Weniger Beanstandungen von Apothekern – dank Retax-Einigung

08.12.2016 |

Es gab viel Streit zwischen Apothekern und Ärzten ‒ wegen Lappalien wie fehlenden Vornamen oder Bindestrichen auf Rezepten. Damit könnte jetzt Schluss sein. Eine neue Rechtsverordnung erlaubt es Apothekern, formale Fehler eigenhändig zu korrigieren. Außerdem sinkt das Retax-Risiko.

Fehlende Ausrufezeichen, Bindestriche oder „Versorgungszeiträume“. Rezeptbeanstandungen durch Apotheken, die in letzter Zeit die Bremer Arztpraxen übermäßig beschäftigten und für viel Verdruss sorgten. Jetzt brauchen Rezepte nicht mehr an die Praxis zurückgegeben werden, eine Rechtsverordnung erlaubt es Apotheken, fehlende Angaben eigenverantwortlich zu ergänzen. Außerdem müssen Kassen bei unbedeutenden formalen Fehlern belieferte Rezepte bezahlen.
 
Selbstverständlich müssen Arzneimittelrezepte korrekt und im Sinne der Wirtschaftlichkeit und Therapiesicherheit vom Vertragsarzt ausgestellt werden. Im Rahmen der gesetzlichen Pflichtangaben „zur verschreibenden ärztlichen Person“ (u. a. die Berufsbezeichnung) gab es zuletzt Verwirrungen und sogar Streit zwischen Apotheken und Ärzten und die KV Bremen musste wiederholt klarstellend Position beziehen.
 
So wurden Praxen teilweise von Apotheken belehrt, dass die auf dem Rezept angegebene Berufsbezeichnung nicht korrekt ist.
 
Seit dem 1. Oktober 2016 dürfen Apotheken durch eine Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung den Vornamen und die Telefonnummer des verordnenden Arztes auf dem Rezeptblatt ergänzen, wenn ihnen diese Angaben zweifelsfrei bekannt sind. Es ist keine Rücksprache mit dem Arzt erforderlich. „Zweifelsfrei bekannt“ wird wie folgt kommentiert:
  • wenn die Apotheke die Daten verifiziert hat oder
  • zum Beispiel aufgrund örtlicher Nähe häufig Rezepte der verschreibenden Person beliefert oder
  • ein regelmäßiger Kontakt zwischen der verschreibenden Person und dem Apotheker besteht 

Neben den gesetzlichen Pflichtangaben führte auch die Korrektur formaler Fehler zu einem erheblichen Mehraufwand in den Praxen. Argument der Apotheke: „Es drohe ihnen ansonsten ein Regress (null Retaxation) durch den zuständigen Kostenträger“. Nun müssen Krankenkassen auch dann Arzneimittel bezahlen, wenn das Rezept formale Fehler aufweist. Retaxationen gegenüber der Apotheke sind in diesen Fällen nicht mehr zulässig. 

Voraussetzung ist, dass sich die Formfehler weder auf die Wirtschaftlichkeit noch auf die Therapiesicherheit auswirken. Beispielsweise dürfen eine andere Schreib- oder Kennzeichnungsweise auf dem Rezept oder einzelne fehlende Angaben des Arztes nicht mehr dazu führen, dass Krankenkassen ordnungsgemäß belieferte Rezepte nicht mehr bezahlen.

Möglich gemacht hat dies der Beschluss einer Schiedsstelle, der in den Rahmenvertrag zwischen dem Deutschen Apothekerverband (DAV) und GKV-Spitzenverband aufgenommen wurde.