So wird die Praxis fit für die Telematikinfrastruktur

05.07.2017 |

Deutschlands größtes Gesundheitsnetz

Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Krankenhäuser sowie andere Akteure des Gesundheitswesens sollen schneller und einfacher miteinander kommunizieren sowie medizinische Daten austauschen können. Das dafür notwendige digitale Kommunikationsnetz ist die Telematikinfrastruktur. Deren oberste Priorität ist die Datensicherheit. So hat es der Gesetzgeber bereits 2003 beschlossen. Im Jahr 2015 kamen mit dem E-Health-Gesetz konkrete Anwendungen und Zeitpläne hinzu. Verantwortlich für den Aufbau, Betrieb und die Weiterentwicklung der TI ist die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte, kurz gematik. Gesellschafter der gematik sind der GKV-Spitzenverband, die Kassenärztliche und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Bundesärztekammer und die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Apothekerverband.

 

Aktueller Stand

Die Gesellschafterversammlung der gematik hat Anfang Juni den Produktivbetrieb der Telematikinfrastruktur mit der ersten Anwendung Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) freigegeben und damit den gesetzlichen Auftrag erfüllt. Fest steht auch, was die Krankenkassen für die Erstausstattung der Praxen und den laufenden Betrieb zahlen müssen. Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben dazu eine Vereinbarung getroffen, die zum 1. Juli in Kraft getreten ist. Jetzt ist die Industrie am Zug, die nötige Technik bereitzustellen. Die gematik geht davon aus, dass die ersten Konnektoren und Kartenterminals ab Herbst auf dem Markt sein werden. Erst dann kann die Ausstattung der Praxen beginnen.

Ein für alle Vertragsärzte und -psychotherapeuten wichtiges Datum ist der 1. Juli 2018. Bis dahin – so will es der Gesetzgeber bislang – sollen alle Praxen das sogenannte Versichertenstammdatenmanagement durchführen können. Für diesen Datenabgleich ist ein Anschluss an die TI zwingend erforderlich. Ohne VSDM droht Praxen ein Honorarabzug in Höhe von ein Prozent. Nur bei Versorgungsanlässen ohne direkten Arzt-Patienten-Kontakt, bei denen die Versichertenkarte nicht eingelesen wird, zum Beispiel Laboruntersuchungen, entfällt die Pflicht zum VSDM (vgl. Anlage 4a Bundesmantelvertrag-Ärzte).

Der Zeitraum von knapp einem Jahr ist extrem eng, um die Praxen aller Ärzte, Psychotherapeuten und Zahnärzte mit der neuen Technik auszustatten. Die KBV und die KVen setzen sich deshalb für eine Fristverlängerung ein. Dieser Forderung will der Gesetzgeber jetzt offenbar nachkommen und die Frist um ein halbes Jahr auf den 31. Dezember 2018 verschieben.

 

Erste Anwendung: VSDM

Der Start der Telematikinfrastruktur bringt neben der Anbindung an das Netz zunächst nur eine konkrete Anwendung – das Versichertenstammdatenma-nagement. Dabei werden in der Arztpraxis die Versichertendaten auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) überprüft und bei Bedarf aktualisiert. Das Ganze läuft wie folgt ab: Die eGK wird wie gehabt bei jedem ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Quartal über das (dann TI-fähige) Kartenterminal ein-gelesen. Neu ist, dass dabei ein Online-Abgleich der auf der Karte gespei-cherten Versichertendaten mit den Daten der Krankenkassen erfolgt. Es wird überprüft, ob die Informationen wie Adresse oder Versichertenstatus noch aktuell sind. Sofern die Krankenkasse Änderungen in ihrem System hinter-legt hat, werden diese nun direkt auf die Karte geschrieben und in die Pati-entenakte der Praxis übertragen. Durch die Praxis selbst werden keine Daten geändert, wenn sich zum Beispiel die Anschrift des Patienten geändert hat. Dies müssen Versicherte weiterhin ihrer Krankenkasse melden. Ungültige sowie gestohlen gemeldete Karten können so auch gesperrt werden.

 

 

 

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