Überweisung/Einweisung: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Verärgerte Patienten fragen nach einer zweiten Einweisung oder einer zusätzlichen Überweisung fürs Krankenhaus ‒ eine Szene, die sich in vielen Praxen abspielt. Das Krankenhaus verlangt es, die Praxis verneint es und der Patient mittendrin. Hier haben wir wichtige Fakten zum Thema zusammengetragen. Ein Laufzettel für Patienten kann helfen, etwas Druck aus der Situation zu nehmen.
 

Grundsätzliches zur Überweisung

Grundsätzlich gilt: Krankenhäuser sind nicht zur ambulanten Versorgung zugelassen. Und damit kann auch der Überweisungsschein nicht zum Einsatz kommen. Allerdings gibt es Ausnahmen von diesem Grundsatz. Zum Beispiel ist eine Überweisung an einen ermächtigten Arzt oder eine ermächtigte Ambulanz möglich ‒ allerdings nur und ausdrücklich im Rahmen des Ermächtigungsumfangs. Der Überweisungsempfänger ist namentlich zu nennen, er muss die Leistungen persönlich erbringen und rechnet dann über den Überweisungsschein mit der KV ab. Vergleichbares gilt für ambulante Behandlungen nach § 116b SGB V. In diesen beiden Fällen ist ausdrücklich ein Überweisungsschein zu benutzen und niemals eine Einweisung. Einen Sonderfall stellt die Überweisung zum ambulanten Operieren in einem Krankenhaus dar. Hier ist weder der eine noch der andere Schein notwendig. Vertragsärzte können aber eine Überweisung ausstellen.
 

Grundsätzliches zur Einweisung

Ein Patient wird nur dann in ein Krankenhaus eingewiesen, wenn der Vertragsarzt eine stationäre Behandlung für notwendig hält. Das Krankenhaus entscheidet, welche Maßnahmen angezeigt sind. Werden weitere diagnostische Leistungen, z.B. zur Beurteilung der Narkose- bzw Operationsfähigkeit, Röntgen-, CT- oder MRT-Untersuchungen notwendig, fallen diese in die Leistungspflicht des Krankenhauses. Eine Überweisung zu diesem Zweck wird bisweilen von Krankenhäusern gefordert, ist aber unzulässig. Die vom einweisenden Vertragsarzt erhobenen Befunde sind dem Krankenhaus allerdings zu übergeben, falls es gewünscht wird. Grundsatz ist: Da die vor- und nachstationäre Behandlung von der Einweisung erfasst wird, kann ein Krankenhaus für diese Leistungen nicht noch zusätzlich eine Überweisung verlangen.
 

Nicht erlaubt! Überweisung plus Einweisung

Für einen Patienten, der ins Krankenhaus eingewiesen wird, zusätzlich eine Überweisung auszustellen, ist unzulässig. Das Krankenhaus hat den Fall mitsamt aller prä- und poststationären Leistungen anhand der Einweisung stationär zu behandeln. Es dürfen also weder für das Aufnahmegespräch noch für andere prästationäre Leistungen zusätzliche Überweisungsscheine ausgestellt werden.
 

Nicht erlaubt! Doppelte Einweisung

Eine zweite Einweisung für denselben Behandlungsfall auszustellen, ist unzulässig. Eine Einweisung ist grundsätzlich gültig, bis der Behandlungsfall vom Krankenhaus abgeschlossen wird.
 

Nicht erlaubt! Einweisung zur Spezialsprechstunde

Eine Einweisung darf nur ausgestellt werden, wenn eine stationäre Behandlung zwingend notwendig ist. Eine Einweisung für eine klar erkennbar ambulante Versorgung im Krankenhaus auszustellen, ist unzulässig. Will der Patient eine ambulante „Spezialsprechstunde“ im Krankenhaus in Anspruch nehmen, muss er die Kosten dafür selbst tragen.
 

Nicht erlaubt! Einweisung zur ambulanten Nachsorge

Eine Einweisung zur ambulanten Nachsorge („Kontrolluntersuchung“, „Wiedervorstellungstermin“) auszustellen, ist unzulässig. Die poststationäre Behandlung innerhalb von 14 Tagen nach Entlassung des Patienten gehört zur Aufgabe des Krankenhauses und ist von der Einweisung abgedeckt. Für die ambulante Versorgung nach der 14-Tages-Frist sind die niedergelassenen Vertragsärzte zuständig.
 

Wie sage ich es meinen Patienten?

Wer will schon Patienten vor den Kopf stoßen? Doch in den beschriebenen Fällen ist das unumgänglich. Ein wenig Druck aus der Situation kann ein Laufzettel nehmen, der Patienten mitgegeben wird und an das behandelnde Krankenhaus adressiert ist. Der Laufzettel begründet die Absage der Praxis.
 
 

Fragen und Antworten

Ein Krankenhaus, in dem ein Patient ambulant operiert werden soll, fordert hierfür eine Überweisung. Kann beziehungsweise darf diese Überweisung ausgestellt werden?

