Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Ausfüllhilfe)

09.03.2016 |

Zum 1. Januar gibt es ein neues AU-Formular, der so genannte Auszahlschein ist darin integriert. Etwas Bürokratieabbau. Damit die Neuerungen gut in den Praxen ankommen, haben wir diese Ausfüllhilfe und einen FAQ erarbeitet.

Grundsätzlich gilt: Eine Arbeitsunfähigkeit darf nur auf Grund einer ärztlichen Untersuchung bescheinigt werden!
 
Zwei wesentliche Neuerungen sind zu beachten. Eine Rückdatierung der AU ist nun bis zu drei Tagen zulässig (vorher: zwei Tage). Die maximale Dauer einer einzelnen AU-Bescheinigung beträgt jetzt einen Monat, damit sind längere Zeiträume ausdrücklich ausgeschlossen.
 

AU-Bescheinigung

 

  1. Das Kästchen „Erstbescheinigung“ erklärt sich von selbst. „Folgebescheinigung“ ist auch bei Mit- bzw. Weiterbehandlung anzukreuzen. Tritt eine neue Erkrankung auf und hat zwischenzeitlich, wenn auch nur kurzfristig, Arbeitsfähigkeit bestanden, ist „Erstbescheinigung“ anzukreuzen; dies gilt auch dann, wenn eine neue Arbeitsunfähigkeit am Tag nach dem Ende der vorherigen Arbeitsunfähigkeit beginnt.
  2. Bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit ist „Arbeitsunfall/-folgen, Berufskrankheit“ anzukreuzen. Liegt kein Ausnahmesachverhalt vor, welcher den Arzt gemäß § 26 des Vertrages der Ärzte mit den Unfallversicherungsträgern (§ 34 Abs. 3 SGB VII) von der Vorstellungspflicht beim Durchgangsarzt befreit, ist zusätzlich „dem Durchgangsarzt zugewiesen“ anzukreuzen. Eine Vorstellung bei einem Durchgangsarzt ist z.B. nicht erforderlich, wenn die Unfallverletzung über den Unfalltag hinaus nicht zur Arbeitsunfähigkeit führt oder die notwendige ärztliche Behandlung voraussichtlich nicht über eine Woche andauert oder keine Heil- und Hilfsmittel zu verordnen sind oder es sich nicht um eine Wiedererkrankung aufgrund von Unfallfolgen handelt. Bei einer isolierten Augen-, oder HNO-Verletzung überweist der Vertragsarzt/ die Vertragsärztin unmittelbar an einen Facharzt/eine Fachärztin. Bei besonderen Verletzungen wie schweren, komplizierten Arm- oder Beinbrüchen erfolgt eine Überweisung an ein Krankenhaus, das am Verletzungs- bzw. Schwerstverletzungsartenverfahren der Unfallversicherung beteiligt ist. Diese Verletzungen sind in dem Vertragsartenverzeichnis aufgelistet (Anlage zum Vertrag Ärzte/ Unfallversicherungsträger). Andere Verletzungen, die stationärer Versorgung bedürfen, können in Krankenhäusern mit  Durchgangsärzten behandelt werden.
  3. In der Zeile „arbeitsunfähig seit“ ist einzutragen, von welchem Tag an bei dem Versicherten nach dem vom Arzt erhobenen Befund Arbeitsunfähigkeit besteht. Eine Rückdatierung ist nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu drei Tagen zulässig. Bei einer Erstbescheinigung ist in jedem Falle sowohl die Zeile „arbeitsunfähig seit“ als auch die Zeile „festgestellt am“ auszufüllen, und zwar auch dann, wenn die Daten übereinstimmen. Handelt es sich um eine Folgebescheinigung, kann der Eintrag des Datums in der Zeile „arbeitsunfähig seit“ unterbleiben.
  4. In dieses Kästchen ist das Datum einzusetzen, bis zu welchem auf Grund des erhobenen ärztlichen Befundes voraussichtlich Arbeitsunfähigkeit bestehen wird – in der Regel maximal zwei Wochen. Ist es auf Grund der Erkrankung oder eines besonderen Krankheitsverlaufs sachgerecht, kann die Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von einem Monat bescheinigt werden. Besteht an arbeitsfreien Tagen Arbeitsunfähigkeit (Samstagen, Sonntagen, Feiertagen, Urlaubstagen oder an arbeitsfreien Tagen aufgrund einer flexiblen Arbeitszeitregelung) ist sie auch für diese Tage zu bescheinigen. Liegt ein potentieller Krankengeldfall vor und der Arzt kann bereits bei der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit einschätzen, dass die Arbeitsunfähigkeit tatsächlich an dem im Feld „voraussichtlich arbeitsunfähig bis einschließlich bzw. letzter Tag der Arbeitsunfähigkeit“ angegebenen Datum endet, enden wird bzw. geendet hat, ist zusätzlich zur Angabe des letzten Tages das Kästchen „Endbescheinigung“ anzukreuzen. Das bescheinigte Datum ist für die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers, die Leistungsfortzahlung der Agentur für Arbeit und die Krankengeldzahlung
    wichtig.
  5. Die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit darf weder vor- noch rückdatiert werden! Das Feststelldatum ist wichtig für einen lückenlosen Nachweis des Fortbestehens einer Arbeitsunfähigkeit. Hierfür muss die weitere Arbeitsunfähigkeit spätestens an dem auf das bisher attestierte voraussichtliche Ende der Arbeitsunfähigkeit folgenden Werktag erneut ärztlich festgestellt werden. Samstage gelten nicht als Werktage. Durch eine verspätete Feststellung der Arbeitsunfähigkeit droht den Versicherten Krankengeldverlust.
  6. Bei der Ausfüllung der Felder „AU-begründende Diagnose(n)“ sind alle die aktuelle Arbeitsunfähigkeit begründenden Diagnosen im Format ICD-10 anzugeben. Eine zusätzliche Angabe als Klartext/Freitext ist nur zulässig, wenn die Angabe weitergehender Hinweise außerhalb der ICD-10-Kodierung notwendig ist.
  7. Bei Vorliegen eines Unfalls oder Unfallfolgen ist dies entsprechend anzukreuzen. Handelt es sich um einen Arbeitsunfall bzw. Folgen eines Arbeitsunfalls ist stattdessen „Arbeitsunfall/-folgen, Berufskrankheit“ anzukreuzen.
  8. Unter Versorgungsleiden werden alle Krankheiten oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen verstanden, die vom Versorgungamt anerkannt worden sind. Darunter fallen Ansprüche aus:
    - Bundesversorgungsgesetz (Kriegsschäden)
    - Opferentschädigungsgesetz (z.B. Opfer von Gewalttaten)
    - Infektionsschutzgesetz (z.B. Impfschäden, anderweitige Gesundheitsschäden durch Prophylaxe)
    - Soldatenversorgungsgesetz
  9. Sofern der Arzt die Einleitung von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, stufenweise Wiedereingliederung oder sonstige Maßnahmen (z.B. Leistungen zur Teilhabe oder betriebliches Eingliederungsmanagement) für erforderlich hält, sollte dies möglichst gleichzeitig zusammen mit dem Versicherten auf dem dafür vorgesehenen Antrag/Verordnungsmuster eingeleitet werden und der Antrag unter „Sonstige“ angegeben werden. Ist eine direkte Einleitung nicht möglich, ist die Empfehlung hier anzugeben.
  10. Sobald die Arbeitsunfähigkeit durchgängig mehr als sechs Wochen beträgt oder der Arzt über das Vorliegen eines sonstigen Krankengeldfalles (z.B. wegen anrechenbaren Vorerkrankungen oder Arbeitsunfähigkeit während der ersten vier Wochen des Arbeitsverhältnisses) Kenntnis erlangt, ist in jeder dieser Arbeitsunfähigkeit folgenden Bescheinigung das Kästchen „ab 7. AU-Woche oder sonstiger Krankengeldfall“ anzukreuzen. Bei der Angabe handelt es sich um einen Hinweis des Arztes für die Krankenkasse, dass die aktuelle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in einem potentiellen Krankengeldfall ausgestellt wurde; der Arzt beurteilt durch die Angabe nicht, ob tatsächlich ein Anspruch auf Krankengeld für den Versicherten gegeben ist. Liegt ein Krankengeldfall vor und der Arzt kann bereits bei der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit einschätzen, dass die Arbeitsunfähigkeit tatsächlich an dem im Feld „voraussichtlich arbeitsunfähig bis einschließlich bzw. letzter Tag der Arbeitsunfähigkeit“ angegebenen Datum endet, enden wird bzw. geendet hat, ist zusätzlich zur Angabe des letzten Tages das Kästchen „Endbescheinigung“ anzukreuzen.

