Verordnung häuslicher Krankenpflege: Hinweise zum Ausfüllen

Praxistipp aus Landesrundschreiben Ausgabe 4/2013, Seiten 6 und 7

Formulare sind wichtiger Bestandteil einer Vertragsarzt-Praxis. Doch selbst die erfahrensten Ärzte verlieren schon mal den Überblick, vor allem wenn es ins Detail geht. Deshalb geben wir Ihnen einen Überblick. Diesmal: Das Formular zur Verordnung häuslicher Krankenpflege.

Formular "Verordnung häuslicher Krankenpflege"

[1a] Bitte hier vermerken, falls nicht eindeutig beurteilt werden kann, ob eine im Haushalt lebende Person die erforderliche(n) Maßnahme(n) oder Teilbereiche erbringen kann.

[1b] Erstverordnungen sind in der Regel für längstens 14 Tage auszustellen. Ausnahmefälle sind zu begründen.

[1c] Folgeverordnungen können für einen längeren Zeitraum ausgestellt werden. Die Verordnung ist in den letzten drei Werktagen vor Ablauf der Vorverordnung auszustellen.

[2] Zwischen Diagnose und verordneter Verrichtung muss ein eindeutiger Zusammenhang bestehen. Bei einzelnen Maßnahmen, z. B. Medikamentengabe, s. c. Injektionen, muss eine schwere Behinderung (z. B. Einschränkung der Sehfähigkeit, der Grob-/Feinmotorik, der geistigen Leistungsfähigkeit) vorliegen, die eine selbstständige Durchführung der Maßnahme unmöglich macht.

[3] Für die Verordnung von häuslicher Krankenpflege kann nur ein Grund maßgeblich sein.

[4a] Ist der Patient selbst oder ein Angehöriger in der Lage, nach einer Schulung durch den Pflegedienst, die notwendige Behandlungspflege sicher auf Dauer selbst  durchzuführen, kann diese Anleitung zur Behandlungspflege bis zu 10-mal verordnet werden.

[4b] Blutzuckermessungen können bei Erst- und Neueinstellung eines Diabetes zeitlich begrenzt verordnet werden. Routinemäßige Dauermessungen sind nur zur Fortsetzung der intensivierten Insulintherapie möglich (Begründung erforderlich).

[4c] Dekubitusbehandlung (ab Grad II): Lokalisation, Grad und Größe sind anzugeben.

[4d] Bei Injektionen bitte die Präparate angeben.

[4e] Bei Medikamentengabe bitte die Präparate und Dosierung angeben. Vor Ausstellung der Verordnung bitte klären, ob

  • das Richten einer Tages- und Wochenbox ausreichend ist,
  • Personen im Haushalt die Leistung (teilweise) übernehmen können,
  • durch Medikamentenanpassung (z. B. Depotpräparate) Einsätze reduziert werden können.

[4f] Anlegen von stützenden und stabilisierenden Verbänden kommt nur bei akuten Ereignissen (z. B. Distorsion) in Betracht und ist zeitlich nur begrenzt verordnungsfähig. Das Anlegen eines Kompressionsverbandes ist grundsätzlich einmal täglich verordnungsfähig. Unter diesem Punkt kann auch das An- und Ausziehen von  ompressionsstrümpfen (ab Kompressionsklasse II, diese bitte immer angeben) verordnet werden. Dann ist bitte unter Punkt 4g zu ergänzen, dass es sich um  Kompressionsstrümpfe handelt. Bei Wundverbänden bitte aktuellen Wundbefund, Lokalisation, Art der Wundbehandlung und das Präparat angeben.

[4g] Hier werden alle weiteren verordnungsfähigen Maßnahmen eingetragen.

[4d]  Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung sind nur in Verbindung mit Behandlungspflege verordnungsfähig, wenn sie die Krankenhausbehandlung ersetzt.

 

Bitte bei allen Maßnahmen Angaben zur Häufigkeit und Dauer eintragen, insbesondere bei den Maßnahmen, die vom Verordnungszeitraum abweichen.

