Psychotherapie-Vergütung: Obergrenze beim Strukturzuschlag eingezogen

21.04.2016 |

Der Bewertungsausschuss hat eine Anpassung bei den Strukturzuschlägen für Psychotherapeuten beschlossen. Bereits ab April erhalten Praxen den Zuschlag nur noch bis zu einer Obergrenze. Die Änderungen betreffen vornehmlich voll ausgelastete Praxen. Mehr zu Hintergründen, zu Details und den Rechenweg erfahren Sie hier.

Der Beschluss des Bewertungsausschusses bedeutet grob umrissen das: Der Strukturzuschlag für Psychotherapeuten wird bis zu einer Punktzahl von 379.712 im Quartal gezahlt. Das entspricht etwa 42 Therapiestunden wöchentlich – und somit sechs Stunden mehr als vom Bundessozialgericht für eine ausgelastete Praxis angenommen. Allerdings wird für diese zusätzlichen sechs Stunden nur ein halber Zuschlag gewährt. Somit erhalten Psychotherapeuten bis zu einer Gesamtpunktzahl von abgerechneten Leistungen des Abschnitts 35.2 von 325.468 (36 Sitzungen, Vollauslastung) einen Strukturzuschlag in voller Höhe, danach die Hälfte. Für Leistungen, die die abgerechnete Gesamtpunktzahl von 379.713 (42 Sitzungen in der Woche) überschreiten, wird kein Strukturzuschlag mehr zugesetzt. Die Regelung, wonach der Zuschlag erst ab einer bestimmten Mindestpunktzahl (18 Stunden in der Woche) gewährt wird, bleibt bestehen. Kurzum: Ob und in welcher Höhe der Strukturzuschlag bezahlt wird, orientiert sich an vier Korridoren, wie die Tabelle verdeutlicht.

 

4 Korridore: Auswirkungen auf die Strukturpauschale

 

Für psychotherapeutische Praxen, die weniger als 325.467 Punkte im Quartal bzw. 36 Sitzungen in der Woche abrechnen, bleibt alles beim Alten. Psychotherapeuten mit halbem Versorgungsauftrag wird die neue Regelung eher treffen. Denn die Korridore werden entsprechend angepasst, so das folgendes gilt: Kein Strukturzuschlag bis zur 9. Sitzung, voller Zuschlag bis zur 18., dann der halbe bis zu 21. Sitzung. Dies löst Effekte aus, die man durchaus als makaber beschreiben muss. Folgendes Szenario ist nicht nur denkbar, sondern auch wahrscheinlich: Eine Vollzeit-Praxis, die in einem Quartal weniger ausgelastet ist und unter die 18-Stunden-Grenze rutscht, erhält keinen Strukturzuschlag. Der Kollege auf dem hälftigen Sitz mit gleichem Zeiteinsatz bekommt den Zuschlag.

 

Die Anzahl der abgerechneten Leistungen bestimmt die Quote

Die Strukturzuschläge werden automatisch von der KV Bremen zugesetzt. Wie sich die Änderungen konkret auswirken, können die Betroffenen in der Anlage 3.8 des Honorarbescheides nachlesen. Hierbei kommt eine Formulierung zum Einsatz, die für einige Verwirrung sorgen kann: Es wird eine Quote gebildet, wobei es sich allein um ein rechnerisches Verfahren handelt und nicht etwa um eine Kürzung. Um das Honorarvolumen der Zuschläge je Psychotherapeut berechnen zu können, setzt die KV die Zuschläge bereits ab der ersten erbrachten Leistung zu und nicht erst ab Erreichen der Mindestpunktzahl. Dafür wird die Quote gebildet. Diese liegt zwischen 0,0 für Praxen unterhalb der Mindestpunktzahl und 0,5 für Praxen, die im Korridor von 37 bis 42 Sitzungen pro Woche liegen. Die Grafik verdeutlicht diese Mechanismen der Quotenberechnung.

Die nun eingezogene Obergrenze für die Strukturzuschläge, die bei den betroffenen Psychotherapeuten für Verwirrung sorgen und die Rechenkapazitäten der KV vor neue Herausforderungen stellt, geht auf eine Forderung der Krankenkassen zurück.