Ohne Mengenbegrenzung: Narkosen bei geistiger Behinderung und/oder schwerer Dyskinesie

20.10.2015 |

Narkosen im Zusammenhang mit zahnärztlichen und MKG-chirurgischen Eingriffen bei Patienten mit mangelnder Kooperationsfähigkeit bei geistiger Behinderung und/oder schwerer Dyskinesie unterliegen keiner Budgetierung mehr. Das gilt rückwirkend zum 1. Oktober 2015. In den Honorarverteilungsmaßstab der KV wird eine entsprechende Regelung aufgenommen.
 
Zur Identifizierung der Narkosen/Analgesien nach den GOP 05330, 05331 und 05341 und der Begleitleistungen nach den GOP 05210, 05211, 05212, 05230, 05340 und 05350, die unbudgetiert zu vergüten sind, ist die Angabe des ICD für geistige Behinderung und/oder schwere Dyskinesie erforderlich. Da eine verbindliche ICD-Liste derzeit noch von der KBV mit dem Berufsverband der Anästhesisten abgestimmt wird, legt die KV Bremen folgende ICD vorläufig fest: F70.- bis F 74.-, F78.- bis F79.-, F84.-und G24.-
 
Da es im Zusammenhang mit Zahnarzt- und MKG-Narkosen immer wieder Nachfragen zur Abrechnungsfähigkeit („Wunschnarkosen“) gibt, fassen wir an dieser Stelle die wesentlichen Regelungen zusammen.
 
Bereits seit 2007 sind Narkosen nach Abschnitt 5.3 EBM im Zusammenhang mit zahnärztlichen und MKG-chirurgischen Eingriffen nur berechnungsfähig bei:
  • Kindern bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, sofern wegen mangelnder Kooperationsfähigkeit und/oder durch den Eingriff bedingt eine andere Art der Schmerzausschaltung nicht möglich ist. Die ICD-Kodierung ist mit Begründung anzugeben (z. B Z91.1 – Nichtbefolgung ärztlicher Anordnungen [Non-Compliance] in der Eigenanamnese).
  • Patienten mit mangelnder Kooperationsfähigkeit bei geistiger Behinderung und/oder schwerer Dyskinesie. ICD-Kodierung ist mit Begründung anzugeben (s. oben).
  • Eingriffen entsprechend dem Abschnitt 31.2.8 des EBM, sofern eine Behandlung in Lokalanästhesie nicht möglich ist.

Außer bei vorgenannten Indikationen können Narkosen nach Abschnitt 5.3 nur abgerechnet werden, wenn Kontraindikationen gegen die Durchführung des Eingriffs in Lokalanästhesie oder Analgosedierung vorliegen. Die ICD-Kodierung ist mit Begründung anzugeben (z. B. Z88.4 – Allergie gegen Anästhetikum in der Eigenanamnese oder F40.2 – Spezifische (isolierte) Phobien). Bei einer psychischen Indikation ist eine klartextliche Begründung (Zahnarztphobie) anzugeben. Diese stellt in der Regel ein Psychotherapeut, Nervenarzt oder Psychiater. Liegen die Indikationen nicht vor, handelt es sich um eine Wunschleistung, die privat zu liquidieren ist.