Sie fragen - Wir antworten Alles zu Sprechstunde & Co

28.08.2019 |

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hat einiges geändert. Was gilt jetzt? Wir beantworten die Fragen, soweit die Einzelheiten schon feststehen.

 

Sprechstunde allgemein und Erhöhung auf 25 Stunden

  1. Wieviel Sprechstunden müssen bei vollem, ½ und ¾ Versorgungsauftrag angeboten werden?
    Bei vollem Versorgungsauftrag sind 25 Std./Wo. bei ½ Versorgungsauftrag 12 Stunden und 30 Minuten und bei ¾ Versorgungsauftrag 6 Stunden und 15 Minuten anzubieten.
  2. Müssen Mindestsprechstunden arzt- oder praxis- bzw. MVZ-bezogen angeboten werden?
    Es reicht, wenn pro Praxis/MVZ 25 Sprechstunden ausgewiesen sind. Die Sprechstundenverpflichtung gilt jedoch für jeden Arzt und wird auch arztbezogen überprüft.
  3. Was gilt für angestellte Ärzte?
    Angestellte Ärzte sind ebenfalls verpflichtet, Sprechstunden anzubieten. Der Umfang richtet sich nach der vereinbarten Arbeitszeit und wird anteilig berechnet, wobei 25 Sprechstunden einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden entsprechen.
  4. Wie sind die Sprechstunden auf die Woche und auf die Vor- und Nachmittage zu verteilen?
    Gesetzliche Vorgaben gibt es – zumindest derzeit – nicht. Grundsätzlich sollte eine gleichmäßige und bedarfsgerechte Verteilung möglichst auf alle Tage von Montag bis Freitag vorgenommen werden.
  5. Müssen auch am Freitagnachmittag Sprechstunden angeboten werden oder ist es ausreichend, wenn der Arzt telefonisch erreichbar ist?
    Sprechstunden sind grundsätzlich auch am Freitagnachmittag anzubieten. Im Verhinderungsfall muss eine Vertretung organisiert sein. Eine telefonische Erreichbarkeit mit entsprechender Ankündigung auf dem Schild bzw. Mailbox ist ausreichend.
  6. Was gilt für Ärzte mit einem ½ Versorgungsauftrag oder angestellte Ärzte, die im Umfang von 10 Std./Wo. tätig sind?
    Es sollte ein bedarfsgerechtes Angebot gewährleistet werden.
  7. Müssen die Sprechstunden auf dem Praxisschild angekündigt werden?
    Ja.
  8. Sind die Sprechstunden der KV zu melden?
    Die Zeiten der Sprechstunde können Sie uns gerne formlos per Post oder Fax (0421 3404-348)
  9. Was gilt für Job-Sharing-Zulassungen? Wer muss wieviel Sprechstunden anbieten?
    Das Job-Sharing-Paar muss gemeinsam 25 Std./Wo. anbieten, wobei die Verteilung, das heißt wer wieviel Stunden anwesend ist, gleichgültig ist, solange insgesamt 25 Stunden erreicht werden.
  10. Was gilt für Job-Sharing-Anstellungen?
    Die Antwort zu Frage 9 gilt entsprechend.
  11. Prüft die KV Bremen die Einhaltung der Sprechstundenverpflichtung?
    Ja, die KV prüft zunächst anhand der Angaben. Zudem ist gesetzlich eine Prüfung auf Basis der abgerechneten Leistungen angeordnet.
  12. Wie werden Besuchszeiten auf die Sprechstundenverpflichtung angerechnet?
    Die Regelung steht noch aus. Der BMV-Ä wird angepasst.
  13. Werden ambulante Operationen ebenfalls auf die Sprechstundenverpflichtung angerechnet?
    Auch hierzu gibt es noch keine Regelung. Eine Anrechnung ist aber wohl vorgesehen.

 

