Notfallmanagement ist ein Bestandteil von einrichtungsinternem Qualitätsmanagement (QM). Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dazu in seiner Qualitätsmanagement-Richtlinie bestimmt, das Notfallmanagement strukturiert zu regeln. Das betrifft sowohl die Notfallkompetenz des gesamten Teams als auch eine dem Patienten- und Leistungsspektrum entsprechende Notfallausstattung.
Gerade wenn Notfälle die Ausnahme und nicht die Regel darstellen, ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Praxisteams zum Beispiel müssen Notfälle sowohl am Telefon als auch am Empfang sicher identifizieren und die erforderlichen Maßnahmen einleiten können. Dabei hilft Erfahrung und unterstützen standardisierte Checklisten. Wichtig ist, in den Praxen regelmäßig Notfalltrainings und Schulungen durchzuführen. Die Verantwortlichkeiten und Abläufe sollten bekannt und geregelt sein.
Sinnvoll ist es auch, Notfallsituationen in den Teamsitzungen zu reflektieren. Damit im Ernstfall alles schnell geht, kann es außerdem hilfreich sein, Patienten mit potenziellen Risiken zu identifizieren. Die Anamnese und das Arzt-Patienten-Gespräch liefern dazu die erforderlichen Informationen.
Notfälle können bei allen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen auftreten. Neben dem abgestimmten Handeln im Team erfordern sie auch eine korrekte Ausstattung, die beim Einsatz vollständig und funktionsfähig sein muss. Das Praxisteam muss den Umgang mit der Notfallausrüstung beherrschen.
Unterstützung für das Notfallmanagement der Praxen bietet das QM-Verfahren QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen. Im Kapitel „Patientenversorgung“ des QEP-Qualitätsziel-Katalogs sind Ziele zur Versorgung von Notfallpatienten und zur Notfallausstattung definiert. Zusätzliche Synergieeffekte können durch den Austausch mit Kollegen im Qualitätszirkel entstehen.
Die Notfallversorgung auch außerhalb der Sprechstundenzeiten ist Teil des vertragsärztlichen Sicherstellungsauftrages. Ein wichtiger Schritt zur besseren Erreichbarkeit für Patienten mit akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden ist die einheitliche Rufnummer 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Praxisteams sollten ihre Patienten darüber informieren.
Auch Notfälle lassen sich managen, wenn man gut vorbereitet ist und sich Gedanken über den Umgang mit Extremsituationen macht, bevor sie eintreten.
Im Rahmen des Qualitätsmanagements sollten Praxen die Abläufe in Notfallsituationen nicht nur planen und Situationen regelmäßig simulieren, sondern auch die Notfallausstattung an die Praxisgegebenheiten anpassen: Sie muss vorhanden und griffbereit sein.
Notfallmanagement in der Arztpraxis - Was heißt das konkret?
Vorkehrungen und Maßnahmen
Das Notfallmanagement regelt Vorkehrungen und Maßnahmen, die im Falle eines medizinischen Notfalls in der Arztpraxis zu ergreifen sind. Ziel ist es, den Patienten im Notfall schnellstmöglich zu versorgen und zu stabilisieren. Abläufe für das Handeln im Notfall sind somit im Notfallmanagement der Arztpraxis festgelegt.
Ein Notfall kann in einer Arztpraxis sowohl allgemeinmedizinischer als auch fachmedizinischer Natur sein und während des Wartens im Empfangsbereich oder Wartezimmers sowie bei diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen auftreten. Somit muss das Notfallmanagement auf das Leistungs- und Patientenspektrum der betreffenden Praxis sowie allgemeinen Notfällen wie Herz-Kreislauf-Stillständen abgestimmt sein.
Insgesamt ist das Notfallmanagement in der Arztpraxis von entscheidender Bedeutung, um bei medizinischen Notfällen schnell und effektiv zu reagieren und für die Sicherheit des Patienten zu sorgen. Regelmäßige Notfalltrainings z. B. mit Reanimationspuppen und Schulungen des Personals, die Erstellung eines Notfallplans sowie die Bereitstellung von Notfallausrüstung sind für die Umsetzung entscheidend.
