Abrechnung ukrainischer Geflüchteter für Mitglieder der KV Bremen

Die medizinische Versorgung ukrainischer Geflüchteter im Bundesland Bremen ist weitgehend abgestimmt: Praxen rechnen entweder über den „lila“ Notfallschein oder im Rahmen des Bremer Modells ab. 

 

Ukrainische Geflüchtete, die in Bremen oder Bremerhaven vorübergehend wohnen/registriert sind

1. Ukrainischer Geflüchteter kommt ohne Versicherungsnachweis in die Praxis

  •  Sofern es sich nicht um einen Notfall handelt, weisen Sie den Geflüchteten bitte darauf hin, dass er sich einen „lila“ Notfallschein aus einem Sozialzentrum holen muss, bevor er von Ihnen behandelt werden kann (Standorte siehe unten).
  • Im Notfall: kopieren Sie bitte den Ausweis oder Pass des Geflüchteten und schreiben die Bremer oder Bremerhavener Adresse des Aufenthaltsortes des Geflüchteten dazu. Die Kopie der Ausweisdokumente lassen Sie sich von dem Geflüchteten unterschreiben.
  • Nach der Notfallbehandlung bitten Sie den Geflüchteten sich einen „lila“ Notfallschein im in seinem Ortsteil ansässigen Sozialzentrum zu besorgen (Standorte siehe unten). Geben Sie dem Geflüchteten gerne ein Schriftstück für das Amt für Soziale Dienste mit, aus dem hervorgeht, dass am „heutigen“ Tage eine Notfallbehandlung bei Ihnen notwendig war, damit dieses bei dem Sozialzentrum registriert werden kann.
  • Rezepte können in diesen Fällen zunächst nur als Privatrezepte ausgestellt werden.
  • Bei fehlendem Versicherungsnachweis ist Ihre Behandlung privat zu liquidieren.

2. Ukrainischer Geflüchteter kommt mit „lila“ Notfallschein des Amtes für Soziale Dienste in die Praxis

  • Prüfen Sie die Gültigkeitsdauer des „lila“ Notfallscheines (die Behandlung darf ausschließlich am Ausstellungsdatum und dem Folgetag erfolgen, da die Scheine eine begrenzte Gültigkeitsdauer von 2 Tagen haben).
  • Zudem sind der Praxistempel und die Unterschrift des behandelnden Arztes auf dem „lila“ Notfallschein in der Zeile „Unterschrift des Arztes“ zwingend erforderlich!
  • Den „lila“ Originalschein reichen Sie mit Ihrer Quartalsabrechnung bei der KVHB ein.

Abrechnung des „lila“ Notfallscheines und Verordnungen:

  • Legen Sie einen Abrechnungsschein als Sonstigen Kostenträger für das Amt für Soziale Dienste Bremen mit der Kassennummer (VKNR) 03801 bzw. Institutskennzeichen (IK-Nummer) 100003801 im Praxisverwaltungssystem an. Grundsätzlich gelten für alle Sozialamtsscheine des Bundeslandes Bremen die vorgenannten Nummern.
  • Arzneimittel werden auf dem normalen Rezept (Muster 16) verordnet. Auch für andere Leistungen verwenden Ärzte die üblichen Formulare.
  • Die „lila“ Notfallscheine verbleiben bei dem behandelnden Arzt (s. o.).
  • Wichtig: Für andere „papierlose“ Menschen oder Geflüchtete mit Aufenthaltsort in anderen Bundesländern gilt der „lila“ Notfallschein nicht!

3. Ukrainischer Geflüchteter kommt mit Schreiben „Durchführung der Krankenbehandlung nach § 264 Abs. 1 SGB V“ („V111“) des Amtes für Soziale Dienste in die Praxis

  • Wenn ein Geflüchteter mit dem V111 in die Praxis kommt, handelt es sich um die Bestätigung, dass der Geflüchtete über das „Bremer Modell“ mit der AOK Bremen/Bremerhaven abgerechnet werden kann.
  • Das V111 wird übergangsweise bis zum Erhalt der eGK an den Geflüchteten vom Amt für Soziale Dienste Bremen ausgehändigt (ähnlich wie eine Mitgliedschaftsbescheinigung in Papier).