Offene Sprechstunde

  1. Welche Arztgruppen müssen offene Sprechstunden anbieten?
    Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, FÄ f. Neurologie, FÄ f. Nervenheilkunde, FÄ f. Neurologie und Psychiatrie, FÄ f. Neurochirurgie, FÄ f. Psychiatrie und Psychotherapie, Orthopäden, Urologen
  2. Ab wann müssen offene Sprechstunden angeboten werden?
    Voraussichtlich ab dem 1. September 2019.
  3. Müssen auch operierende Ärzte offene Sprechstunden anbieten?
    Ja.
  4. Dürfen während der offenen Sprechstunden auch „reguläre“ Termine oder TSSTermine vergeben werden?
    Ja, es wird jedoch empfohlen, die Termine nicht zu eng zu legen, damit Patienten, die von der offenen Sprechstunde Gebrauch machen, versorgt werden können.
  5. Muss während der offenen Sprechstunde ein Arzt anwesend sein?
    Ja.
  6. Reicht es, wenn pro Praxis/MVZ 5 offene Sprechstunden angeboten werden?
    Die Pflicht, offene Sprechstunden anzubieten, besteht grundsätzlich arztbezogen. Wenn pro Praxis nur einmal fünf offene Sprechstunden angeboten werden sollen, müssen alle Ärzte, die entsprechend verpflichtet sind, anwesend sein. Im Übrigen ist es ausreichend, wenn die Sprechstunden arztgruppenbezogen ausgewiesen werden.
    Achtung! (Aktualisierung 05.09.2019):
    Mit der Umsetzung des TSVG im Bundesmantelvertrag-Ärzte, kommt es hier zu einer Erleichterung der Bedingungen.
    Die offenen Sprechstunden sind grundsätzlich zwar weiterhin von jedem Arzt der benannten Arztgruppen anzubieten, jedoch können BAG und MVZ flexibel handhaben, welcher Arzt der jeweiligen Arztgruppe die Versorgung in der offenen Sprechstunde übernimmt. Entscheidend ist, dass die aus der Anzahl der Ärzte der Arztgruppe folgende Gesamtzahl an offenen Sprechstunden von der Praxis erfüllt wird.
    Beispiel: So ist es zulässig, dass innerhalb einer Praxis mit drei Ärzten einer Arztgruppe die Ärzte jeweils fünf offene Sprechstunden gleichzeitig anbieten oder ein Vertragsarzt beziehungsweise ein angestellter Arzt die 15 offenen Sprechstunden für die Praxis insgesamt übernimmt.
  7. Dürfen offene Sprechstunden in einem zeitlichen Umfang von weniger als 60 Minuten angeboten werden?
    Ja, zur Gewährleistung einer vernünftigen Patientenversorgung sollte die offene Sprechstunde aber mindestens 30 Minuten andauern.
  8. Dürfen die offenen Sprechstunden in einem Block à 5 Stunden angeboten werden?
    Ja.
  9. Muss eine offene Sprechstunde auf dem Praxisschild ausgewiesen werden?
    Nein.
  10. Müssen alle Patienten, die in der offenen Sprechstunde erscheinen (also auch der Patienten, der 5 Minuten vor Ende der offenen Sprechstunde kommt), behandelt werden? Können Patienten abgelehnt werden?
    Patienten können aus Kapazitätsgründen abgelehnt bzw. ihnen kann ein anderer Termin angeboten werden. Notfallpatienten müssen natürlich versorgt werden.
  11. Gibt es Vorgaben, an welchen Wochentagen offene Sprechstunden angeboten werden müssen?
    Nein, noch gibt es keine Vorgaben. Ob im BMV-Ä eine Regelung aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.
  12. Wie weit geht die Behandlungspflicht für Patienten, soweit es sich nicht um Notfälle handelt? Kann ein Patient, der während der offenen Sprechstunde erschienen ist und eine zeitintensive Untersuchung oder Behandlung benötigt, auf einen neuen Behandlungs-/Untersuchungstermin verwiesen werden?
    Es muss eine übliche Untersuchung des Patienten durchgeführt werden. Ergänzende Untersuchungen oder langwierige Behandlungen können außerhalb der offenen Sprechstunde erfolgen.
  13. Müssen auch angestellte Ärzte offene Sprechstunden anbieten?
    Ja, sofern sie zu den im BMV-Ä festzulegenden Arztgruppen gehören. Siehe Frage 1.
  14. Was gilt für Ärzte mit ½ oder ¾ Versorgungsaufträgen?
    Ärzte mit ½ Versorgungsaufträgen müssen 2 Stunden und 30 Minuten und Ärzte mit ¾ Versorgungsaufträgen müssen 3 Stunden und 45 Minuten anbieten.
  15. Was gilt für Angestellte allgemein und für solche, die im Umfang von 10 Stunden und weniger pro Woche beschäftigt sind?
    Die Anzahl der offenen Sprechstunden richtet sich nach der vertraglich vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit. 5 Sprechstunden gelten für eine Arbeitszeit von 40 Std./Wo. Bei einer vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit von weniger als 40 Stunden werden die Sprechstunden anteilig ermittelt. Angestellte Ärzte, die im Umfang von 10 Std./Wo. und weniger beschäftigt sind, müssen pro Woche 1 Stunde und 15 Minuten offene Sprechstunden vorhalten, es sei denn die vertraglich vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit beträgt weniger als 1 Stunde und 15 Minuten.
  16. In welchem Umfang müssen Ärzte mit einer Job-Sharing-Zulassung offene Sprechstunden anbieten? Was gilt für den Job-Sharing-Senior?
    Es ist ausreichend, wenn Job-Sharing-Senior und Junior gemeinsam 5 offene Sprechstunden pro Woche anbieten. Wer wieviele Stunden zur Verfügung stellt, ist ohne Belang, solange beide zusammen die Anzahl von 5 Stunden erreichen.
  17. Was gilt für Job-Sharing-Anstellungen?
    Die Antwort zu Frage 16 gilt entsprechend.
  18. Müssen die offenen Sprechstunden der KV gemeldet werden?
    Ja, wie wird noch gesondert bekannt gegeben.
  19. Muss ein Patient, der in der offenen Sprechstunde vorstellig wird, weiterbehandelt werden?
    Ja, mindestens bis zum Ende des laufenden Quartals.
  20. Gelten die Regelungen zur offenen Sprechstunde auch für Ärzte, die überwiegend oder ausschließlich psychotherapeutisch tätig sind?
    Nein.