Psychotherapie: Neue Qualitätssicherungsvereinbarung gilt ab 1. April

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben die Psychotherapie-Vereinbarung (Anlage 1 zum BMV-Ä) zum 1. April 2024 angepasst. Aufgenommen wurden Regelungen für Fachpsychotherapeutinnen und Fachpsychotherapeuten sowie Voraussetzungen für weitere Psychotherapieverfahren („Zweitverfahren“).

Fachpsychotherapeutinnen und Fachpsychotherapeuten

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben die Psychotherapie-Vereinbarung erweitert. Damit können Fachpsychotherapeutinnen und Fachpsychotherapeuten eine Abrechnungsgenehmigung bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen.
Hintergrund:
Die Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeuten wurde mit dem 2019 beschlossenen Psychotherapeutengesetz erneuert. Dadurch schließt sich nach dem Studium eine fünfjährige Weiterbildung zur Fachpsychotherapeutin oder zum Fachpsychotherapeuten an.

 

Zweitverfahren

Bezüglich der Zweitverfahren übernehmen zukünftig die Kammern die Überprüfung der Voraussetzungen, die während oder nach der ersten Aus- oder Weiterbildung erlernt wurden. Grundlage bilden die entsprechenden (Muster-)Weiterbildungsordnungen für Psychotherapieverfahren, dadurch entfällt die komplexe fachliche Prüfung in den Kassenärztlichen Vereinigungen und diese können an die zuständige Kammer verweisen.

 

Gruppentherapie

Für die Abrechnungsgenehmigung der Gruppentherapien bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und -innen müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen die Stundenvorgaben nicht mehr überprüfen, wenn die Gruppentherapie Teil der Aus- oder Weiterbildung war. Diese Möglichkeit bestand bislang schon für Fachärztinnen und Fachärzte sowie
PP und wird nun auf die KJP ausgeweitet. Falls die Gruppentherapie kein Bestandteil der Aus-oder Weiterbildung war, ist weiterhin eine Nachqualifikation möglich.

 

Zusatzqualifikation Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen

Fachärztinnen und Fachärzte sowie Psychologische Psychotherapeuten können weiterhin eine Qualifikation für Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen erwerben, wenn eine fachliche Befähigung in demselben Psychotherapieverfahren bei Erwachsenen besteht.

 

Psychosomatische Grundversorgung und übende Verfahren

Die Regelungen für den 80-Stunden-Kurs Psychosomatische Grundversorgung wird an das entsprechende (Muster-)Kursbuch der Bundesärztekammer angepasst. Die Mindestdauer der Balint- beziehungsweise patientenbezogenen Selbsterfahrungsgruppen wird auf drei Monate verringert. Der Mindestabstand zwischen den Kursen für übende und suggestive Interventionen wird ebenfalls auf drei Monate verringert.

 

Bestandsschutz

Es besteht für bereits erteilte Genehmigungen Bestandsschutz. Außerdem kann bis zwei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Regelungen eine Qualifikation nach den alten Vorgaben begonnen werden. Daher ist es möglich, Genehmigungsverfahren auch über den 1. April 2024 hinaus nach der Psychotherapie-Vereinbarung vom 2. Februar 2017 (Inkrafttreten 1. Oktober 2021) zu beurteilen.

 

#Qualität / Genehmigung