So organisieren Sie eine Vertretung

20.04.2015 |

Ein paar Tage die Praxis schließen, sei es wegen Urlaub, Krankheit, Fortbildung – oder längerfristig etwas kürzer treten. Diese Themen betreffen jeden Vertragsarzt irgendwann einmal. Wir stellen auf diesen Seiten verschiedene Szenarien vor und zeigen, was Sie tun können, damit alles reibungslos abläuft.

1: Ich möchte meine Praxistätigkeit reduzieren, so dass ich z.B. donnerstags einen freien Tag habe.
2: Ich will meine Praxistätigkeit reduzieren, weil ich mich um pflegebedürftige Angehörige kümmern muss.
3: Ich erwarte ein Kind, die Entbindung naht.
4: Ich möchte mich der Erziehung meines Kindes widmen.
5: Ich bin berufspolitisch sehr eingebunden und brauche Unterstützung in der Praxis.
6: Eine Krankheit setzt mich derzeit außer Gefecht.
7: Ich möchte nur noch in Teilzeit praktizieren.
8: Ich möchte Brückentage nutzen, um die Praxis über einige Tage zu schließen.
9: Ich möchte meine Erfahrungen an junge Kollegen weitergeben.
10: Ich plane eine Praxisübergabe und will nun kürzer treten.

 

Szenario 1: Ich möchte die Tätigkeit in meiner Praxis reduzieren, so dass ich zum Beispiel donnerstags einen freien Tag habe.

Wollen Sie sich langfristig oder dauerhaft an bestimmten Wochentagen vertreten lassen oder Ihre Tätigkeit reduzieren, kommt in erster Linie die Anstellung eines fachgebietsidentischen Facharztes mit Leistungsbeschränkung in Betracht. Strenggenommen handelt es sich bei diesem Modell nicht um eine Vertretung im eigentlichen Sinne und erlaubt gerade daher flexible Lösungen. So ist es zum Beispiel möglich, dass Sie als anstellender Arzt mit Ihrem angestellten Arzt eine tageweise Tätigkeit vereinbaren. Da eine solche Regelung in die Zuständigkeit des Zulassungsausschusses fällt, sind dessen Sitzungstermine zu beachten. Bitte lassen Sie sich frühzeitig beraten!

Vorgehen: Antrag an den Zulassungsausschuss Ärzte/Krankenkassen, Ansprechpartner: Manfred Schober, 0421.34 04-332, m.schober@kvhb.de

Wollen Sie sich durchgehend oder auch tageweise nur vorübergehend und ohne den Weg einer Anstellung mit Leistungsbeschränkung vertreten lassen, kommen die Regelungen über die Vertretung nach der Zulassungsverordnung für Ärzte (Ärzte-ZV) ins Spiel.

Basis-Info: Der Vertragsarzt hat seine Tätigkeit grundsätzlich persönlich in freier Praxis auszuüben, kann sich aber bei Krankheit, Urlaub, Fortbildung oder Teilnahme an einer Wehrübung innerhalb von zwölf Monaten bis zu einer Dauer von drei Monaten ohne Genehmigung vertreten lassen. Diese Regelung gilt grundsätzlich auch für angestellte Ärzte.

Dies kann dadurch geschehen, dass Sie mit anderen vertretungsbereiten Ärzten in der Umgebung die Übernahme der Vertretung vereinbaren (sog. kollegiale Vertretung) und Ihre Patienten auf geeignete Weise informieren (z.B. Anrufbeantworter, Aushang an der Praxis, Zeitungsanzeige, Homepage usw.). Der Vertreter rechnet dann auf einem Vertreterschein ab (Muster 19) und kennzeichnet die Leistungen mit seiner LANR und BSNR. Zudem muss die Vertretung auch tatsächlich übernommen werden. Regelmäßig, gerade vor und nach Feiertagen, erreichen die KV Anrufe von Versicherten, die keinen vertretungsbereiten Arzt gefunden haben. Bitte beachten Sie: Die Organisation der Vertretung – und zwar schon ab dem ersten Vertretungstag – gehört zu Ihren vertragsärztlichen Pflichten.

Alternativ zur kollegialen Vertretung können Sie einen Vertreter in der eigenen Praxis beschäftigen. In diesem Falle rechnen Sie Leistungen des Vertreters auf einem Originalschein als Ihre Leistung ab und kennzeichnen die Leistungen mit Ihrer LANR und BSNR. Sie übernehmen die Verantwortung für die vom Vertreter ausgestellten Verordnungen.

