Psychotherapeutische Sprechstunden sind jetzt doch Pflicht

19.01.2017 |

Psychotherapeuten müssen ab dem 1. April 2017 Sprechstunden anbieten. Die Kann-Regelung ist per Dekret des Gesundheitsministeriums aufgehoben worden. Außerdem müssen psychotherapeutische Praxen in einem festgelegten Zeitfenster telefonisch für Patienten erreichbar sein.

Psychotherapeuten mit einem ganzen Praxissitz haben ab dem 1. April 2017 Sprechstundentermine von mindestens 100 Minuten pro Woche anzubieten. Bei Psychotherapeuten mit halbem Sitz sind es mindestens 50 Minuten. Dies gilt für alle Psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Fachärzte, die über eine Abrechnungsgenehmigung für ein Richtlinienverfahren verfügen.

Die psychotherapeutischen Sprechstunden sind ein neues Versorgungsangebot, das den Erstzugang von Versicherten zur Psychotherapie verbessern soll. In ihnen wird abgeklärt, ob und wie weiterbehandelt wird. Wie andere psychotherapeutische Leistungen sind psychotherapeutische Sprechstunden zeitgebunden (mindestens 25 Minuten, höchstens 150 Minuten im Krankheitsfall). Sie sind nicht zu verwechseln mit den Sprechstunden, die im Bundesmantelvertrag-Ärzte geregelt sind, wonach Vertragsärzte und -psychotherapeuten mindestens 20 Stunden pro Woche in Form von Sprechstunden vorhalten müssen.

Neu ist außerdem eine Übergangsregelung: Patienten können bis zum 31. März 2018 auch ohne vorherige Sprechstunde direkt eine Akutbehandlung oder probatorische Sitzung in Anspruch nehmen. Das war zunächst anders vorgesehen.

Außerdem wurde die Dauer der telefonischen Erreichbarkeit angepasst: Für alle Therapeuten gilt nun, dass sie selbst oder ein Praxismitarbeiter 200 Minuten in der Woche (100 Minuten bei halbem Versorgungsauftrag) telefonisch für Patienten erreichbar sein müssen. Diese Erreichbarkeitszeiten müssen der KV gemeldet werden, ebenso wie die Organisationsform der Sprechstunde – also ob eine offene oder eine Bestellsprechstunde angeboten wird.

Eine Standarddokumentation für alle Patienten wird es auch nicht mehr geben. Auch hier hat das Gesundheitsministerium sein Veto eingelegt.

Hintergrund der Änderungen zur ursprünglichen Fassung der Psychotherapie-Richtlinie ist das Eingreifen des Bundesgesundheitsministeriums. Es verdonnerte den Gemeinsamen Bundesausschuss zum Nachbessern. Insbesondere die Kann-Regelung bei den Sprechstunden wurde beanstandet. Die nun überarbeitete Psychotherapie-Richtlinie tritt zum 1. April 2017 in Kraft. Bis dahin müssen die neuen Leistungen in den EBM aufgenommen und die Vergütung verhandelt werden.

 

Sprechstunde und Erreichbarkeit - Wie geht es weiter?

Noch sind nicht alle Details ausgehandelt, was Sprechstunde und telefonische Erreichbarkeit angeht. Sobald Genaueres feststeht, wird die KV Bremen ausführlich informieren – voraussichtlich über eine Sonder-Aussendung an alle Psychotherapeuten. Darin werden auch Informationen enthalten sein, ob und wie die Terminvergabe über die Terminservicestelle der KV Bremen abgewickelt werden kann und wie die Telefon-Erreichbarkeit gemeldet werden muss.