung. Bei der Suche könnten Kollegen bestimmt weiterhelfen. Wichtig auch: Der Prüfer darf hinsichtlich seiner Kontrolltätigkeit keiner Weisung unterliegen und muss über geeignete Mess- und Prüfeinrichtungen verfügen.

Voraussetzung für viele Leistungen

Der Nachweis über die eingesetzten Geräte ist auch Bestandteil der Antragsprüfung für viele genehmigungspflichtige Leistungen. Die KV prüft die apparativen Voraussetzungen zum Beispiel für Ultraschall oder Röntgen. Dazu ist der Nachweis des Herstellers oder der aktuelle Prüfbericht bei der KV einzureichen. Welche Qualitätssicherungsvereinbarungen apparative Voraussetzungen beinhalten, können Sie der Homepage der KV Bremen nachlesen. Dort finden Sie auch Muster für die Herstellernachweise.

 

  Prüfung Fristen
Defibrillatoren, EKG-Geräte, Reizstromtherapiegeräte, Laser, Dialysegeräte, etc. STK nach Herstellerangabe, wenigstens alle zwei Jahre
Blutdruckmessgeräte, Ergometer, elektrische Thermometer, Augentonometer, etc MTK nach Herstellerangabe, wenigstens alle zwei Jahre
Mikroskope, sonstige Medizingeräte VDE 0751–1 Empfehlung jährlich
Kaffeemaschinen, Staubsauger, etc. VDE 0701/0702 jährlich
Drucker, Telefone, etc. VDE 0701/0702 zwei Jahre
Kühlschränke, Waschmaschinen, etc. VDE 0701/0702 vier Jahre

 

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