Ihr Vertreter muss grundsätzlich dieselbe Facharztqualifikation wie Sie besitzen. Genehmigungspflichtige Leistungen darf Ihr Vertreter nur erbringen, wenn er über die entsprechende Qualifikation verfügt. Darüber haben Sie sich zu vergewissern. Auf Wunsch prüft die KV, ob die Qualifikation vorliegt (Frau Windhorst, 0421 3404-330).

Außerdem setzt Vertretung voraus, dass Sie nicht zeitgleich mit dem Vertreter in der Praxis tätig sind.

Typischerweise erfolgt die Vertretung durchgehend über mehrere Tage oder Wochen. Da eine tageweise Vertretung gesetzlich nicht geregelt ist, prüft die KV im Einzelfall, in welchen Fällen diese zulässig ist. Denkbar wäre, dass Sie beispielsweise über ein halbes Jahr an einer Fortbildung an einem bestimmten Wochentag teilnehmen und sich während dieser Zeiten vertreten lassen wollen.

Dauert die Vertretung länger als eine Woche, müssen Sie dies der KV anzeigen. Überschreitet die Vertretung drei Monate, muss dafür eine Genehmigung bei der KV beantragt werden. Bitte beachten Sie: Eine rückwirkende Genehmigung darf nicht erteilt werden! Stellen Sie daher alle Vertretungs-Anträge im eigenen Interesse möglichst frühzeitig, am besten spätestens vier Wochen vor Beginn der Vertretung.

Vorgehen: Anzeige (wenn Vertretung länger als eine Woche dauert) oder Antrag auf Genehmigung einer Vertretung (wenn Vertretung länger als drei Monate dauert) an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Vertretungszeitraums und der beabsichtigten Vertretungszeiten (Wochentage/Stundenzahl),
Name des Vertreters, im Falle des Antrags auf Genehmigung einer Vertretung zusätzlich: Angabe des Grundes und Nachweis (z.B. ärztliches Attest, Anmeldung zur Fortbildung
o.ä.).

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421 3404-114, c.jonigk@kvhb.de

 


Szenario 2: Ich will meine Praxistätigkeit reduzieren, weil ich mich intensiv um pflegebedürftige Angehörige kümmern muss.

Basis-Info: Während der Pflege eines pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung darf ein Vertragsarzt einen Vertreter oder Sicherstellungsassistenten mit vorheriger Genehmigung der KV bis zu einer Dauer von sechs Monaten beschäftigen. Eine Verlängerung bis zu einer Gesamtdauer von 36 Monaten ist grundsätzlich möglich.
Die Beschäftigung eines Assistenten darf nicht der Vergrößerung der Praxis oder der Aufrechterhaltung eines übergroßen Praxisumfangs dienen. Anders als ein Vertreter wird
ein Sicherstellungsassistent neben oder gleichzeitig mit dem Vertragsarzt tätig, muss aber grundsätzlich ebenfalls über die gleiche Facharztanerkennung verfügen und darf genehmigungspflichtige Leistungen nur erbringen, wenn er entsprechend qualifiziert ist.

Vorgehen: Antrag auf Genehmigung zur Beschäftigung eines Vertreters/Sicherstellungsassistenten an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Vertretungszeitraums und der beabsichtigten Vertretungszeiten (Wochentage/Stundenzahl), Name des Vertreters/Assistenten, Nachweis über Pflegebedürftigkeit des nahen Angehörigen (z.B. Pflegebescheid).

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421 3404-114, c.jonigk@kvhb.de

 

 

Szenario 3: Ich erwarte ein Kind, die Entbindung naht.

Basis-Info: Eine Vertragsärztin – gleiches gilt für eine angestellte Ärztin – kann sich in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit einer Entbindung bis zu einer Dauer von zwölf Monaten genehmigungsfrei vertreten lassen. Die Vertretung ist der KV anzuzeigen. Der Zwölfmonatszeitraum beginnt in der Regel mit dem Beginn des gesetzlichen Mutterschutzes.

Vorgehen: Schriftliche Anzeige der Vertragsärztin an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Vertretungszeitraums, Name des Vertreters, ärztliche Bescheinigung über voraussichtlichen Entbindungstermin.

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421 3404-114, c.jonigk@kvhb.de

 

 

Szenario 4: Ich möchte mich der Erziehung meines Kindes widmen.

