Psychotherapie: Das sind die Änderungen zum 1. Juli

Übersicht Psychotherapie-Richtlinie

07.06.2017 |

Psychotherapeuten erhalten für Gruppentherapien ab Juli mehr Honorar. Außerdem wird das gesamte Kapitel für die antragspflichtigen Leistungen umgekrempelt. Es gelten neue GOP. Einen Überblick finden Sie hier.

Alle Gruppenleistungen werden neu bewertet. Im Ergebnis steigt das Honorar für Gruppentherapien ab Juli im Schnitt um etwa 20 Prozent. Die größten Zuwächse verzeichnen sechs- und siebenköpfige Gruppen, die künftig mit rund 66 Euro beziehungsweise rund 60 Euro pro Teilnehmer bei einer 100-minütigen Therapiesitzung vergütet werden (bisher: ca. 44 Euro).

Aufgrund der differenzierten Vergütung wird es für jede Gruppengröße eine eigene GOP geben. Bei drei Verfahren und der Unterscheidung zwischen Kurz- und Langzeittherapien gibt es deshalb viele neue GOP. Die bisher gültigen Abrechnungsziffern für kleine Gruppen (drei bis vier Teilnehmer) und für große Gruppen (fünf bis neun Teilnehmer) entfallen. Die Abrechnung von Gruppentherapien mit nur zwei Teilnehmern, die vor Einführung der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April beantragt wurden, läuft ab Juli über eine Pseudo-GOP.

Eine weitere Neuerung betrifft die Abrechnung von Kurzzeittherapien (in Einzeltherapie). Aus Gründen der Transparenz gibt es künftig zwei GOP: Eine für das erste Zwölf-Stunden-Kontingent, eine für das zweite Zwölf-Stunden-Kontingent.

Die vielen neuen GOP haben dazu geführt, dass der EBM-Abschnitt 35.2 neu strukturiert werden muss. Nur dadurch ist es möglich, alle Leistungen übersichtlich und systematisch abzubilden.

Infolgedessen werden ab Juli auch die Einzeltherapien und die Strukturzuschläge, die die KV zusetzt, auf neue Nummern umgestellt. Außerdem erhalten die psychodiagnostischen Testverfahren andere GOP. Die alten Ziffern werden gestrichen.

Die neue Vergütungsregelung für Gruppentherapien tritt erst mit Wirkung zum 1. Juli in Kraft. Grund ist, dass die neuen GOP rechtzeitig in den Praxisverwaltungssystemen integriert werden sollen. Dies wäre bei einem Beschluss zum 1. April nicht möglich gewesen.

 

Gruppentherapie: Hinweise für den Antrag

  • Da für jede Teilnehmerzahl in der Gruppentherapie separate GOP vorgesehen sind und die Therapeuten bei Antragstellung die Gruppengröße noch nicht festlegen müssen, sollen ab dem 1. Juli bei der Beantragung im Formblatt PTV 2 nur die ersten vier Stellen der GOP eingetragen werden, die fünfte Stelle wird mit einem „X“ ersetzt (z. B. GOP 3550X).
  • Auf dem Formblatt PTV 2 ist daher künftig entweder die 3550X, 3551X, 3552X, 3553X, 3554X oder 3555X anzugeben, wenn Therapieeinheiten für Gruppentherapie im Rahmen einer Gruppen- oder Kombinationsbehandlung beantragt werden.
  • Die Krankenkasse bewilligt dann die GOP aller Gruppengrößen der beantragten Gruppen- oder Kombinationsbehandlung (z. B. GOP 35543-35549 bei einer verhaltenstherapeutischen Kurzzeitgruppentherapie).
  • Der Therapeut rechnet jeweils die GOP der tatsächlichen Gruppengröße ab(z. B. GOP 35543 bei drei Teilnehmern in einer verhaltenstherapeutischen Kurzzeitgruppentherapie).