Abrechnung V111/Bremer Modell und Verordnungen:

  • Wichtig: Das Original V111 behält der Patient! Sie kopieren das Schreiben und reichen die Kopie mit der Quartalsabrechnung bei der KVHB ein.
  • Beachten Sie die Gültigkeitsdauer des Schreibens (s. Seite 2 des V111).
  • Legen Sie einen Abrechnungsschein im Ersatzverfahren über die IK-Nummer 103119199 bzw. VKNR 03101 (AOK Bremen/Bremerhaven) mit der Kennzeichnung „9“ im Feld „BPG“ (Besondere Personengruppe/Feldkennung 4131) an.
  • Zusätzlich sollte eine Begründung („Geflüchteter / Nachweis liegt vor“) im freien Begründungstext (Feldkennung 5009) angegeben werden.
  • Der Nachweis gilt sowohl für den im Anschreiben genannten Geflüchteten, wie auch für weitere Familienmitglieder, sofern diese namentlich in einer Anlage aufgeführt sind. Werden Kinder behandelt, sind diese in der Abrechnung als Mitglied (Status 1) anzulegen.

4. Ukrainischer Geflüchteter kommt mit eGK in die Praxis

Die Abrechnung und Behandlung erfolgt über die elektronische Gesundheitskarte.

 

Ukrainische Geflüchtete, die nicht in Bremen oder Bremerhaven vorübergehend wohnen/registriert sind (z.B. niedersächsisches Umland)

  • Für niedersächsische (oder auch aus anderen Bundesländern) Geflüchtete werden keine „lila“ Notfallscheine ausgegeben!
  • Sollte der Geflüchtete mit einem Schein eines Sozialamtes zum Beispiel aus Niedersachsen kommen, achten Sie darauf, ob ein Abrechnungssperrvermerk von dem ausstellenden Landkreis notiert ist (evtl. darf der Geflüchtete nur in dem vermerkten Landkreis zum Arzt). Verwenden Sie die auf dem Schein vermerkte VKNR bzw. IK-Nummer für die Abrechnung. Der Originalschein ist mit der Quartalsabrechnung bei der KVHB einzureichen. Wichtig: Praxisstempel und Arztunterschrift nicht vergessen!
  • Im Notfall und ohne Versicherungsnachweis: Kommt der Geflüchtete aus einem anderen Bundesland ohne Versichertennachweis als Notfall in die Praxis, kopieren Sie bitte den Ausweis oder Pass und schreiben die Adresse (inkl. Postleitzahl und Ort) des Aufenthaltsorts des Geflüchteten dazu. Die Kopie der Ausweisdokumente lassen Sie sich von dem Geflüchteten unterschreiben. Wenden Sie sich an das zuständige Sozialamt des Wohn-/Aufenthaltsorts des Geflüchteten und fordern einen Abrechnungsschein nachträglich an. Rezepte können in diesen Fällen zunächst nur als Privatrezepte ausgestellt werden. Ansonsten ist bei fehlendem Versicherungsnachweis Ihre Behandlung privat zu liquidieren. (Anmerkung: Sollte die Konsultation von „Nicht“-Bremer oder Bremerhavener Geflüchteten ohne Versichertennachweis verstärkt auftreten, melden Sie dieses bitte per E-Mail an abrechnung@kvhb.de). 

 

Allgemeines

Grundsätzlich sind nur die zur Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände erforderlichen Leistungen abzurechnen. Außerdem können zur Verhütung und Früherkennung von Krankheiten Schutzimpfungen, medizinisch gebotene Vorsorgeuntersuchungen und Leistungen im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinie erbracht werden.

Die Leistungen der COVID-Testverordnung und COVID-Impfverordnung bei Geflüchteten aus der Ukraine können genauso abgerechnet werden, wie bei Einheimischen. Kostenträger ist auch hier das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS). Das Robert Koch-Institut bietet Aufklärungsmerkblätter zur COVID-19-Impfung auch in ukrainischer Sprache an.

Standorte der Sozialzentren Bremen - FAQ der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport - (Reiter "Wo bekomme ich medizinische Hilfe?")

Stadt Bremerhaven - FAQ "Ukraine Hilfen" 

 

Isabella Schweppe

Teamleitung Abrechnung 1


Katharina Kuczkowicz

Stv. Teamleitung Abrechnung 1


Alexandra Thölke

Teamleitung Abrechnung 2


Lilia Hartwig

Stv. Teamleitung Abrechnung 2