Telematik-Infrastruktur: Finanzierung größtenteils gesichert

06.06.2018 |

Es drohte, ein Fiasko zu werden: Praxen müssen sich an die Telematik-Infrastruktur anschließen, doch viele können nicht. Keine Konnektoren. Dazu die finanzielle Ungewissheit, weil die Erstausstattungspauschale ab dem zweiten Halbjahr nicht kostendeckend war. Auf den letzten Drücker haben die Krankenkassen eingelenkt und stocken auf.

Die Anbindung der Praxen an die Telematik-Infrastruktur (TI) ist ins Stocken geraten. Mehr als die Hälfte der Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland können aktuell keine TI-Komponenten kaufen, geschweige denn installieren lassen. Denn es gibt sie schlichtweg nicht. Die Industrie erweist sich als unfähig, die seit Monaten angekündigte Auslieferung weiterer Konnektoren zu erfüllen. Noch immer gibt es nur einen Anbieter. Und die Uhr tickt. Denn von Quartal zu Quartal sinken die Pauschalen für die Erstausstattung. Besonders spürbar wäre es für Ärzte und Psychotherapeuten ab Juli geworden. Denn dann fielen die Erstausstattungspauschale von jetzt rund 2.345 Euro auf 1.155 Euro. Die Pauschalen waren vor einem Jahr in der Erwartung vereinbart worden, dass die Preise für Konnektor und Kartenterminal aufgrund der Marktentwicklung fallen. Doch das ist nicht passiert. Lange haben sich die Krankenkassen geweigert, nach zu verhandeln.

Ende Mai haben sich nun die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband unter Vermittlung des Vorsitzenden des Bundesschiedsamtes auf Eckpunkte zur weiteren Finanzierung der Ausstattungskosten geeinigt. Die Berechnungsgrundlage für die Erstausstattungspauschale bildet demnach im dritten Quartal 2018 der um zehn Prozent reduzierte Konnektorenpreis aus dem Vorquartal. Dies ergibt einen ab dem dritten Quartal geltenden Preis in Höhe von brutto 1.719 Euro für den Konnektor. Dieser Preis wird ab dem vierten Quartal um weitere zehn Prozent gesenkt auf dann brutto 1.547 Euro. Wichtig: Für die Pauschale ist nicht das Bestelldatum relevant, sondern der Tag des ersten Versichertenstammdatenabgleichs.

„Wir haben die dringend notwendige Sicherheit geschaffen für die Praxen der  niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten“, erklärte Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands. Damit ist das finanzielle Risiko minimiert. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, sieht nun die Hersteller in der Pflicht: „Es ist an der Industrie, durch die Bereitstellung geeigneter Produkte dafür zu sorgen, dass alle Arztpraxen, die gesetzlich Versicherte behandeln, die notwendige technische Ausstattung rechtzeitig erhalten können“

Die KBV und der GKV-Spitzenverband gehen davon aus, dass es in den nächsten Monaten, wie von der Industrie schon seit langem zugesagt, mehrere Anbieter von Konnektoren geben wird. Dies sollte zu einer Senkung der Angebotspreise führen. Ein zusätzlicher Anbieter ist das österreichische Technologieunternehmen RISE. Sobald der Konnektor dieses Unternehmens am Markt grundsätzlich für alle Arztpraxen verfügbar ist, werden GKV-Spitzenverband und KBV innerhalb einer Frist von zwei Wochen vor dem Hintergrund der dann aktuellen Marktsituation die geltende Vereinbarung überprüfen und gegebenenfalls ab dem Folgequartal anpassen.

 

Finanzierung: Erstausstattung und laufende Kosten

Stand: 31. Mai 2018

 

Erstausstattungspauschale für Konnektor und stationäres Kartenterminal

2/2018 2.344,98 € (1909,98 für Konnektor, 435,00 für Terminal)

3/2018 2.154,00 € (1.719,00 für Konnektor, 435,00 für Terminal)

ab 4/2018 1.982,00 € (1.547,00 für Konnektor, 435,00 für Terminal)

Entscheidend dafür, welche Pauschale eine Praxis erhält, ist das Quartal des ersten Versichertenstammdatenabgleichs (VSDM) und nicht des Kaufvertrags oder der Lieferung des Konnektors. Außerdem: Die angegebenen Beträge decken die Kosten für einen Konnektor und für ein Kartenterminal. Für Praxen, die Anspruch auf 2 oder 3 Kartenterminals haben, erhöht sich die Erstausstattungspauschale pro Gerät um 435 €.

Pauschale für mobiles Kartenterminal

350 €

Anspruch bei mindestens 3 Hausbesuchen im Quartal und/oder Kooperationsvertrag zur Pflegeheimbetreuung oder Pati-entenversorgung in anderen Praxen (z.B. Anästhesisten) sowie für ausgelagerte Praxisräume

Starterpauschale für PVS-Update, Installation, Schulung, Ausfallzeiten und zusätzlichen Aufwand in der VSDM-Startphase 900 €
Betriebskostenpauschale für Wartung Konnektor und VPN-Zugangsdienst

bis 2/2018 298 € pro Quartal

ab 3/2018 248 € pro Quartal

Pauschale für Praxisausweis 23,25 € pro Quartal und Ausweis
(1 Ausweis pro Praxis, 1 weiterer Ausweis für jedes mobile Kartenterminal, auf das die Praxis Anspruch hat)
Pauschale für eHBA 11,63 € pro Quartal und Arzt/Psychotherapeut

Übersicht zur Finanzierung der TI (pdf - 28 kB)

Telematikinfrastruktur