Basis-Info: Während Zeiten der Erziehung von Kindern bis zu einer Dauer von 36 Monaten darf ein Vertragsarzt einen Vertreter oder Sicherstellungsassistenten mit vorheriger Genehmigung der KV beschäftigen. Dieser Zeitraum muss nicht zusammenhängend genommen werden. Der Zeitraum gilt für jedes Kind jeweils bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres.

Vorgehen: Antrag auf Genehmigung zur Beschäftigung eines Vertreters/Sicherstellungsassistenten an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Vertretungszeitraums und der beabsichtigten Vertretungszeiten (Wochentage/Stundenzahl), Name des Vertreters/Assistenten, Geburtsurkunde des Kindes und kurze Darlegung der Erziehung des Kindes.

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421 34 04-114, c.jonigk@kvhb.de

 

 

Szenario 5: Ich bin berufspolitisch sehr eingebunden und brauche Unterstützung in der Praxis.

Basis-Info: Berufspolitische Tätigkeiten können im Einzelfall dazu führen, dass die Praxistätigkeit nicht in vollem Umfang aufrechterhalten werden kann. In diesen Fällen darf ein Vertragsarzt aus Gründen der Sicherstellung einen Vertreter oder Sicherstellungsassistenten mit vorheriger Genehmigung der KV beschäftigen. Die Dauer der Beschäftigung ist zu befristen. Die Genehmigung wird widerrufen, wenn die Gründe für die Vertretung/Assistenz nicht mehr vorliegen.

Vorgehen: Antrag auf Genehmigung zur Beschäftigung eines Vertreters/Sicherstellungsassistenten an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Vertretungszeitraums und der beabsichtigten Vertretungszeiten (Wochentage/Stundenzahl), Name des Vertreters/Assistenten, Darlegung und Nachweis der berufspolitischen Tätigkeit (Art, Häufigkeit, zeitliche Lage und zeitlicher Umfang der Tätigkeit) und Darlegung der Notwendigkeit der Vertretung/Sicherstellungsassistenz.

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421.34 04-114, c.jonigk@kvhb.de

 

 

Szenario 6: Eine Krankheit setzt mich derzeit außer Gefecht.

Dieser Fall kommt häufig vor. Hier muss unterschieden werden, wie lange Sie voraussichtlich erkrankt sein werden: Schränkt die Erkrankung Sie oder Ihren angestellten Arzt voraussichtlich nur vorübergehend ein, kommt der Einsatz eines Vertreters oder Sicherstellungsassistenten in Betracht. Vorgehen: Anzeige (wenn Vertretung länger als eine Woche dauert) oder Antrag auf Genehmigung einer Vertretung (wenn Vertretung länger als drei Monate dauert) oder eines Sicherstellungsassistenten (wenn Sie neben oder zeitgleich mit dem Assistenten tätig werden wollen) an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des  Vertretungs-/ Sicherstellungszeitraums und der beabsichtigten Vertretungszeiten (Wochentage/ Stundenzahl), Name des Vertreters/Assistenten, im Falle eines Antrags auf Genehmigung eines Vertreters/ Assistenten zusätzlich: ärztliches Attest über Ihre Arbeitsunfähigkeit/-einschränkung mit Angabe des Zeitraums der Einschränkung. 

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421 3404-114, c.jonigk@kvhb.de

Alternativ dazu kommt ein Antrag auf Genehmigung des Ruhens der Zulassung in Betracht. Voraussetzung ist, dass die Wiederaufnahme der vollen Tätigkeit in angemessener Frist zu erwarten ist. Bitte beachten Sie, dass während des Ruhens der Zulassung kein Vertreter oder Sicherstellungsassistent für Sie tätig werden darf und in dieser Zeit auch keine Leistungen über Ihre LANR/BSNR abgerechnet werden dürfen. Sollten Sie Ihre Tätigkeit vorzeitig wieder aufnehmen können, so ist dies möglich, muss dem  Zulassungsausschuss jedoch angezeigt werden. Lassen Sie sich bitte rechtzeitig beraten!