Gruppentherapie: höhere Bewertung, neue Struktur neue GOP

  • Um Gruppentherapien besser abzubilden, wird zum 1. Juli 2017 die Systematik umgestellt: Jetzt richtet sich die Höhe der Bewertung nach der Anzahl der Teilnehmer. Infolgedessen gibt es für jedes der drei Therapieverfahren jeweils sieben GOP für die Kurzzeittherapie und sieben GOP für die Langzeittherapie.
  • Gedankenstütze: Die letzte Ziffer der GOP entspricht immer der Anzahl der Teilnehmer.
  • Die Gruppenleistungen wurden dazu neu bewertet. Im Ergebnis steigt das Honorar für Gruppentherapien um etwa 20 Prozent. Dabei ist der Zuwachs je nach Gruppenstärke unterschiedlich hoch. Lediglich bei der 4er Gruppe führte die Neukalkulation zu einer leichten Absenkung des Honorars.
  • Mit der Umstellung entfallen ab Juli die alten GOP für die Gruppentherapie. Für die neuen GOP wird ein Abschnitt 35.2.2 eingeführt. Für die Abrechnung von Gruppentherapien verwenden Psychotherapeuten dann die neuen GOP. Dies gilt auch für Therapien, die vor dem 1. Juli beantragt wurden.
  • Die Abrechnung von Gruppentherapien mit nur zwei Teilnehmern, die vor Einführung der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April beantragt wurden, ist weiterhin möglich. Aktuell können diese Gruppentherapien nach den GOP der kleinen Gruppe abgerechnet werden. Ab Juli wird über die bundeseinheitlichen Pseudo-GOP abgerechnet.

Einzeltherapie: Neue GOP

  • Für die Abrechnung von Einzeltherapien gibt es ab dem 1. Juli 2017 neue GOP (Abschnitt 35.2.1.).
  • Die Vergütung bleibt unverändert. Eine Besonderheit betrifft die Kurzzeittherapien: Für jedes Richtlinien-Verfahren gibt es zwei GOP – eine für die Kurzeittherapie 1 und eine für die Kurzzeittherapie 2. Diese Unterteilung gilt nur für die Einzeltherapien.

  • Die alten GOP werden zum 1. Juli gestrichen. Für Einzeltherapien verwenden Psychotherapeuten dann die neuen GOP. Dies gilt auch für Therapien, die vor dem 1. Juli beantragt wurden.
  • Bei Kurzzeittherapien, die vor dem 1. Juli begonnen wurden, richtet sich die Abrechnung nach dem Stand des bewilligten Therapiekontingents: die ersten zwölf Sitzungen werden mit der GOP 35401, 35411 oder 35421 abgerechnet, die 13. bis 24. Sitzung (bzw. 25 Sitzung, falls die Therapie vor dem 1. April 2017 beantragt worden war) mit der GOP 35402, 35412 oder 35422.

 

Strukturzuschläge: neue GOP

Die Zuschläge zu Einzel- und Gruppentherapien sowie zur Psychotherapeutischen Sprechstunde und zur Akutbehandlung erhalten neue GOP. Die bisherigen Zuschläge zu den Gruppentherapien werden aufgrund der neuen Struktur zu einer GOP zusammengefasst. Die GOP werden weiterhin von den Kassenärztlichen Vereinigungen zugesetzt.

 

Testverfahren: neue GOP

Mit der Neustrukturierung des psychotherapeutischen Kapitels im EBM erhalten auch die psychodiagnostischen Testverfahren neue GOP. Sie sind ab Juli weiterhin im Abschnitt 35.3 aufgeführt. Die Höhe bleibt unverändert.

 

Kennzeichnung von Sonderfällen/Übergangsregelung

  • Eine Vielzahl von Vorgaben in der Psychotherapie-Vereinbarung sowie die Möglichkeit, in der Verhaltenstherapie statt einer Therapiesitzung von mindestens 100 Minuten auch 50 Minuten zu machen, erfordern eine präzise Dokumentation der abgerechneten GOP. Um diese Sonderfälle zu kennzeichnen, werden bei der Kodierung Buchstaben eingesetzt. Für Therapien, die vor dem 1. April 2017 beantragt wurden, gelten folgende Übergangsregelungen:
  • Handelt es sich um eine Kurzzeittherapie als Einzel- oder Gruppentherapie, dürfen weiterhin bis zu 25 Sitzungen (die neue Richtlinie sieht nur zweimal zwölf Sitzungen vor) abgerechnet werden. Um sichtbar zu machen, dass es sich um eine Therapie nach der alten Psychotherapie-Richtlinie handelt, muss der Therapeut die 25. Sitzung in der Abrechnung mit einem „L“ beziehungsweise bei der Einbeziehung von Bezugspersonen mit „S“ kennzeichnen.
  • Probatoriken, die vor dem 1. April 2017 begonnen wurden, können weiterhinnach den alten Regelungen durchgeführt werden, das heißt: bis zu fünfmal für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und für Verhaltenspsychotherapie, bis zu achtmal für analytische Psychotherapie. Um sichtbar zu machen, dass es sich um eine Probatorik nach der alten Psychotherapie-Richtlinie handelt, muss der Therapeut die Sitzungen in der Abrechnung mit einem „L“ bzw. bei der Einbeziehung von Bezugspersonen mit einem „S“ kennzeichnen (5.,6., 7., 8. Sitzung).