 

Fragen und Antworten zur AU-Bescheinigung

Müssen weiter kassenindividuelle Zahlscheine ausgestellt werden? Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthält ja nicht die Kontonummer des Patienten.

Nein. Der Zahlschein wurde in das „Muster 1“ integriert. Die Kontonummer und weitere für die Krankengeldzahlung notwendige persönlichen Angaben müssen direkt zwischen der Kasse und dem Patienten kommuniziert werden.
 

Müssen wir die „Ausfertigung für Versicherte“ den Patienten aushändigen?

Ja, die jetzt neue Ausfertigung für den Versicherten (1c) muss allen Patienten ausgehändigt werden. Lehnt der Patient die Mitnahme aber ausdrücklich ab, kann die Praxis diesen Teil des Vordrucks später datenschutzgerecht entsorgen.
 

Der Anspruch auf Krankengeld ist unklar. Kann trotzdem eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit dem Kreuz „Im Krankengeldfall“ ausgestellt werden?

Ja, damit die Arbeitsunfähigkeit rechtzeitig dokumentiert ist. Der Arzt beurteilt durch das Kreuz nicht, ob tatsächlich ein Anspruch auf Krankengeld für den Patienten gegeben ist. Dafür ist die Krankenkasse zuständig.
 

Ersetzt das Muster 52 die bisherigen Krankengeld-Zahlscheine?

Nein. Der „Bericht für die Krankenkasse bei Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit“ hat nicht die Funktion eines Zahlscheins. 
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