Psychotherapeuten dürfen Verordnungen ausstellen

19.07.2017 |

Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen ab sofort Krankenhausbehandlungen und Krankenbeförderungen verordnen. Es sind die für Vertragsärzte vorgeschriebenen Vordrucke zu verwenden. Neben dem Wirtschaftlichkeitsgebot sind unbedingt auch die für die jeweilige Leistung geltenden Verordnungs-Richtlinien zu beachten.

Verordnung von Krankenhausbehandlung (Muster 2)

Es gilt die Krankenhauseinweisungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (www.g-ba.de).

Die Verordnung von stationärer Krankenhausbehandlung durch einen Vertragspsychotherapeuten ist zulässig, wenn eine Diagnose aus dem Indikationsspektrum zur Anwendung von Psychotherapie gemäß der jeweils aktuell geltenden Psychotherapie-Richtlinie oder der Richtlinie zu Untersuchungs-und Behandlungsmethoden der vertragsärztlichen Versorgung (Anlage I, Ziffer 19, § 4) vorliegt.

Darüber hinaus ist die Verordnung auch in Ausnahmefällen zulässig, soweit sie medizinisch erforderlich ist, wenn eine Diagnose aus dem Indikationsspektrum des Kapitels V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM vorliegt und eine Kooperation mit dem behandelnden Arzt sichergestellt ist. Das heißt, dass der verordnende Vertragspsychotherapeut den behandelnden Arzt über die Verordnung informiert und die Verordnung bei Bedarf abstimmt. Ungeachtet dessen berücksichtigt der Vertragspsychotherapeut den ggf. bestehenden Bedarf einer ärztlichen Abklärung möglicher somatischer Ursachen.

Verordnung von Krankenfahrten (Muster 4)

Es gilt die Krankentransport-Richtlinie des G-BA. Fahrten zur ambulanten Behandlung werden nur in Ausnahmefällen nach Genehmigung der Krankenkasse übernommen.

Die verordneten Fahrten müssen im Zusammenhang mit einer psychotherapeutischen Leistung der Krankenkasse zwingend notwendig sein. Dies gilt auch für Fahrten zur stationären Krankenhausbehandlung, soweit der Vertragspsychotherapeut nach der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie berechtigt ist, stationäre Krankenhausbehandlung zu verordnen.

Die KBV hat zur Verordnung nach den Mustern 2 und 4 im Juli eine ausführliche Praxisinformation für Psychotherapeuten veröffentlicht (www.kbv.de).

Zur Verordnung von Soziotherapie und bestimmten Reha-Leistungen fehlt es noch an einer Vergütungsregelung zum Ausstellen der Verordnungen durch Vertragspsychotherapeuten.