TSVG: So werden die Zuschläge für vermittelte Patienten abgerechnet

21.08.2019 |

Zur Abrechnung der zeitgestaffelten Zuschläge für TSS-Patienten sowie für Hausarztvermittlungsfälle ab 1. September stehen jetzt die GOP sowie weitere Details der Abrechnung fest. Die Softwarehäuser aktualisieren derzeit die Praxisverwaltungssysteme, sodass das Sonderupdate rechtzeitig da ist.

 

GOP für Zuschläge nach einer TSS-Terminvermittlung

Ab dem 1. September 2019 erhalten Ärzte / Psychotherapeuten für Patienten, die über die Terminservicestelle (TSS) vermittelt wurden, zusätzlich einen extrabudgetären Zuschlag auf die Versicherten,- Grund- oder Konsiliarpauschale von bis zu 50 Prozent.

Die GOP für diese zeitgestaffelten extrabudgetären Zuschläge stehen jetzt fest. Für jede Versicherten,- Grund- oder Konsiliarpauschale wird eine neue GOP als „Zusatzpauschale TSS-Terminvermittlung“ im EBM (EBM-Kapitel 3 bis 27 ohne Kapitel 12 Labormedizin und 19 Pathologie und in den EBM-Abschnitt 30.7 Schmerztherapie) aufgenommen.

Die Zuschläge müssen von Ärzten und Psychotherapeuten zusätzlich mit den Buchstaben A, B, C oder D gekennzeichnet werden, je nach der Wartezeit, die zwischen dem Anruf des Versicherten bei der TSS und dem Behandlungstermin liegt.

Die Terminservicestelle teilt Ihnen künftig den Tag mit, an dem sich der Patient an die TSS gewandt hat. Die Terminbenachrichtigung wird dafür um das Datum des ersten Vermittlungsversuchs erweitert. Sollten Sie aktuell keine Terminbenachrichtigungen erhalten, sehen Sie hier wie diese im eTerminservice aktivieren können: www.kvhb.de/tss-terminbenachrichtigung

 
Anzahl der Tage ab
Kontaktaufnahme des
Versicherten zur TSS bis zum Tag der Behandlung
Kennzeichnung der Vermittlungsart
Zuschlag auf die jeweilige
altersgruppenspezifische
Versicherten-, Grund- bzw. Konsiliarpauschale

A

24 Stunden

TSS-Akutfall*

50 Prozent

B

1. bis 8. Tag

TSS-Terminfall

50 Prozent

C

9. bis 14. Tag

TSS-Terminfall

30 Prozent

D

15. bis 35. Tag

TSS-Terminfall

20 Prozent

*Der TSS-Akutfall setzt voraus, dass am Telefon der 116117 eine medizinische Ersteinschätzung der Dringlichkeit d erfolgt ist. Das Verfahren dazu wird erst ab Januar 2020 bundesweit etabliert sein. Die Abrechnung des Akutfalls ist daher erst ab dem 1. Januar 2020 möglich.

 

GOP "Zusatzpauschale TSS-Terminvermittlung"

Hausärzte

03010

Kinder- und Jugendmedizin

04010

Anästhesiologie

05228

Augenheilkunde

06228

Chirurgie

07228

Gynäkologie

08228

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

09228

Dermatologie

10228

Humangenetik

11228

Innere Medizin ohne Schwerpunkt (SP)

13228

SP Angiologie

13298

SP Endokrinologie

13348

SP Gastroenterologie

13398

SP Hämatologie/Onkologie

13498

SP Kardiologie

13548

SP Nephrologie

13598

SP Pneumologie

13648

SP Rheumatologie

13698

Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie

14218

Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

15228

Neurologie

16228

Nuklearmedizin

17228

Orthopädie

18228

Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen

20228

Psychiatrie und Psychotherapie

21236

Nervenheilkunde und Neurologie und Psychiatrie

21237

Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

22228

Ärztliche und psychologische Psychotherapie

23228

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

23229

Radiologie

24228

Strahlentherapie bei gutartiger Erkrankung

25228

Strahlentherapie bei bösartiger Erkrankung

25229

Strahlentherapie nach strahlentherapeutischer Behandlung

25230

Urologie

26228

Physikalische und Rehabilitative Medizin

27228

Schmerztherapie

30705

 

Der Vermittlungscode (zwölfstellige Zahlen-/Buchstabenkombination auf dem Überweisungsschein bzw. Buchungsinformation im eTerminservice) ist in der Abrechnung im Freitextfeld „ergänzende Information zur TSVG Vermittlungs-/ Kontaktart“ (KVDT-Feld; Feldkennung 4105) anzugeben.