 

Häusliche Krankenpflege richtig verordnen

  1. Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege (Behandlungspflege, Grundpflege, hauswirtschaftliche Versorgung) können nur verordnet werden, soweit sie weder vom Patienten selbst noch von in seinem Haushalt lebenden Personen durchgeführt werden können. Kann eine im Haushalt des Versicherten lebende Person nach Einschätzung des Arztes die Maßnahmen nicht übernehmen, hat er dies auf der Verordnung entsprechend anzugeben. Ist eine Beurteilung nicht möglich, ist dies auf der Verordnung ebenfalls anzugeben.
  2. Für die Zeit des voll- oder teilstationären Aufenthalts in Krankenhäusern, Rehabilitationseinrichtungen, Hospizen,Pflegeheimen kann häusliche Krankenpflege grundsätzlich nicht verordnet werden. Ausnahmen möglich: siehe § 1 Abs. 6 der Richtlinien.
  3. Häusliche Krankenpflege als Krankenhausvermeidungspflege kann verordnet werden, wenn Krankenhausbehandlung geboten aber nicht ausführbar ist, verkürzt oder ersetzt wird. Die Krankenhausvermeidungspflege umfasst die im Einzelfall erforderliche Behandlungs- und Grundpflege sowie hauswirtschaftliche Versorgung. Ein Anspruch des Versicherten auf Krankenhausvermeidungspflege besteht bis zu vier Wochen je Krankheitsfall. In begründeten Einzelfällen kann die Krankenhausvermeidungspflege auch länger als vier Wochen je Krankheitsfall bewilligt werden.
  4. Häusliche Krankenpflege als Sicherungspflege kann verordnet werden, wenn die ambulante vertragsärztliche Versorgung nur mit Unterstützung durch Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege durchgeführt werden kann. In diesen Fällen ist häusliche Krankenpflege nur als Behandlungspflege verordnungsfähig.
  5. Änderungen und Ergänzungen der Verordnung bedürfen der erneuten Unterschrift des Arztes mit Stempel und Datumsangabe. Rückwirkende Verordnungen sind grundsätzlich nicht zulässig; Ausnahmefälle sind besonders zu begründen.
  6. Der Vertragsarzt hat sich über den Erfolg der verordneten Maßnahmen zu vergewissern. Um dies sicherzustellen, soll insbesondere die Erstverordnung einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen nicht überschreiten.
  7. Ist aus dem Zustand des Versicherten erkennbar, dass der zunächst verordnete Zeitraum nicht ausreicht, kann die Folgeverordnung auch für eine längere Dauer ausgestellt werden, wenn der Vertragsarzt in der Folgeverordnung die Notwendigkeit begründet. Die Folgeverordnung hat der Vertragsarzt in den letzten drei Werktagen vor Ablauf des verordneten Zeitraums auszustellen.
  8. Krankenhausärzte können Leistungen der häuslichen Krankenpflege für max. drei Werktage verordnen (z. B. bei Entlassung am Freitag).
  9. Die vorstehenden Grundsätze und Erläuterungen stehen unter dem Vorbehalt gesetzlicher Änderungen einschließlich einer Änderung der HKP-Richtlinie.

Quelle: Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von häuslicher Krankenpflege.

 

Zusammenarbeit mit Pflegediensten

Niedergelassene Ärzte berichten immer wieder, dass Pflegedienste versuchen, auf die Verordnung häuslicher Krankenpflege einzuwirken. Dies geschieht teilweise auf sehr  offensive Weise. In vielen Fällen fordern die Mitarbeiter dieser Pflegedienste vom behandelnden Arzt eine Ergänzung auf der Verordnung, zum Beispiel ein Kreuz bei „Anlegen von Kompressionsverbänden“. Falls eine solche nachträgliche Korrektur medizinisch nicht indiziert ist („Luftverordnung“), sollten Vertragsärzte das Anliegen des Pflegedienstes zurückweisen und zeitnah die KV Bremen darüber informieren. Bitte wenden Sie sich an die Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei der KV Bremen.
Christoph Maaß, 0421 / 3404-115, c.maass@kvhb.de

 

Download

Verordnung häuslicher Krankenpflege: Hinweise zum Ausfüllen (pdf - 619 kB)

 

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