Nichtärztliche Praxisassistenten: Mehr Geld und niedrigere Hürden

19.01.2017 |

Ab Januar erhalten Hausärzte mehr Geld, wenn sie eine nichtärztliche Praxisassistentin (NäPa) beschäftigen. Außerdem können mehr Praxen von der Förderung profitieren, weil die Hürden herabgesetzt wurden. Alle Fakten zu Abrechnung und Genehmigung haben wir hier zusammengetragen.

 

Abrechnung

Strukturförderung bis zu 10.000 Euro im Jahr möglich

Der Strukturzuschlag (GOP 03060) für Kosten wie Ausbildung, höhere Gehälter und zusätzliche Praxisausstattung wird über einen neuen Zuschlag (GOP 03061) angehoben. Damit steigt der Betrag von aktuell 2,30 Euro auf 3,58 Euro je Behandlungsfall – für künftig maximal 700 Fälle. Bisher lag die Höchstgrenze bei 584 Fällen. Damit erhalten Ärzte ab Januar 2017 bis zu 2.506 Euro Strukturförderung im Quartal und damit eine fast doppelt so hohe Förderung. Das sind etwa 10.000 Euro pro Jahr.

Die Zuschläge werden von der KV automatisch zugesetzt.

 

Vergütung für Besuche angehoben

Einen Zuschlag gibt es außerdem für die Vergütung für Hausbesuche durch einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten (GOP 03062). Die Vergütung steigt dadurch von jetzt 17,32 Euro auf 19,59 Euro. Auch der Mitbesuch (GOP 03063) wird künftig über einen Zuschlag höher bewertet. Hier steigt die Vergütung von aktuell 12,73 Euro auf 14,32 Euro.

Zudem kann ab Januar 2017 auch der erste Besuch eines Patienten in Alten- oder Pflegeheimen bzw. in anderen beschützenden Einrichtungen über die höher bewertete GOP 03062 abgerechnet werden. Bisher konnte dafür nur die GOP 03063 berechnet werden. Weitere Besuche bei einem anderen Patienten in derselben sozialen Gemeinschaft sind weiterhin mit der GOP 03063 abzurechnen. Die Leistungsinhalte der GOP 03062 und 03063 wurden im EBM entsprechend angepasst.

 

Vergütungspositionen im Überblick

  GOP Vergütung
Strukturförderung
(als Zuschlag zur
hausärztlichen
Strukturpauschale)
Bis 31.12.2016
03060
22 Punkte (2,30 €)
  Ab 01.01.2017
  03060
22 Punkte
  03061 (Zuschlag
  zur GOP 03060)
12 Punkte
  Insgesamt 34 Punkte (3,58 €)
Besuch des
Assistenten
einschließlich
Wegekosten
Bis 31.12.2016
03062
166 Punkte (17,32 €)
 Ab 01.01.2017
 03062
166 Punkte
 03064 (Zuschlag
 zur GOP 03062)
20 Punkte
 Insgesamt 186 Punkte (19,59 €)
Mitbesuch des
Assistenten
einschließlich
Wegekosten
Bis 31.12.2016
03063
122 Punkte (12,85 €)
 Ab 01.01.2017
 03063
122 Punkte
 03065 (Zuschlag
 zur GOP 03063)
14 Punkte
 Insgesamt 136 Punkte (14,32 €)

 

Erläuterungen zur Vergütung

Der Strukturzuschlag (GOP 03060 und 03061) wird für maximal 700 Fälle (bis zu einem Höchstwert von 23.800 Punkten bzw. 2.506 Euro) von der KV vergütet. Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre Fälle erhalten keinen Zuschlag. Die Anzahl der Zuschläge verringert sich um die Zahl der Behandlungsfälle aus Selektivverträgen (gemäß § 73b SGB V) ohne Beteiligung der KV und / oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung.

Aufgrund der höheren Strukturförderung mit 34 Punkten je Behandlungsfall (22 Punkte der GOP 03060 zuzüglich 12 Punkte der GOP 03061) musste auch die Abzugsregelung bei der Berechnung des Höchstwertes angepasst werden: Ab 1. Januar 2017 sind vom Höchstwert 34 Punkte (alt: 22 Punkte) je Selektivvertrags-/ Knappschaftsfall abzuziehen. Der EBM wurde entsprechend angepasst.

Die Zuschläge nach GOP 03061, 03064 und 03065 werden automatisch von der KV zugesetzt.

Die GOP 03060 und 03061 sowie die Ziffern der Haus- und Pflegeheimbesuche (GOP 03062 und 03064 sowie 03063 und 03065) werden weiterhin extrabudgetär bezahlt.

 

Genehmigung

Ab 1. Januar können mehr Hausarztpraxen von der Förderung eines nichtärztlichen Praxisassistenten profitieren. Dazu wird die als Abrechnungsvoraussetzung  durchschnittlich zu erfüllende Mindestzahl von Behandlungsfällen  beziehungsweise Mindestzahl von Patienten, die älter als 75 Jahre alt sind, abgesenkt.

Eine Praxis mit einer vollen Zulassung muss in den letzten vier Quartalen vor Antragsstellung durchschnittlich mindestens 700 (vorher 860) Behandlungsfälle je Quartal nachweisen.

Bei mehreren Hausärzten in einer Praxis erhöht sich die Fallzahl um 521 (vorher 640) Fälle je weiterem Hausarzt (entsprechend einem Arzt mit vollem Tätigkeitsumfang): Bei einem Sitz 700, bei zwei Sitzen 1.221, bei 2,5 Sitzen 1.482 Fälle, bei 3 Sitzen 1.742 Fälle, usw.

oder

Eine Praxis mit einer vollen Zulassung muss in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 120 (vorher 160) Fälle je Quartal bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind, nachweisen.

Bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 80 (vorher 120) Fälle je weiterem Hausarzt (entsprechend einem Arzt mit vollem Tätigkeitsumfang): Bei einem Sitz 120, bei zwei Sitzen 200, bei 2,5 Sitzen 240 Fälle, bei drei Sitzen 280 Fälle usw.

Die NäPa-Leistungen sind erst mit einer Genehmigung der KV Bremen abrechenbar. Das neue Antragsformular finden Sie auf der Homepage der KV Bremen.

Da in vielen Hausarztpraxen Mitarbeiter erst noch ausgebildet werden müssen, sind die neuen GOP bereits ab Beginn der NäPa-Ausbildung berechnungsfähig, sofern zu erwarten ist, dass die Ausbildung bis zum 31. Dezember 2018 (neu) abgeschlossen ist beziehungsweise bis dahin eventuell noch fehlende Module absolviert sein werden.

Die Ärztekammer Bremen hat angekündigt, im März einen NäPa-Kurs anzubieten.