Die neuen GOP sind im EBM nicht mit Punkten oder Euro-Beträgen bewertet, da der Zuschlag auf die Höhe der jeweiligen altersklassenspezifischen Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschale erfolgt. Das Praxisverwaltungssystem (PVS) sortiert die GOP automatisch der richtigen altersgruppenspezifischen Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale zu und errechnet die konkrete Zuschlagshöhe.

Beispiel

Ein Facharzt für Augenheilkunde behandelt einen 40-jährigen Patienten aufgrund der Vermittlung durch die Terminservicestelle. Zwischen Kontaktaufnahme des Versicherten zur TSS und Behandlung liegen 12 Tage. Der Arzt rechnet die Grundpauschale 06211 (6.- 59. Lebensjahr; Bewertung: 13,96 Euro) sowie weitere gegebenenfalls erforderliche Leistungen ab. Er gibt zusätzlich die GOP 06228C (Zusatzpauschale TSS-Terminvermittlung) an. Den Buchstaben C setzt er zu, da der Termin innerhalb einer Frist von 9 bis 14 Tagen zustande kam. Damit alle Leistungen extrabudgetär vergütet werden, kennzeichnet er den Abrechnungsschein als „TSS-Terminfall“. In der Honorarabrechnung erhält der Augenarzt einen Zuschlag von 30 Prozent auf die Grundpauschale. Bei einer Grundpauschale von 13,96 Euro beträgt der Zuschlag 4,11 Euro. Alle Leistungen im Behandlungsfall werden zudem extrabudgetär vergütet (bei mehreren Ärzten in der Praxis: alle Leistungen im Behandlungsfall der jeweiligen Arztgruppe).

 

Neue GOP für Zuschläge aufgrund einer Vermittlung vom Hausarzt an einen Facharzt

Zum 1. September 2019 werden für Hausärzte und Kinder- und Jugendmediziner die GOP 03008 und 04008 (jeweils 93 Punkte / 10,07 Euro) als Zuschläge zu den jeweiligen Versichertenpauschalen 03000 und 04000 für die Facharztvermittlung durch den Hausarzt im EBM neu aufgenommen. Die Vergütung ist extrabudgetär.

Voraussetzung für die Berechnung der Zuschläge ist, dass der Termin innerhalb von vier Kalendertagen liegt, nachdem der Hausarzt eine medizinisch dringende Behandlungsnotwendigkeit festgestellt hat.

Die Vermittlung setzt eine Überweisung voraus. Das heißt, in Fällen wo der vermittelnde Hausarzt und der weiterbehandelnde Facharzt in derselben Gemeinschaftspraxis oder demselben Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) tätig sind, sind weder Zuschlag noch extrabudgetäre Vergütung möglich.

Der Haus – bzw. Kinder und Jugendarzt muss für die GOP 03008 / 04008 im neuen Feld „(N) BSNR des vermittelten Facharztes“ (KVDT-Feld; Feldkennung 5003) die Betriebsstättennummer des weiterbehandelnden Facharztes angeben.

Beim Hausarzt-Vermittlungsfall ist kein Vermittlungscode erforderlich.

 

GOP 88210: Kennzeichnung bei Kontakten ohne berechnungsfähige Leistungen

Die GOP 88210 wird zur Kennzeichnung von Kontakten bei einer TSVGKonstellation verwendet, in der keine eigenen berechnungsfähigen Leistungen abgerechnet werden können.

Beispiel

Ein Patient kommt in die Praxis zur normalen Sprechstunde, der Arzt rechnet die Versicherten- bzw. Grundpauschale und ggf. andere Leistungen (z.B. Ultraschalluntersuchung) für die Behandlung ab. Eine Woche später kommt der Patient erneut in die Praxis zur offenen Sprechstunde, der Arzt kann keine weiteren Leistungen mehr abrechnen, jetzt schreibt er die GOP 88210 an und kennzeichnet den Fall mit der Vermittlungsart 4 – offene Sprechstunde (Feldkennung 4103).