Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bremen warnt mit Nachdruck vor den Sparvorschlägen der Finanzkommission Gesundheit. Was in Berlin als Beitrag zur Stabilisierung der Finanzen der Krankenkassen diskutiert wird, hätte vor Ort gravierende Folgen. Wenn der ambulanten Versorgung in Bremen und Bremerhaven rund 60 Millionen Euro entzogen werden, können die Praxen diese Lücke nicht auffangen, ohne ihr Leistungsangebot einzuschränken.
Besonders einschneidend wären die Pläne für die Terminservicestellen. Die Finanzkommission empfiehlt, die zusätzlichen Vergütungsregelungen für vermittelte und kurzfristig ermöglichte Termine vollständig zu streichen. Zugleich sollen die Pauschalen zur Förderung der fachärztlichen Grundversorgung wegfallen. Damit würden ausgerechnet die Anreize kassiert, die heute helfen, zusätzliche Kapazitäten in der ambulanten Versorgung bereitzustellen.
Für die Patientinnen und Patienten hieße das konkret: weniger verfügbare Termine, mehr Wartezeit auf fachärztliche Behandlung und eine weitere Verschlechterung der wohnortnahen Versorgung. Betroffen wären nicht nur klassische Sprechstunden. Wenn Leistungen wieder stärker unter Budgetdruck geraten, stehen auch medizinisch wichtige Bereiche auf dem Spiel, die bisher bewusst außerhalb starrer Mengenbegrenzungen vergütet werden; darunter Vorsorge, Früherkennung und ambulante Operationen. Gerade dort wäre es fatal, wenn Praxen aus finanziellen Gründen Kapazitäten zurückfahren müssten.
Dazu erklären Peter Kurt Josenhans und Martina Kemme, Vorstände der KV Bremen: “Wer in der ambulanten Versorgung kürzt, streicht am Ende Arzttermine. Das ist keine abstrakte Rechengröße, sondern trifft die Menschen in Bremen und Bremerhaven unmittelbar mit längeren Wartezeiten und noch mehr Engpässen in den Praxen.”
Hinzu kommt ein schwerer Schaden für den ärztlichen Nachwuchs. Wenn Praxen weniger finanziellen Spielraum haben, werden angestellte Ärztinnen und Ärzte schwer eine Stelle in der ambulanten Versorgung finden können: Geplante Anstellungen würden ausbleiben, Arbeitszeiten müssten reduziert und im schlimmsten Fall Beschäftigung abgebaut werden. Das träfe ausgerechnet jene Strukturen, die für die Sicherung der Versorgung in den kommenden Jahren gebraucht werden.
“Diese Sparpläne legen die Axt nicht nur an bestehende Praxen, sondern auch an die nächste Ärztegeneration. Wer Anstellungen gefährdet, Arbeitszeit kürzt und Investitionen ausbremst, verschärft den Versorgungsmangel von morgen schon heute”, betonen Josenhans und Kemme.
Die KV Bremen appelliert eindringlich an die Politik, die ambulante Versorgung nicht weiter als Sparmasse zu behandeln. In den Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten werden 97 Prozent aller Behandlungsfälle versorgt; während darauf nur 16 Prozent der Ausgabe der Krankenkassen entfallen. “Hier wird der Sektor an den Abgrund geführt, der die Basisversorgung der Menschen trägt, indem die wirtschaftliche Grundlage entzogen wird”, so Josenhans und Kemme.