Für sieben Tage: Krankenhausärzte dürfen verordnen und AU schreiben

11.09.2017 |

Für die Zeit einer stationären Behandlung des Patienten dürfen im ambulanten Bereich keine Rezepte ausgestellt werden. Der Komplettversorgung durch das Krankenhaus mit z. B. allen notwendigen Arzneimitteln schließt sich zum 1. Oktober 2017 für eine lückenlose Versorgung noch ein Entlassmanagement an. Krankenhäuser dürfen dann für begrenzte Zeiträume Rezepte ausstellen oder die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen.

Die Krankenhäuser sind gesetzlich (§ 39 Abs. 1a SGB V) verpflichtet, für Patienten nach voll- oder teilstationärem Aufenthalt oder nach Erhalt „stationsäquivalenter“ Leistungen ein Entlassmanagement anzubieten. Das Gesetz trat schon 2015 in Kraft. Wie bereits berichtet, hatte sich die konkrete Umsetzung bisher allerdings verzögert.

 

Krankenhäuser dürfen verordnen

Krankenhäuser dürfen ab 1. Oktober 2017 für einen Versorgungszeitraum von bis zu sieben Tagen nach Entlassung:

  • Arznei- (kleinste Packungsgröße) und Verbandmittel,
  • Heilmittel (z.B. KG)
  • Hilfsmittel
  • Häusliche Krankenpflege oder
  • Soziotherapie

verordnen sowie Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Es gelten für die Verordnungen im Krankenhaus die gleichen Regelungen wie in der Arztpraxis, dies gilt ausdrücklich auch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit der Verordnungen durch den Krankenhausarzt.

 

Entlassbrief wird Pflicht

Künftig haben alle Patienten gegenüber dem Krankenhaus Anspruch auf ein Entlassmanagement inklusive Entlassplan und Entlassbrief. Der Entlassbrief ist ein zwingender Bestandteil des Entlassmanagements. Der Patient – und mit dessen Einwilligung der die Anschlussversorgung durchführende Arzt – erhält am Tag der Entlassung zumindest einen vorläufigen Entlassungsbrief. Ebenfalls muss ein für das Entlassungsmanagement verantwortlicher Mitarbeiter als Ansprechpartner im Krankenhaus mit Telefonnummer benannt werden (die Erreichbarkeit dort ist sicherzustellen).

Krankenhausärzte müssen den weiterbehandelnden Vertragsarzt auch über die Therapie des Patienten zum Zeitpunkt der Entlassung und – bei Arzneimitteln – über Änderungen der bei Krankenhausaufnahme bestehenden Medikation informieren. Um dies sicherzustellen, soll ein interner Entlassplan aufgestellt und der weiterbehandelnde Arzt frühzeitig kontaktiert werden.

 

Krankenkassen sind auch gefordert

Sobald patientenbezogener Bedarf für eine Unterstützung durch den zuständigen Kostenträger (Kranken- oder Pflegekasse) festgestellt wird, nimmt das Krankenhaus rechtzeitig Kontakt zu diesem auf. Dies kann insbesondere bei Feststellung eines neuen oder Änderung des bekannten Versorgungsbedarfs, zum Beispiel in den Bereichen Pflege, Rehabilitation oder Hilfsmittel der Fall sein. Das Krankenhaus soll den Kontakt zum Kostenträger noch vor Einbindung eines entsprechenden  Leistungserbringers, zum Beispiel eines Sanitätshauses, aufnehmen.

 

Verordnung während einer stationären Behandlung

Bei stationärer Behandlung (auch teilstationär) ist das Krankenhaus für die Versorgung mit Arzneimitteln zuständig. Eine vertragsärztliche Verordnung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung während einer Krankenhausleistung ist daher nicht zulässig.

Auch bei einer stationären Rehabilitation kann die Zuständigkeit für die Arzneimittelversorgung bei der Einrichtung liegen. Befindet sich der Patient zum Beispiel wegen einer Herz-Kreislauferkrankung in der Rehabilitation, so sind die
Herz-Kreislaufmedikamente auch von der Reha-Einrichtung zu stellen. Teilweise wird die Rechtsauffassung vertreten, dass bei Reha-Maßnahmen der Rentenversicherung die Einrichtung unabhängig von der Erkrankung sogar alle notwendigen Arzneimittel für die Dauer des Aufenthaltes stellen muss.

Eine Vorratsverordnung vor der Maßnahme scheidet in diesen Fällen aus. Sofern sich Patienten aus der Reha mit einem Rezeptwunsch melden, sollten sie für den notwendigen Arzt-Patientenkontakt vor einer Verordnung grundsätzlich vorrangig an einen niedergelassenen Arzt am Ort der Einrichtung wenden.

 

Krankenhäuser und Ärzte bekommen Nummern

Krankenhaus-)Arztnummer

Ab dem 1. Oktober 2017 wird übergangsweise eine sogenannte Fachgruppennummer verwendet. Sie wird den einzelnen Ärzten direkt durch das Krankenhaus, nicht durch die KV zugeteilt. Es ist vorgesehen, dass spätestens bis zum 1. Januar 2019 alle Krankenhausärzte über eine eindeutig zuordenbare Krankenhausarztnummer verfügen.

Betriebsstättennummer

Um die Leistungen dem Entlassmanagement zuordnen zu können, benötigen Krankenhäuser zusätzlich eine versorgungsspezifische Betriebsstättennummer (BSNR). Krankenhausärzte verwenden die BSNR nur beim Entlassmanagement. Denn über die Nummer soll eindeutig erkennbar sein, dass es sich um eine Verordnung im Rahmen des „Entlassmanagements“ handelt. Krankenhäuser können die versorgungsspezifische BSNR für das Entlassmanagement bei der KV beantragen. Diese BSNR setzt sich folgendermaßen zusammen: Stellen 1 und 2: Die festen Ziffern „75“ Stellen 3 und 4: Der KV-Landes- oder Bezirksstellenschlüssel Stellen 5 bis 9: Von der KV dem Krankenhaus zugeordnete Nummer.

Auch Krankenhäuser, die aus anderen Versorgungsbereichen bereits eine oder mehrere BSNR besitzen, müssen eine versorgungsspezifische BSNR für das Entlassmanagement beantragen. Die Weiterverwendung alter, nicht mit „75“ beginnender Betriebsstättennummern ist im Entlassmanagement nicht möglich.