Zuständigkeiten und Abläufe
Der Arzt oder Praxisinhaber legt einen Notfallplan für sich und sein Praxisteam fest. Es wird eindeutig geregelt, wer welche Aufgabe im Notfall übernimmt. Das spart Zeit und verhindert Stress und Hektik.
Der Ablaufplan für Notfälle sollte schriftlich festgehalten werden und sichtbar ausgehangen sein. Zudem empfiehlt es sich, diesen als Kopie in analoger sowie digitaler Form zu sichern.
Regelmäßige Schulungen des Praxispersonals helfen dabei jederzeit optimal vorbereitet zu sein. Das gesamte Team ist über die Maßnahmen des Notfallplans informiert und weiß, wie im Ernstfall zu reagieren ist.
Dokumentieren Sie wichtige Maßnahmen die im Notfall zu ergreifen sind genau und lückenlos. So halten sie fest, was passiert ist, welche Symptome bei dem Patienten aufgetreten sind und welche Maßnahmen durchgeführt wurden. Die Aufzeichnungen können in Teambesprechungen gemeinsam erörtert werden und dienen für weiterführende Schulungen oder Trainings, um in Zukunft noch besser vorbereitet zu sein.
Um rechtliche Probleme zu vermeiden, ist eine exakte Dokumentation (Notfallprotokoll) vor zu halten.
Die Notfallcheckliste, ein Beispiel:
- Machen Sie sich mit Ihrer Arbeitsumgebung vertraut – wo befindet sich was?
- Fordern Sie rechtzeitig Hilfe an – es gibt kein zu frühes Handeln
- Nutzen Sie alle verfügbaren Ressourcen – Geräte, Instrumente, Personal
- Kommunizieren Sie klar und deutlich
- Achten Sie auf effiziente Teamarbeit – beziehen Sie alle Mitarbeiter mit ein
- Legen Sie eine Informationssammlung an, verwenden Sie Merkhilfen, schlagen Sie Probleme nach
- Prüfen Sie genau – man kann nicht zu viel prüfen
- Lebensbedrohliche Verletzungen und Symptome haben
- Priorität (Treat first, what kills first)
Wichtig: Immer auf einen Notfall gefasst sein
Viele Notfälle kommen nicht als solche in die Praxis, meist ist der Rettungsdienst oder das Krankenhaus für diese die erste Anlaufstelle. Zwar stellen Notfälle in Arztpraxen eine Ausnahmesituation dar, aber auch hier können sie jederzeit auftreten – an der Anmeldung, im Wartezimmer oder im Behandlungsraum ein.
Auch am Telefon kann es vorkommen, dass Sie plötzlich mit einem Notfall konfrontiert sind. Aus diesem Grund ist es wichtig, jederzeit auf die Möglichkeit vorbereitet zu sein, dass ein Patient, Besucher oder Anrufer plötzlich dringend Ihre Hilfe benötigt.
Der Plan für den Notfall in der Arztpraxis:
- Sicherstellen der Atmung
- Bei Kreislaufzusammenbruch den Kreislauf aufrecht erhalten
- Für die richtige Körperlage sorgen – z.B. stabile Seitenlage
- Rettungsdienst kontaktieren
- Einen möglichen Transport vorbereiten
- Rettungsdienst oder Notarzt leiten
- Angehörige des Patienten benachrichtigen
- Falls nötig persönliche Gegenstände aufbewahren
Der Notfallkoffer – Ausstattung und Zugriff
Im Notfallkoffer sind alle wichtigen Materialien für die Diagnose und Behandlung im Falle eines Notfalls vorzuhalten. Der Notfallkoffer ist daher ein wichtiger Bestandteil innerhalb des Notfallmanagements einer Praxis. Ein schneller und einfacher Zugriff auf die entsprechende mobile Ausrüstung ist wichtig und kann in diesen Momenten entscheidend sein. Damit sorgt der Notfallkoffer dafür, dass im Ernstfall keine wertvolle Zeit für die Materialsuche vergeudet wird und die richtige Ausstattung für den Ernstfall verfügbar ist. Vollständig befüllt und einfach zugänglich helfen Notfallkoffer dem Arzt oder anderem Fachpersonal in der Extremsituation schnell und effektiv zu handeln.
