Erste Anlaufstelle: Joseph-Stift und KV richten „gemeinsamen Tresen“ ein

28.08.2019 |

Während in Berlin über Spahns Notfallkonzept diskutiert wird, entsteht in Bremen ein Angebot, das die Probleme jetzt schon angeht. Das Krankenhaus St. Joseph-Stift und die KV Bremen haben Mitte August im Rahmen eines Pilotprojektes einen „gemeinsamen Tresen“ zur Patientensteuerung eingerichtet.

Schilder in der Signalfarbe Rot führen die Patienten auf direktem Weg zum „gemeinsamen Tresen“ – nicht zur Zentralen Notaufnahme des Joseph-Stift und auch vorbei an der Bereitschaftsdienstzentrale der KV Bremen in unmittelbarer Nähe. Dort am „gemeinsamen Tresen“, der aus einem Wartebereich und einigen Räumen besteht, findet eine Ersteinschätzung der Patienten statt. Die dazu verwendete Software SmED (strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) wird seit Dezember des vergangenen Jahres bereits im KV-Bereitschaftsdienst erprobt und hat sich bewährt. Auf Basis dieser Einordnung werden die Patienten in die richtige Versorgungsebene geleitet. Das kann der Bereitschaftsdienst sein, die Notaufnahme oder perspektivisch auch eine Arztpraxis (Termine über den eTerminservice).

„Diese Struktur wird die Situation für die beteiligten Einrichtungen entspannen und die Patienten profitieren, weil sie schnell Sicherheit bekommen, wohin sie mit ihrem Anliegen gehen können“, ist der stellvertretende Vorsitzende der KV Bremen, Frank Völz, überzeugt. „Das wird letztlich auch Wartezeiten reduzieren; vor allem für jene, die auf eigene Faust kommen und dringend auf Hilfe in der Notaufnahme angewiesen sind.“ Diese Überzeugung teilt auch Torsten Jarchow, Geschäftsführer Krankenhaus St. Joseph-Stift: „Wir gehen davon aus, dass die Evaluation nach der vierteljährlichen Pilotphase positive Effekte aufzeigen wird.“

Bisher hat der „gemeinsame Tresen“ den Status eines Pilotprojektes. Der Zeitpunkt für den Start dieses Projektes ist nicht zufällig gewählt. Die KV Bremen will gerüstet sein auf das, was über die Gesetzgebung in den nächsten ein bis zwei Jahren zu erwarten ist. Das Konzept des „gemeinsamen Tresen“ ähnelt in Ansätzen den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Reform der Notfallversorgung. Es sind unter anderem Integrierte Notfallzentren (INZ) an den Kliniken vorgesehen. Dort sollen Patienten, die in Eigenregie kommen, ebenfalls nach einer Ersteinschätzung in die entsprechende Versorgungsebene weitergeleitet werden. Nach den Plänen soll dies an 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche geschehen. Der „gemeinsame Tresen“ in Bremen ist derzeit zu den Öffnungszeiten des Bereitschaftsdienstes besetzt.