Die Durchführung der ambulanten Versorgung ist grundsätzlich dem vertragsärztlichen Versorgungsbereich vorbehalten. Ausnahmeregelungen hierzu befinden sich unter anderem im § 115b Sozialgesetzbuch V, der das ambulante Operieren im Krankenhaus regelt. Eingriffe gemäß § 115b Sozialgesetzbuch V sollen in der Regel auf Veranlassung eines niedergelassenen Vertragsarztes unter Verwendung eines Überweisungsscheins durchgeführt werden. Daher ist es legitim, wenn das Krankenhaus einen solchen Überweisungsschein anfordert. Der Vertragsarzt darf diesen ausstellen.
 

Laborärzte erhalten Überweisungen mit Proben von Krankenhäusern. Die Laboruntersuchungen sind im Zusammenhang mit ambulanten Operationen erforderlich. Dürfen diese ausgeführt und über die elektronische Gesundheitskarte abgerechnet werden?

Ja. In Verbindung mit einem ambulanten Eingriff nach § 115b Sozialgesetzbuch V können Krankenhäuser intraoperative Leistungen erbringen oder veranlassen, die in einem unmittelbaren zeitlichen und medizinischen Zusammenhang mit dem Eingriff stehen. 
 

Patienten, denen ich eine Einweisung zur Krankenhausbehandlung ausgestellt habe kommen häufig zurück, weil das Krankenhaus zusätzlich zur Einweisung auch einen Überweisungsschein fordert. Wie verhalte ich mich?

Im § 115a Sozialgesetzbuch V ist die vor- und nachstationäre Behandlung im Krankenhaus geregelt. Hiernach kann das Krankenhaus bei Verordnung von Krankenhausbehandlung Versicherte in medizinisch geeigneten Fällen ohne Unterkunft und Verpflegung behandeln, um die Erforderlichkeit einer vollstationären Krankenhausbehandlung zu klären oder die vollstationäre Krankenhausbehandlung vorzubereiten (vorstationäre Behandlung) oder um im Anschluss an eine vollstationäre Krankenhausbehandlung den Behandlungserfolg zu sichern oder zu festigen (nachstationäre Behandlung). Die vor- und die nachstationäre Behandlung gehören folglich zur
stationären Behandlung und werden dem Krankenhaus vergütet, auch wenn der Patient noch nicht oder nicht mehr im Krankenhaus untergebracht ist.
Niedergelassene Vertragsärzte dürfen daher weder für die vor- noch für die nachstationäre Behandlung eine zusätzliche Überweisung ausstellen.
Das Krankenhaus kann die vorstationäre Behandlung zwar durch einen hierzu ausdrücklich beauftragten niedergelassenen Vertragsarzt in den Räumen des Krankenhauses oder der Arztpraxis erbringen lassen, die Vergütung des niedergelassenen Vertragsarztes erfolgt aber durch das Krankenhaus.
 

Krankenhäuser fordern für Patienten, die zur stationären Behandlung eingewiesen wurden, eine zweite Einweisung. Ist das korrekt?

Nein, das ist nicht richtig. Ist ein stationärer Aufenthalt erforderlich, wird einmalig eine Einweisung ausgestellt. Eine zweite Einweisung auf Wunsch des Krankenhauses (gleichgültig, ob vor oder nach dem stationären Aufenthalt) darf nicht ausgestellt werden. Das Krankenhaus rechnet alle Kosten, das heißt für die notwendigen prästationären Voruntersuchungen, für die eigentlichen stationären Behandlungen und, falls erforderlich, für alle poststationären Behandlungen, über die erste Einweisung ab.
 

Ein Patient, bei dem am Wochenende in einer Krankenhausnotfallambulanz eine Schnittwunde notfallmäßig versorgt wurde, verlangt eine Überweisung ins Krankenhaus, damit dort die weitere Wundbehandlung durchgeführt werden kann. Darf diese Überweisung ausgestellt werden?

Nein. Der Patient wurde in dem Krankenhaus notfallmäßig versorgt. Da er nicht stationär aufgenommen wurde, ist davon auszugehen, dass die weitere Behandlung ambulant erfolgen kann. Die ambulante Behandlung fällt in den Bereich der niedergelassenen Vertragsärzte. Der Patient kann höchstens an einen entsprechenden niedergelassenen Facharzt überwiesen werden. 
 
 

Umfrage: Wie häufig passiert es in Ihrer Praxis?

Wie viele ungerechtfertigte Anforderungen für Einweisungen von Krankenhäusern erreichen die Arztpraxen im Land? Dieser Frage geht das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach. Eine Umfrage unter niedergelassenen Ärzten soll Antworten liefern. Diesem Landesrundschreiben liegen dazu nähere Informationen bei. Bitte beteiligen Sie sich an dieser Umfrage, damit das Problem mit Zahlen belegt werden kann! Vorfrankierte Rücksendekuverts wird Ihnen die KV Bremen Anfang 2017 zukommen lassen.