So tun Sie Ihren Mitarbeitern etwas Gutes - und tappen nicht in die Steuerfalle

Praxistipp aus Landesrundschreiben Juli 2014, Ausgabe 5 (pdf - 5 499 kB)

 

Mit der Nettolohnoptimierung können Steuer- und Beitragserhöhungen elegant abgefangen bzw. geplante Gehaltserhöhungen kostengünstig durchgeführt werden. Eine echte „Win-Win-Situation“ für Praxisinhaber und deren Mitarbeiter.

Die permanente Erhöhung von Sozialbeiträgen, die kalte Progression sowie die chaotische Steuerpolitik führen dazu, dass Mitarbeitern von Lohn- und Gehaltssteigerungen zu wenig übrig bleibt und damit möglicherweise deren Motivation sink. Auf der anderen Seite belasten steigende Lohnkosten die Ertragslage der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Wie kann es gelingen, Praxisinhaber von der Last des mächtigen Lohnkostenblocks zu befreien und Mitarbeiter gleichzeitig mehr Netto auszuzahlen? Auf den ersten Blick scheint es wie der Versuch der Quadratur des Kreises. Bei näherem Hinschauen geht es allerdings ausschließlich darum, vom Gesetzgeber bereits geschaffene Gestaltungselemente intelligent, systematisch und konsequent in Lohnvereinbarungen einzubauen. Es existieren derzeit mehr als 20 sogenannte Vergütungsbausteine, die entweder steuer- und sozialversicherungsfrei oder nur pauschal zu versteuern sind. Welche dieser Bausteine sinnvoll eingesetzt werden können, richtet sich vor allem nach den individuellen Gegebenheiten der Praxis und der persönlichen Situation des Arbeitnehmers.

 

1. Lohnsteuer- und Sozialversicherungsfreie Leistungen

Leistung zur Gesundheitsförderung

Praxisinhaber können ihren Beschäftigten gesundheitsfördernde Maßnahmen anbieten oder externe Kurse zur Gesundheitserhaltung bezuschussen. Der Höchstbetrag für die vom Praxisinhaber zusätzlich zum Gehalt zu erbringenden Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung beträgt je Arbeitnehmer 500 Euro im Jahr.

Kindergartenzuschüsse

Zuschüsse zur Unterbringung (einschließlich Unterkunft und Verpflegung) und Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern des Arbeitnehmers in Kindergärten oder vergleichbaren Einrichtungen (z.B. bei einer Tagesmutter), die der Praxisinhaber zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbringt. Eine betragsmäßige Obergrenze gibt es nicht.

PC, Smartphone, Tablet

Die Überlassung (Leihe) betrieblicher Geräte wie PC, Smartphone oder Tablet zur betrieblichen als auch zur privaten Nutzung durch den Arbeitnehmer und zwar unabhängig von der Höhe und dem Verhältnis von beruflicher und privater Nutzung ist möglich. Ein anderer Weg: Die unentgeltliche Übereignung (Schenkung) von PC, Tablets oder Smartphones an den Arbeitnehmer ist sozialversicherungsfrei, aber ist 25% pauschal zu versteuern.

Tank- und Warengutscheine

Sachzuwendungen (keine Geldzuwendung) an Mitarbeiter bis zu 44 Euro im Monat. Auch für Gutscheine gilt unter bestimmten Bedingungen diese Freigrenze. Unerheblich ist dabei, ob der Gutschein auf einen bestimmten, genau bezifferten Geldbetrag ausgestellt ist. Auch eine konkrete Bezeichnung der zu werbenden Sache oder Dienstleistung auf dem Warengutschein ist nicht mehr erforderlich.

Aufmerksamkeiten

Als Aufmerksamkeiten gelten Sachzuwendungen bis zu einem Wert von 40 Euro (zum Beispiel Blumen), die dem Arbeitnehmer oder seinem Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden. Zu den Aufmerksamkeiten gehören auch Getränke und Genussmittel, die der Praxisinhaber den Arbeitnehmern zum Verzehr im Betrieb überlässt.

Fehlgeldentschädigungen

Arbeitnehmer, die in der Praxis die Kasse führen, (z.B. MFA, die die Entgelte für IGEL-Leistungen bar vereinnahmen) können pauschal bis zu 16 Euro monatlich erhalten.

Fortbildung

Berufliche Fort- und Weiterbildungsleistungen, wenn die Maßnahmen im überwiegenden Interesse des Praxisinhabers durchgeführt werden. Das Ziel der Weiterbildungsmaßnahme muss dazu dienen, die Einsatzfähigkeit des Arbeitnehmers in der Praxis zu erhöhen.