Vorgehen: Antrag an den Zulassungsausschuss Ärzte/Krankenkassen auf Genehmigung des Ruhens der Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Ruhenszeitraums, ärztliches Attest über Ihre Arbeitsunfähigkeit/-einschränkung mit Angabe des Zeitraums der Einschränkung. Ansprechpartner: Manfred Schober, 0421 3404-332, m.schober@kvhb.de

Ist die krankheitsbedingte Einschränkung von unabsehbarer Dauer oder erscheint sie sogar dauerhaft, kommen in erster Linie die Anstellung eines Arztes mit  Leistungsbeschränkung oder die Übertragung Ihrer hälftigen Zulassung auf einen Nachfolger in Betracht. Lassen Sie sich bitte rechtzeitig beraten!

Vorgehen: Antrag an den Zulassungsausschuss Ärzte/Krankenkassen.

Ansprechpartner: Manfred Schober, 0421 3404-332, m.schober@kvhb.de

 

Szenario 7: Ich möchte nur noch in Teilzeit praktizieren.

Basis-Info: Mittel der Wahl sind hier entweder die Anstellung eines Arztes mit Leistungsbeschränkung oder die Übertragung Ihrer hälftigen Zulassung auf einen Nachfolger. Lassen Sie sich bitte rechtzeitig beraten!

Vorgehen: Antrag an den Zulassungsausschuss Ärzte/Krankenkassen.

Ansprechpartner: Manfred Schober, 0421 34 04-332, m.schober@kvhb.de

 

 

Szenario 8: Ich möchte Brückentage nutzen, um die Praxis über einige Tage zu schließen.

Basis-Info: In diesem Falle greifen die allgemeinen Vertretungs-Regeln. Bitte beachten Sie, dass die abgesprochene Vertretung durch Kollegen auch tatsächlich wahrgenommen wird.

Vorgehen: Anzeige (wenn die Vertretung länger als eine Woche dauert) oder Antrag auf Genehmigung einer Vertretung (wenn die Vertretung länger als drei Monate dauert) an die KV, Abteilung Recht und Zulassung, mit folgenden Angaben: Beginn und Ende des Vertretungszeitraums und der beabsichtigten Vertretungszeiten (Wochentage/ Stundenzahl), Name des Vertreters.

Ansprechpartner: Constantin Jonigk, 0421 3404-114, c.jonigk@kvhb.de

 


Szenario 9: Ich möchte meine Erfahrungen an junge Kollegen weitergeben.

Hier eröffnen sich Ihnen zwei Möglichkeiten:

Basis-Info: Ein Vertragsarzt kann einen Assistenten im Rahmen der Aus- oder Weiterbildung beschäftigen, sofern er über eine entsprechende Weiterbildungsbefugnis der Ärztekammer verfügt.

Vorgehen: Antrag an die KV, Abteilung Recht und Zulassung. Für Fachärzte formlos mit folgenden Angaben: Name, Vorname; Geburtstagsdatum des Assistenten;  Weiterbildungszeit (von … bis …); Beschäftigungszeit (halb-, dreiviertel- oder ganztags), Kopie des Arbeitsvertrages und der Approbationsurkunde des Assistenten. Für Weiterbildungsassistenten in der Allgemeinmedizin bitte das unter Weiterbildungsantrag (pdf - 78 kB) bereitgestellte Formular verwenden.

Ansprechpartnerin: Krassimira Marzog, 0421 3404-377, k.marzog@kvhb.de

Basis-Info: Wollen Sie Ihre Erfahrungen nicht im Rahmen eines Weiterbildungsverhältnisses weitergeben, kann auch hier die Anstellung eines Arztes mit Leistungsbeschränkung eine denkbare Variante sein, setzt aber voraus, dass der anzustellende Facharzt mit Ihnen fachgebietsidentisch ist. Lassen Sie sich bitte rechtzeitig beraten!

Vorgehen: Antrag an den Zulassungsausschuss Ärzte/Krankenkassen.

Ansprechpartner: Manfred Schober, 0421 3404-332, m.schober@kvhb.de

 


Szenario 10: Ich plane eine Praxisübergabe und will nun kürzer treten.

Basis-Info: Mittel der Wahl sind hier entweder die Anstellung eines Arztes mit Leistungsbeschränkung oder die Übertragung Ihrer hälftigen Zulassung auf einen Nachfolger. Lassen Sie sich bitte frühzeitig beraten!

Vorgehen: Antrag an den Zulassungsausschuss Ärzte/Krankenkassen.

Ansprechpartner: Manfred Schober, 0421 3404-332, m.schober@kvhb.de

 

Diesen Beitrag finden Sie auf den Seiten 22 bis 25 im
Landesrundschreiben April, Ausgabe 3 (pdf - 1 124 kB)