Papierkram: Zum 1. Oktober kommt der einheitliche Medikationsplan

20.07.2016 | 

Patienten, die wenigstens drei Medikamente nehmen, können sich ab dem 1. Oktober von ihrem Hausarzt einen Medikationsplan geben lassen. Auf Papier! So steht’s im E-Health-Gesetz. Die Praxisverwaltungssysteme werden nun scharf gestellt, EBM-Ziffern auf Bundesebene noch verhandelt. Was jetzt schon fest steht, haben wir hier zusammengetragen.
 
Ab dem 1. Oktober 2016 haben Patienten, die mindestens 3 verordnete Medikamente gleichzeitig anwenden, Anspruch auf einen Medikationsplan. Diesen bundesweit einheitlichen Plan stellt der behandelnde Arzt mit Hilfe seiner Praxissoftware aus und händigt das Papier dem Patienten aus. Die Erstellung und Aktualisierung der Pläne wird honoriert, EBM-Ziffern gibt es allerdings noch nicht. Die Verhandlungen in Berlin laufen. 
 

Die wichtigsten Fakten

Der Medikationsplan enthält eine Übersicht über die verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Arzneimittel eines Patienten und wird in der Regel vom Hausarzt erstellt. Dabei werden u. a. der Wirkstoff, die Dosierung, der Einnahmegrund sowie sonstige Hinweise zur Einnahme aufgeführt. Die Mehrzahl der Pflichtangaben sollen bei der Erstellung des Planes automatisch durch die Software ausgefüllt werden.
 
Die Angaben zur Dosierung müssen dann, sofern sie nicht aus der Praxisdokumentation übernommen werden, noch ergänzt werden. Optional und daher keine Pflichtangaben sind die Einträge zum Handelsnamen, zu Hinweisen und zum Grund der Behandlung.
 
Der erstausstellende Arzt ist zur weiteren Aktualisierung verpflichtet. Weitere Aktualisierungen durch andere Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken sind erlaubt.
 

Der Medikationsplan im Detail

Der Plan enthält verschreibungspflichtige und nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel. Dies können auch Arzneimittel sein, die auf Privatrezept oder grünem Rezept verordnet wurden. 
Selbstmedikation muss vom Arzt nur in den Plan übernommen werden, wenn deren Dokumentation aus medizinischer Sicht notwendig ist.
Der erstellende Arzt ist zur Aktualisierung des Plans gesetzlich nur dann verpflichtet, wenn er von Änderungen der Medikation erfährt, dabei gilt: Er kann nur aktualisieren, wenn er „in geeigneter Weise davon Kenntnis erhält“. 
Änderung aufgrund von Rabattverträgen (Änderung nur des Präparatenamens) verpflichten nicht zu einer Aktualisierung durch den Arzt.
Änderungen durch Apotheken können übergangsweise auch handschriftlich vorgenommen werden (z. B. Eintrag von Rabattvertrags-Arzneimitteln). Soweit Apotheker Selbstmedikation handschriftlich ergänzen, erfolgt dies auf einem gesonderten Blatt. Auch diese Selbstmedikation wird nur durch den Arzt in den Medikationsplan aufgenommen, wenn es aus seiner Sicht medizinisch notwendig ist.
Übergangsweise bis zum 31. März können vorhandene Medikationspläne der Praxissoftware weiter genutzt werden. Spätestens ab dem 1. April 2017 müssen Ärzte den hier beschriebenen bundesweit einheitlichen Medikationsplan ausgeben.
Ärzte, die die Medikationspläne ihrer Patienten einlesen möchten, brauchen dafür einen geeigneten Barcode-Scanner. Dessen Kauf ist aber für keinen Arzt verpflichtend.
Die Entscheidung hängt u. a. davon ab, ob ein Arzt häufig in die Situation kommt, Informationen von erstellten oder aktualisierten Medikationsplänen zu übernehmen.
 
Die Vollständigkeit und Aktualität ist anzustreben, der Arzt übernimmt dafür aber keine Gewähr. Die Verantwortung dafür liegt letztlich beim Patienten, der dem Arzt oder Apotheker Gelegenheit geben muss, seinen Medikationsplan zu bearbeiten. Es ist zudem zulässig, dass auf Wunsch des Patienten einzelne Arzneimittel nicht auf dem Medikationsplan aufgenommen werden.
 
Über die ärztliche Vergütung für die Bearbeitung der Pläne wird auf Bundesebene noch verhandelt. Gesetzlich ist vorgesehen, den Medikationsplan spätestens ab 2018 auch auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern.
 

Der Medikationsplan in der Kritik

Die Mängelliste ist lang. Viele Arztverbände, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und auch die Apotheken üben heftig Kritik am Medikationsplan. Insbesondere in Sachen Haftung. KBV-Vorstand Dr. Andreas Gassen sieht hier das größte Problem: Der behandelnde Arzt muss sich auf die Angaben des Patienten verlassen. Er könne also
gar nicht abschätzen, ob sich der Patient immer an alle Medikamente erinnert oder seinem Arzt verschweigt. „Wenn der Patient entscheidet, was er beim Arzt angibt, relativiere dies den Sinn und die Validität des Medikationsplans“, urteilt der KBV-Chef. Dafür könne ein niedergelassener Arzt schlicht nicht haften.
Für regelrechten Spott sorgt vor allem der Aspekt, dass ausgerechnet im E-Health-Gesetz ein Medikationsplan auf Papier festgeschrieben ist. Frühestens 2018 bzw 2019 soll es eine digitale Version geben.
 

FAQ

Fragen und Antworten zum Medikationsplan finden Sie auf der Seiten 24 ff im

Landesrundschreiben Juli 2016, Ausgabe 5 (pdf - 2 460 kB)