Kleidung

Müssen die Arbeitnehmer in der Praxis Berufskleidung tragen, können die Praxisinhaber die Kosten dafür erstatten. Dazu gehören zum Beispiel Kleidungsstücke, die durch das Praxisemblem (Logo) objektiv eine berufliche Funktion erfüllen oder in  Einzelfällen auch bei der Gestellung einheitlicher bürgerlicher Kleidung.

Beihilfen für Notfälle

Beihilfen, die an einzelne Arbeitnehmer gezahlt werden, sind als sogenannte Notstandsbeihilfen bis zu einem Betrag von 600 Euro im Kalenderjahr steuerfrei, wenn die Unterstützung dem Anlass nach gerechtfertigt ist, z.B. bei schwerer Erkrankung. Bei Praxen ab fünf Arbeitnehmern müssen zusätzliche formale Erfordernisse erfüllt werden.

Jubiläumszuwendungen

Jubiläumsfeiern für Angestellte, die ein rundes Dienstjubiläum begehen, wenn ein überwiegend betriebliches Interesse vorliegt und die Feier pro teilnehmender Person nicht mehr als 110 Euro kostet.

Darlehen an Arbeitnehmer

Gewährt der Praxisinhaber dem Arbeitnehmer ein zinsloses oder zinsverbilligtes Darlehen, so ist der Zinsvorteil steuerund sozialversicherungsfrei, wenn es sich um ein Kleindarlehen bis zu einem Darlehensbetrag von 2.600 Euro handelt bzw. die Summe des noch nicht getilgten Darlehens am Ende des Lohnzahlungszeitraums 2.600 Euro nicht übersteigt.

 

2. Lohnsteuerpauschalierte, aber sozialversicherungsfreie Leistungen

Erholungsbeihilfen

Zuschüsse in Form von Bar- oder Sachzuwendungen zu den Kosten von Erholungsreisen bzw. Urlauben der Mitarbeiter. Allerdings sind die Höchstgrenzen pro Kalenderjahr zu beachten: Sie betragen 156 Euro für den Arbeitnehmer, 104 Euro für dessen Ehegatten und 52 Euro für jedes Kind.

Internetpauschale

Der Praxisinhaber kann seinen Mitarbeitern einen Barzuschuss von bis zu 50 Euro im Monat für die häusliche Nutzung neuer Medien zusätzlich zum Gehalt gewähren.

Betriebsveranstaltungen

Zuwendungen in Form von bis zu zwei Betriebsausflügen oder Betriebsfeiern im Jahr. Die Höhe der üblichen Zuwendung ist dabei auf einen Betrag von 110 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) je Teilnehmer und Veranstaltung beschränkt. Wird dieser Betrag nicht überschritten, ist die Veranstaltung steuer- und sozialversicherungsfrei. Wird dieser Betrag überschritten, so ist der gesamte Betrag steuer- und sozialversicherungspflichtig und nicht nur der über 110 Euro hinausgehende Betrag. Der Praxisinhaber kann die Veranstaltung pauschal versteuern (sozialversicherungsfrei).

Restaurantschecks

Praxisinhaber können ihren Mitarbeitern Restaurantschecks im Wert von 91,50 Euro im Monat überlassen. Davon sind 46,50 Euro vollständig steuer- und sozialversicherungsfrei. Auf die verbleibenden 45 Euro muss der Praxisinhaber eine Pauschalsteuer von 25 Prozent zahlen; Sozialversicherungsbeiträge fallen darauf nicht an.

Fahrtkostenzuschüsse

In Höhe der Entfernungspauschale von 0,30 Euro je Entfernungskilometer können Fahrtkostenzuschüsse für die täglichen Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und Praxis pauschal mit 15 Prozent Lohnsteuer zzgl. Kirchensteuer
und Soli versteuert werden.

Jobticket

Gewährt der Praxisinhaber seinen Arbeitnehmern Fahrtkostenersatz durch Überlassung von Jobtickets für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, besteht die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung in Höhe von 15 Prozent Lohnsteuer zzgl. Kirchensteuer und Soli. Daneben kann die Sachbezugsfreigrenze von 44 Euro monatlich oder der Rabattfreibetrag von 4 Prozent genutzt werden und so durch geschickte Gestaltung (ggf. auch durch Vereinbarung einer
minimalen Zuzahlung des Arbeitnehmers) die Überlassung gänzlich steuerfrei gestaltet werden.

von rainer neuhaus | Steuerberater |
Geschäftsführer CAWIMED GmbH Bremen