FAQ zum Terminservice- und Versorgungsgesetz

Der Informationsbedarf zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) ist riesig. Deshalb haben wir hier viele Fragen und Antworten zusammengestellt.

 

Offene Sprechstunde

Welche Fachgruppen müssen offene Sprechstunde anbieten?

Das ist noch nicht festgelegt. Ab 1. September 2019 müssen Fachärzte der grund- und wohnortnahen Versorgung mindestens fünf offene Sprechstunden pro Woche anbieten. Welche Fachgruppen zum Angebot der offenen Sprechstunden  verpflichtet sind, legen KBV und GKV-Spitzenverband im Bundesmantelvertrag (BMV-Ä) fest. Beispielhaft nennt der Gesetzgeber konservativ tätige Augenärzte, Gynäkologen und HNO-Ärzte.

Für bis zu fünf offene Sprechstunden pro Kalenderwoche erfolgt die Vergütung extrabudgetär. Wie das konkret umgesetzt wird, ist noch offen. Fest steht, dass diese Fälle/Leistungen in der Praxissoftware gekennzeichnet werden müssen. Wir informieren sobald wie möglich über die Details.

Hinweis: Fachgruppen ohne Verpflichtung zu offenen Sprechstunden haben keinen Anspruch auf diese extrabudgetäre Vergütung.

 

Muss ich die neuen fünf offenen Sprechstunden als Blocksprechstunden anbieten oder kann ich sie tagesbegleitend abhalten?

Dazu gibt es noch keine Vorgaben. Bis die entsprechenden Ausführungsbestimmungen vorliegen, heißt es abwarten.

 

Abrechnung von TSVG-Fällen

Je nachdem, wie der Patient in die Praxis kommt, verspricht das TSVG mehr Geld. Was ist dabei in den ersten vier Quartalen zu beachten?

Vier Fallkonstellationen führen zu extrabudgetärer Vergütung:
1. Hausarzt vermittelt Termin beim Facharzt
2. Terminservicestelle vermittelt
3. offene Sprechstunde (bestimmte Fachrichtungen)
4. Neupatient (bestimmte Fachrichtungen)

Die Vergütung dieser neuen Leistungen ist extrabudgetär. Ein echtes Honorarplus lässt sich – vom Gesetzgeber so vorgegeben – für die genannten Fälle allerdings erst im zweiten Jahr nach Inkrafttreten des TSVG generieren, da im ersten Jahr eine Bereinigung vorgenommen werden muss.

 

Wie kennzeichne ich Patienten, die über die Terminservicestelle, über den Hausarzt, in der offenen Sprechstunde, oder als Neupatient in meine Praxis kommen, sodass die Leistungen extrabudgetär vergütet werden?

Für Patienten, die über die TSS vermittelt wurden, erhalten Sie alle notwendigen Leistungen, die durch die Vermittlung erforderlich sind, extrabudgetär vergütet.

Für Patienten, die über einen Hausarzt vermittelt wurden, erhalten Sie den kompletten Behandlungsfall extrabudgetär vergütet.

Für Patienten, die in der offenen Sprechstunde (nach TSVG) in Ihre Praxis kommen, erhalten Sie den kompletten Behandlungsfall extrabudgetär vergütet. Die Fachgruppen, welche die offene Sprechstunde anbieten müssen und damit auch abrechnen dürfen, müssen noch festgelegt werden.

Für Neupatienten (zwei Jahre nicht beim Arzt) erhalten Sie den kompletten Behandlungsfall extrabudgetär vergütet.

Damit eine extrabudgetäre Vergütung für die Behandlung der oben genannten Fälle erfolgen kann, ist eine entsprechende Kennzeichnung des Abrechnungsscheins erforderlich.

So kennzeichnen Sie den Fall in der Praxissoftware:
TSVG Vermittlungs-/Kontaktart (neues KVDT-Feld; Feldkennung 4103)
1 = TSS-Terminfall
2 = TSS-Akutfall (Terminvermittlung innerhalb von 24 Stunden; relevant ab 1/2020 )
3 = HA-Vermittlungsfall
4 = Offene Sprechstunde
5 = Neupatient

Für Patienten, die über die TSS in Ihre Praxis kommen, fügen Sie neben der Kennzeichnung der Vermittlungs-/Kontaktart zusätzlich den Vermittlungscode in das neue zugehörige Freitextfeld „Ergänzende Informationen zur TSVG Vermittlungs-/Kontaktart“ (KVDT-Feld; Feldkennung 4105) ein.