Der Inhalt von Notfallkoffern nach DIN 13232
Der Inhalt eines Notfallkoffers kann spezifisch auf die jeweilige Arztpraxis abgestimmt werden, bei einer DIN 13232 Bestückung folgendes vorhanden:
- Verbandsmaterial (Verbandspäckchen, Mullbinden, Kompressen)
- Schere, Klebeband, Pflaster
- Sauerstoffflasche und Sauerstoffmaske
- Defibrillator
- Schmerzmittel und Medikamente
- Adrenalin
- Wunddesinfektionsmittel
- Fieberthermometer
- Blutdruckmessgerät
- Einweghandschuhe
- Augendusche
- Erste-Hilfe-Anleitung
Checkliste für den Notfallkoffer
Es empfiehlt sich, neben der regelmäßigen Kontrolle auf Einsatzfähigkeit und Vollständigkeit ebenfalls eine Checkliste zu führen. Eine direkte Checkliste im oder am Notfallkoffer erleichtert den Überblick, welche Materialien im Koffer vorhanden sind und in welchen Mengen. Angaben wie Prüfdatum, Verfallsdatum oder Verwendungsdatum sind ein wichtiges Kontrollkriterium und sollten in der Liste mit aufgeführt werden.
Regelmäßige Check-ups und Kontrollen sind das A und O
Auch wenn Notfallkoffer keiner gesetzlichen Regelung unterliegen, gilt es auch bei ihnen, regelmäßige und gründliche Kontrolle des Inhaltes durchzuführen. Hierbei ist es wichtig, besonders auf Verfallsdaten, Mengen und Defekte zu achten. Sterile Verbandmaterialien sind mit einem Haltbarkeitsdatum versehen, nach welchen die Funktionalität nicht mehr gewährleistet ist, weshalb Kontrolle sowie Austausch erforderlich sind. Ebenfalls wichtig sind die Verfallsdaten von Medikamenten, falls im Koffer vorhanden, die alle drei Monate geprüft werden sollten.
Es empfiehlt sich mindestens einmal im Jahr den gesamten Inhalt des Koffers in der Praxis zu kontrollieren. Hierbei kann die bereits erwähnte Checkliste ein nützliches Hilfsmittel sein.
Fazit: Notfälle und Notfallkoffer in der Arztpraxis – Vorbereitung ist alles
Auch wenn Notfälle meist nicht an der Tagesordnung in einer Praxis sind, kann der Ernstfall dennoch jederzeit plötzlich eintreten. Dann ist schnelles Handeln und effizienter Einsatz gefragt, denn jede Sekunde zählt. Hierbei sind richtige Vorbereitung, Planung sowie Ausrüstung entscheidend. Ein Ablaufplan, ein Notfallkoffer, eine Checkliste sowie regelmäßige Übungen um im Notfall vorbereitet zu sein und so angemessen handeln zu können.
Quellen: Notfall in der Arztpraxis » Tipps zum Notfallmanagement (medplus24.de), Deutsches Ärzteblatt, KBV, QM-RiLi, § 4 (2)
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Save the date: Nächstes QEP-Seminar
Thema: Qualität und Entwicklung in Praxen
Freitag, den 22.09.2023 (17.00 – 20.45 Uhr) und Samstag, den 23.09.2023 (08.30 – 17.15 Uhr)
Ort: KV Bremen, Schwachhauser Heerstr. 26-28, 28209 Bremen
Teilnahmegebühr: 1. Person: 299,- Euro (inkl. Unterlagen) 2. Person derselben Praxis: 179,- Euro
Referent: Andreas Steenbock, Green & Ibex Hamburg
Die Fortbildung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Fachangestellte.
Anmeldung über die Homepage der Ärztekammer Bremen www.akhb.de
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Besuchen Sie unseren kostenlosen QM-Stammtisch. Der Stammtisch findet in den Räumlichkeiten der KV Bremen statt:
Mittwoch, den 15. November 2023 (14.00 – 17.00 Uhr)
Ort: KV Bremen, Schwachhauser Heerstrasse 26/28, 28209 Bremen
kostenlos für Ärzte/QMB/MFA
Um Anmeldung wird gebeten unter s.kunz@kvhb.de oder n.daub@kvhb.de.