Videosprechstunde wird jetzt über Grundpauschalen abgerechnet

15.10.2019 |

Mit dem Ziel, Videosprechstunden attraktiver zu machen, wurde der EBM in verschiedenen Bereichen zum 1. Oktober 2019 angepasst.

Die bisher gültige GOP 01439 (Betreuung eines Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde) wurde gestrichen.

Neu ist, dass die Videosprechstunde jetzt auch von Fachärzten für Humangenetik sowie von ermächtigten Ärzten durchgeführt werden kann. Somit dürfen alle Fachgruppen bis auf Labormediziner, Nuklearmediziner, Pathologen und Radiologen die Videosprechstunde abrechnen.

Die Videosprechstunde wurde in die Vergütungssystematik der Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschalen integriert. Fachgruppenspezifische Versicherten- und Grundpauschalen (außer GOP 03030, 04030, 12220 und 12225) und die Konsiliarpauschale GOP 25214 der  Strahlentherapie können jetzt beim ersten Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde berechnet werden oder wie bisher beim ersten kurativ-ambulanten persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt. Die neuen Regelungen wurden in Absatz 5 der Allgemeinen Bestimmungen im Abschnitt 4.3.1 EBM aufgenommen.

Wenn nur ein Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen der Videosprechstunde und kein persönlicher Kontakt stattgefunden hat, muss die GOP 88220 angesetzt werden. Die Anzahl dieser Fälle ist auf 20 Prozent aller Behandlungsfälle je Vertragsarzt (nicht je Betriebsstätte) begrenzt.

 

Abschläge

In Behandlungsfällen, in den lediglich eine Videosprechstunde zustande kommt, wird ein prozentualer Abschlag auf die jeweilige Versicherten-, Grundoder Konsiliarpauschale und die berechnungsfähigen Zuschläge / Zusatzpauschalen vorgenommen. Der Abschlag entfällt, wenn im selben Behandlungsfall ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt erfolgt. Die Höhe des Abschlages wird von der KV Bremen vorgenommen und wie folgt differenziert:

Abschlag von 20 % Abschlag von 25 % Abschlag von 30 %
  • Hausärzte
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie/ -psychotherapie
  • Neurologie / Neurochirurgie
  • Psychosomatik / Psychotherapie / Psychiatrie
  • Strahlentherapie (nur GOP 25214)
  • Schmerztherapie
  • Ermächtigte Ärzte (GOP 01320, 01321)
  • Chirurgie
  • Gynäkologie
  • Dermatologie
  • Humangenetik
  • Innere Medizin
  • Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
  • Orthopädie
  • Urologie
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin
  • Anästhesie
  • Augenheilkunde
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde / Phoniatrie

 

Verschiedenes

Bei psychotherapeutischen Leistungen aus dem Kapitel 35 und des Abschnitts 30.11 ist die Videosprechstunde dann möglich, wenn vorher ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung erfolgt ist.

Die Gespräche nach GOP 03230, 04230, 04355, 04430, 14220, 14222, 16220, 21216, 21220, 22220, 22221 und 23220 können in einer Videosprechstunde erfolgen.

Bitte beachten Sie, dass alle genannten Leistungen die im Rahmen einer Videosprechstunde durchgeführt werden einer Obergrenze von 20 Prozent je abgerechneter GOP, je Vertragsarzt und je Quartal unterliegen.

 

Chronikerpauschalen

Bei der Regelung zu den Arzt-Patienten-Kontakten der Chronikerpauschale im Zeitraum der letzten vier Quartale, kann nun einer der zwei persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte auch im Rahmen der Videosprechstunde erfolgen. Für die GOP 03220/04220 und GOP 03221/04221 gilt weiterhin, dass ein bzw. zwei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte stattgefunden haben müssen. In dem Quartal, in dem die Chronikerpauschale berechnet wird, ist weiterhin ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt erforderlich.

 

Videofallkonferenzen

Für die Videofallkonferenz zwischen der Pflegekraft eines chronisch pflegebedürftigen Patienten und des Arztes wurde die GOP 01442 (64 Punkte / 6,93 Euro) in den EBM neu aufgenommen. Die GOP 01442 ist maximal dreimal im Krankheitsfall berechnungsfähig.

Die Fallkonferenzen und Fallbesprechungen gemäß den GOP 30210, 30706, 30948, 37400, 37120 und 37320 sind nun auch als Videofallkonferenz durchführbar.

Die Abrechnung des Technikzuschlags (GOP 01450) erfolgt durch den Arzt, der die Videofallkonferenz initiiert, wobei ein Höchstwert von 40 Punkten je Arzt und Fallkonferenz gilt.

 

Authentifizierung

Es gibt eine neue GOP 01444 (10 Punkte / 1,08 Euro) zur Authentifizierung im Rahmen der Videosprechstunde für einen in der Praxis unbekannten Patienten, da die erforderlichen Stammdaten nicht über die elektronische Gesundheitskarte automatisiert erfasst werden können. Mit einem unbekannten Patient ist hier ein Patient gemeint, der im aktuellen Quartal oder im Vorquartal in der Praxis nicht behandelt wurde. Die Details werden in einer neuen Anlage 4b zum BMV-Ä ausgestaltet, die zum 1. Oktober 2019 in Kraft getreten ist.

Die GOP 01444 wird extrabudgetär vergütet und ist für zwei Jahre befristet in den EBM aufgenommen. Anschließend sollen neue technische Verfahren den Zusatzaufwand zur Authentifizierung in der Praxis obsolet machen.

 

Förderung

Zur Förderung der Videosprechstunde wurde eine neue GOP 01451 (Anschubförderung für Videosprechstunden) in den EBM aufgenommen, die auf zwei Jahre befristet ist. Die Bewertung beträgt 92 Punkte, das sind zirka. 10 Euro. Sofern die Praxis mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal durchführt, wird die GOP 01451 automatisch als Zuschlag von der KV Bremen zugesetzt.

Der Höchstwert je Praxis beträgt 4.620 Punkte im Quartal, das sind maximal 500 Euro bei maximal 50 Videosprechstunden.