Hausärzte spielen eine zentrale Rolle, wenn es um die Früherkennung und Begleitung von Menschen mit Demenz geht. Oft sind sie die ersten, die Veränderungen im Verhalten oder in der Gedächtnisleistung ihrer Patienten wahrnehmen – und damit wichtige Weichen für eine frühzeitige Diagnose und eine passende Versorgung stellen. Doch Demenz betrifft nicht nur die medizinische Ebene, sondern auch das soziale Umfeld, die Pflege und die Alltagsbewältigung der Betroffenen und ihrer Angehörigen.
Um hier bestmöglich zu unterstützen und Orientierung im komplexen Hilfesystem zu bieten, gibt es in Bremen die Demenz Informations- und Koordinationsstelle (DIKS). Sie besteht bereits seit 2003 und wird von der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz gefördert.
Das Aufgabengebiet der DIKS könne man grob in drei Bereiche aufteilen, sagt Geschäftsführerin Tanja Meier. „Zum einen ist es die Beratung – wir beraten sowohl Anund Zugehörige als auch Menschen mit Demenz sowie Facheinrichtungen. Beispielsweise Einrichtungen der Altenhilfe.“ Neben dem Schwerpunkt der Beratung gehört außerdem die Öffentlichkeitsarbeit zu den Aufgaben der DIKS. „Unter anderem möchten wir für das Thema Demenz sensibilisieren – das geschieht über Newsletter, seit diesem Jahr aber auch über Instagram.“
Der dritte Bereich umfasse die Vernetzung der Angebote, die es zu Demenz in Bremen gibt. Auf der Homepage bietet die DIKS einen Überblick zu Tagespflegen oder Heimen in Bremen mit speziellem Demenzschwerpunkt. Es gibt Informationen zu den Einrichtungen und Angeboten für Menschen mit Demenz in Bremen.
Außerdem gibt es die Help-Line, das telefonische Angebot für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Help-Line begleiten auf Wunsch durch regelmäßige Telefonate pflegende Angehörige und ältere Menschen. Die Beratung bei der DIKS ist kostenlos. Als einzige Bedingung für die Beratung gilt: Die Person welche beraten wird, oder die Person, um die es in der Beratung geht, wohnt in der Stadt Bremen. Leider erstrecke sich die Arbeit der DIKS nicht über Bremerhaven, so Meier.
In den Beratungen gehe es oft darum, wie Angehörige mit bestimmten Verhaltensweisen umgehen sollen. Etwa, wenn der Partner trotz Demenz noch Autofahren möchte oder die Mutter ihre eigenen Kinder nicht mehr erkennt. Hier nehme die psychosoziale Beratung viel Zeit in Anspruch. Zeit, die Ärzten im Praxisalltag natürlich fehlt. Wenn Ärzte bei Patienten mit Demenz – oder bei ihren Angehörigen – weiteren Informationsbedarf sehen, können sie gerne an die DIKS verweisen, betont Tanja Meier.
Auch die Praxen selbst dürfen sich an die Demenz Informations- und Koordinationsstelle wenden, wenn sie beispielsweise Infomaterial oder Beratung zum Umgang mit Demenz-Patienten benötigen. Auf Anfrage gibt es Informationsvorträge oder Fortbildungen für die Praxen.
Das wichtige Vertrauensverhältnis und die Autorität des Arztes sei nicht zu unterschätzen, betont Tanja Meier. Besonders, wenn sich Patienten weigern, die Anregungen ihrer Angehörigen anzunehmen: „Manchmal haben Arzt oder Ärztin einfach einen guten Draht zu den betroffenen Patienten und diese folgen dann eher einer Empfehlung ihres Arztes, als der von Angehörigen.“
Die Demenz Informations- und Koordinationsstelle e.V. (Sögestraße 55/57; Eingang Herdentorswallstraße) ist unter info@diks-bremen.de oder unter 0421-98995299 zu erreichen.
Drei Tipps zum Umgang mit Demenz-Patienten von der DIKS
- Patienten in einem reizarmen Bereich warten lassen.
Das Wartezimmer ist voll, wuselig und hier ist es etwas lauter? Für Menschen mit Demenz ist das besonders schwer auszuhalten. Lassen Sie diese Patienten, wenn es möglich ist, in einem ruhigen, reizarmen Raum warten. Halten Sie die Wartezeit kurz, denn diese ist für Demenz-Patienten generell schwierig auszuhalten. - Ruhe bewahren und Fragen vermeiden
Werden die Patienten im Verhalten herausfordernd und unruhig – gehen Sie auf diese Patienten ruhig zu, sprechen Sie geduldig mit ihnen. Außerdem rät Tanja Meier, keine Fragen zu stellen – das könnte Patienten mit Demenz noch mehr unter Druck setzen, wenn sie aufgrund ihrer Demenz keine Antwort finden - Wenn möglich, die Patienten beschäftigen
Falls die Patienten länger warten müssen, kann es helfen, sie zu beschäftigen. Das kann Menschen mit Demenz etwas von der Wartezeit ablenken. Zum Beispiel aktiv auf die Zeitschriften im Wartezimmer hinweisen oder z.B. blanke Papiere lochen oder sortieren lassen. Dabei könnten auch begleitende Angehörige helfen.