Langfristig werden mithilfe des Vermittlungscodes die Zuschläge, welche ab 1. September auf die Grund- und Versichertenpauschale gezahlt werden, automatisch von der KV zugesetzt. Vorerst müssen die Ärzte und Psychotherapeuten wahrscheinlich die Zuschläge selbstständig bestimmen und mit einer Pseudo-GOP abrechnen. Näheres ist hierzu leider noch nicht bekannt.

 

In welchen Fällen werden Zuschläge auf die Versicherten- und Grundpauschalen gezahlt?

Das TSVG sieht neben der extrabudgetären Vergütung für Patienten, die über die Terminservicestelle in die Praxis kommen, zusätzlich Zuschläge auf die Grund- und
Versichertenpauschalen vor. Die Höhe des Zuschlages richtet sich dabei nach der Wartezeit eines Patienten auf einen vereinbarten Termin.

Ab 1. September 2019 gilt:

  • 50 Prozent: Termin innerhalb von 8 Tagen,
    innerhalb von 24 Stunden in Akutfällen nach Ersteinschätzungsverfahren
  • 30 Prozent: Termin innerhalb von 9 bis 14 Tagen
  • 20 Prozent: Termin innerhalb von 15 bis 35 Tagen

Der Bewertungsausschuss wird hierfür neue GOP in den EBM aufnehmen, die derzeit noch nicht bekannt sind. Langfristig wird der Vermittlungscode für die Berechnung der Zuschläge entscheidend sein.

 

Wann rechne ich die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab, wenn der Patient in einem Quartal sowohl aufgrund einer Vermittlung über die Terminservicestelle (TSS) als auch wegen einer anderen Diagnose mit einem regulären Termin bei mir in Behandlung ist?

Die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ist immer auf dem Fall mit dem jeweils ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal abzurechnen, unabhängig davon, ob es sich um einen Vermittlungsfall handelt.

Wenn im selben Quartal sowohl eine Behandlung aufgrund einer Vermittlung über die Terminservicestelle (TSS) oder den Hausarzt, als auch unabhängig davon eine weitere reguläre Behandlung stattfindet, werden zwei Scheine angelegt und der vermittelte Fall entsprechend gekennzeichnet.

 

Haben Jobsharing-Praxen überhaupt eine Chance, von den über das TSVG extrabudgetären Vergütungsanteilen zu profitieren?

Der zuständige Zulassungsausschuss begrenzt Jobsharing-Praxen in ihrem Leistungsumfang durch eine Honorarobergrenze. Grundsätzlich verpflichten sich alle Jobsharing-Praxen, diese vom Zulassungsausschuss festgeschriebene Leistungsbeschränkung einzuhalten.

Gemäß § 45 Bedarfsplanungs-Richtlinie werden im ersten Leistungsjahr des Jobsharings sogenannte Anpassungsfaktoren berechnet. Dadurch soll die Leistungsbeschränkung der Entwicklung des Fachgruppendurchschnitts folgen. Wir gehen daher davon aus, dass über diesen Mechanismus eine automatische Erhöhung der Obergrenzen durch die über das TSVG extrabudgetären Vergütungsanteile erfolgen wird und ein Antrag auf Neuberechnung über den  Zulassungsausschuss nicht erforderlich ist.

Jobsharing-Praxen, die sich im ersten Jahr der Leistungsbegrenzung befinden und noch keine Anpassungsfaktoren erhalten haben, haben die Möglichkeit, wenn eine Überschreitung der Obergrenzen aufgrund der neuen Vergütungssystematik zu erwarten ist, eine Erhöhung der Obergrenze beim zuständigen Zulassungsausschuss zu beantragen.

 

Fallen Leistungen, die durch die Vermittlung über die TSS entstehen, in die zeitliche Plausibilitätsprüfung?

Abgerechnete Leistungen, die durch die Vermittlung der TSS entstehen, werden in die Zeitprofile einbezogen und führen nicht zur Erhöhung der Zeitprofile.