Heilmittel-Richtgrößen für 2017 sind nach Alter gestaffelt

17.01.2017 |

Für die Verordnung von Heilmitteln wie zum Beispiel Krankengymnastik gibt es für Bremer Praxen ab 1. Januar eine Änderung: Die Höhe der Richtgrößen bestimmt sich nicht mehr nach der groben Systematik Mitglieder/Familie und Rentner. Stattdessen gibt es nun altersgestaffelte Richtgrößen.

Eine entsprechende Vereinbarung mit den Bremer Krankenkassen ist zum Jahresbeginn in Kraft getreten. Damit wurde der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts Rechnung getragen. Für jede Fachgruppe gelten dabei vier gleiche Altersgruppen, aber jeweils unterschiedliche Richtgrößen. Die Staffelung beginnt mit 0 bis 15 Jahre und ist in der nachstehenden Übersicht beispielhaft ergänzt um die Richtgröße für Orthopäden:

  • 0 bis 15 Jahre: 19,55 Euro
  • 16 bis 49 Jahre: 25,19 Euro
  • 50 bis 64 Jahre: 33,43 Euro
  • 65 Jahre und älter: 37,89 Euro

Die Richtgrößen anderer Fachgruppen weichen je nach Versorgungsbedarf von diesen Beträgen teilweise erheblich ab. Ansonsten bleibt es grundsätzlich bei der vertrauten Budgetberechnung und Wirtschaftlichkeitsprüfung bei der Verordnung von Heilmitteln. Die Verordnungskosten für ein Kalenderjahr (ohne Langfristfälle) werden dabei dem Richtgrößenvolumen der Praxis gegenübergestellt. Geprüft werden können Praxen, die ihr Richtgrößenvolumen um mehr als 15 Prozent überschreiten. Hier sind ggf. noch die Kosten für besondere Verordnungsbedarfe (siehe Landesrundschreiben Dezember 2016, Ausgabe 8 (pdf - 1 885 kB) in Abzug zu bringen.

Die Richtgrößen für das Kalenderjahr 2017 für Ihre Fachgruppe finden Sie auf der Homepage der KV Bremen. Die neuen altersgestaffelten Richtgrößen wurden auf Basis der tatsächlichen Heilmittel-Ausgaben 2015 (ohne Langfristfälle) der jeweiligen Fachgruppe ermittelt. Zusätzlich wurde zum Ausgleich der Preisentwicklung eine Steigerung von 15 Prozent eingerechnet. Soweit dabei festgestellt wurde, dass keine nennenswerten Verordnungskosten für Heilmittel angefallen sind, wurde eine pauschale Richtgröße von 1 Cent vereinbart. Eventuelle Praxisbesonderheiten können dabei aber berücksichtigt werden.

Bitte kennzeichnen Sie Ihre Langfristfälle bereits ab der ersten Verordnung als „Verordnung außerhalb des Regelfalles“ und geben Sie an der vorgesehenen Stelle die „medizinische Begründung“ an.

In einer weiteren Vereinbarung für das Jahr 2017 wurde das kollektive Ausgabevolumen für das Verordnen von Heilmitteln (Ausgaben-Soll Bremen) real um 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr angehoben. Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband haben vereinbart, dass Vertragsärzte übergangsweise längstens bis zum 31. März 2017 auch nicht zertifizierte Praxisverwaltungssoftware zur Verordnung von Heilmittel nutzen können und diese Verordnungen als gültig anzusehen sind. Zum 1. Juli 2017 ist eine eigene Heilmittel-Richtlinie für Zahnärzte geplant.

Für Arznei- und Verbandmittel spielten Richtgrößen seit der Einführung der quartalsweisen Wirkstoffprüfung in Bremen keine Rolle mehr.

 

Beispielrechnung: Wie hoch ist unser Budget?

Zur Berechnung des Budgets bzw. Richtgrößenvolumens hier ein fiktives Beispiel einer orthopädischen Praxis mit einer Jahresfallzahl von 4.600 Fällen:

500 Patienten (0 bis 15 Jahre) x 19,55 EUR = 9.775 EUR
1.000 Patienten (16 bis 49 Jahre) x 25,19 EUR = 25.190 EUR
1.500 Patienten (50 bis 64 Jahre) x 33,43 EUR = 50.145 EUR
1.600 Patienten (ab 65 Jahre) x 37,89 EUR = 60.624 EUR

Daraus ergibt sich in Summe ein Jahresbudget bzw. Richtgrößenvolumen von 145.734 EUR. Gewertet werden alle kurativ-ambulanten Fälle, unabhängig davon, ob ein Heilmittelrezept ausgestellt wurde.